Schönenbuch
Der Wasserturm mit dem eigenen Fremdenführer

Der Wasserturm ist eine Touristenattraktion. Aber auch für Hochzeits- oder Geburttagsgesellschaften ist er eine beliebte Wahl. Ulrich Burkhalter, der die ersten Führungen leitete, gibt Auskunft.

Michel Ecklin
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Als Schönenbuch 1989 den Wasserturm erstellte, ging es darum, die Gemeinde sicher mit Wasser zu versorgen. Die Gemeinde war stark gewachsen, und es fehlten die Hügel, die für genug Wasserdruck hätten sorgen können. «An den Turm als Attraktion dachte damals niemand», sagt Ulrich Burkhalter, Ende der 1980er-Jahre als Gemeinderat Mitglied der Baukommission.

Anfragen für Führungen nahmen zu

Doch bald erhielt die Gemeinde Anfragen für Besichtigungen, und es wurde jemand ehrenamtlich angestellt, der sich darum kümmerte. Vor rund acht Jahren und bis zum vergangenen Frühling übernahm Burkhalter dieses Amt, zusammen mit Martin Hermann. «Ich versuchte, auf meinen Führungen intelligente Antworten auf intelligente Fragen zu geben», meint Burkhalter bescheiden.

Am häufigsten interessiert die Besucher, wie der Turm entstanden ist, wie viel er kostete und warum es ihn überhaupt braucht.

«Neulich wollte ein Amerikaner wissen, ob rund um Schönenbuch Deutschland sei», sagt Burkhalter. Er kann auf Wunsch auch erklären, warum zuoberst auf dem Turm eine Flugwarnlampe ist: Um Piloten zu lenken, falls am Flughafen das Flugleitsystem ausfällt.

Häufig empfing Burkhalter Schüler aus Stadt und Land, die von ihm wissen wollten, woher das Wasser kommt. Die Lehrer wollten lieber Geografie- und Geschichtsunterricht erteilen, angesichts der phänomenalen Aussicht.

Burkhalter weiss auch darüber vieles, zum Beispiel über die Grenzziehung rund um Schönenbuch. Beim Ausflug eines Ingenieurbüros nahm es jemanden wunder, ob im Turm der Blitz einschlägt (tut er oft, die Blitzableiter funktionieren).

«Ich wusste auch nicht immer Antworten auf alle Fragen», sagt Burkhalter. Dafür kennt er zahlreiche Anekdoten rund um die Wasserversorgung Schönenbuchs. Zum Beispiel die Geschichte des Fribourger Paters. Dieser suchte in den frühen 1970er-Jahren mit Pendel und Astgabel Wasser – und fand entgegen der Vermutung der Geologen einen artesischen Brunnen in 50 Meter Tiefe, der jetzt noch Wasser liefert.

Schönenbuch statt Luzern

Hauptsächlich an der Exklusivität des Ortes interessiert sind die Hochzeits- oder Geburtstagsgesellschaften. Für Apéros sind Holztische und -bänke permanent in Steuerungsraum bei der Aussichtsterrasse gelagert. Eines Tages, erzählt Burkhalter, kam ein Fotograf aus Berlin, dem gesagt worden war, der Schönenbucher Turm sei besonders schön.

Der Turmwärter selber sieht das Bauwerk eher nüchtern. «Es ist einfach ein notwendiges Übel.» Auf anderen Wassertürmen war er kaum je, auf Reisen macht er keinen Umweg zu Wassertürmen.

Etwas emotionaler ist Beat Hugentobler, der im Frühling das Ehrenamt zusammen mit Andrea Bubendorf von Burkhalter und Hermann übernommen hat. «Die Geschichte und die Technik des Turms, das fasziniert mich», sagt der Schönenbucher Schulhausabwart. «Schliesslich geht es um unser Trinkwasser.»

Seine erste Führung hat er bereits hinter sich, mit einer Hochzeitsgesellschaft. Mit der argentinischen Verwandtschaft wollte man erst Luzern besuchen, entschied sich dann aber, Schönenbuch und dessen Turm anzuschauen.

«Es war ein Holländer dabei, der Pumpen herstellt und in unserem Turm eine Maschine seiner Firma entdeckte», sagt Hugentobler. Zwei Stunden lang sind er und Bubendorf von ihren Vorgängern gebrieft worden. «So viel wie Ueli Burkhalter weiss ich natürlich nicht», sagt Hugentobler bescheiden. «Aber in 20 Jahren bin ich dann vielleicht so weit.»