Schienenverkehr
Der Zug fürs Laufental ist noch nicht abgefahren

Die drohende massive Verschlechterung des Bahnangebots im Laufental scheint zumindest teilweise abgewendet. Der Bund wollte die Schnellzüge nach Basel so legen, dass wichtige Anschlüsse entfallen wären. Dagegen intervenierte die Baselbieter Regierung - offenbar mit Erfolg.

Benjamin Wieland
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Weniger Züge, schlechtere Verbindungen: Das blüht der Strecke Basel – Laufen. (Bild: ICN-Neigezug zwischen Duggingen und Grellingen.)

Weniger Züge, schlechtere Verbindungen: Das blüht der Strecke Basel – Laufen. (Bild: ICN-Neigezug zwischen Duggingen und Grellingen.)

bz-Archiv

Die drohende Abkoppelung des Laufentals von wichtigen Bahnverbindungen kann wohl abgewendet werden - zumindest teilweise. Seit Monaten stehen die Nordwestschweizer Kantone (BS, BL, SO, AG, JU) im Gespräch mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV) und den SBB. Nun zeichnet sich eine Einigung ab. Wie das BAV auf Anfrage der bz schreibt, dürfte eine Lösung «in den kommenden Wochen gefunden werden.» Über die Details schweigt sich das BAV aus.

Der Baselbieter Regierungsrat hat mehrfach klar gestellt, dass er eine Verschlechterung des Bahnangebots fürs Laufental nicht hinnehmen würde. Genau diese Abkoppelung hätte dem Laufental ohne Intervention spätestens in zwei Jahren gedroht: Das BAV hatte ursprünglich beabsichtigt, ab 2016 die stündlichen Schnellzüge zwischen Laufen und Basel um eine halbe Stunde zu «kehren». Die Folge: Die Passagiere würden zur halben Stunde in Basel SBB eintreffen und nicht mehr - wie heute - zur vollen. Damit hätten sie alle wichtigen Anschlüsse verpasst. Auch die sieben täglichen Verbindungen Basel - Genf-Flughafen mit Halt in Laufen gedenkt die SBB zu kappen, diese sollen nur noch bis Lausanne verkehren. Grund für die Umstellungen sind Bauarbeiten im Raum Lausanne mit einer projektierten Laufzeit von zehn Jahren.

Gravierende Einbussen befürchtet

Die Regierung bekräftigte ihre Haltung zuletzt am Dienstag: In Antworten auf zwei ähnlich lautende Vorstösse aus dem Landrat schreibt sie: «Die von Bund und SBB vorgeschlagene Drehung (...) hätte für die Bahnanbindung im Laufental gravierende Qualitätseinbussen zur Folge». Und weiter: «Die Regierung ist nicht bereit, diese anzunehmen.» Landrat Andreas Giger (SP), Verfasser eines der beiden Vorstösse, zeigt sich zufrieden: «Die Regierung engagiert sich stark für die Anbindung des Laufentals». Er befürchtet aber, dass der Handlungsspielraum des Baselbiets nun ausgeschöpft sei. «Die Nordwestschweiz muss weiterhin geeint auftreten, sonst werden wir einmal mehr übergangen.»

Die SBB hat schon mehrfach betont, dass die Änderung des Fahrplans auf der Juralinie Basel - Biel notwendig sei. Während der Bauarbeiten habe es vor Lausanne zu wenig Platz. Giger sieht sich in seiner Meinung bestätigt, dass die SBB die Jurastrecke «stiefmütterlich» behandle. «Es gibt zwei ICN-Kompositionen, die kurz hintereinander die Strecke von Biel in Richtung Lausanne befahren, Platz hat es aber nur für eine - die SBB drehen nun kurzerhand die Basler Verbindung um eine halbe Stunde.»

Doppelspur bleibt Thema

Die SBB haben in Aussicht gestellt, alle Änderungen nach Abschluss der Arbeiten wieder rückgängig zu machen. Marc Scherrer, Co-Präsident des Komitees Pro Juralinie, traut diesem Versprechen jedoch nicht. «Wir wurden schon zu oft enttäuscht und anschliessend vertröstet, sodass auch bei einer nur übergangsmässigen Abwertung der Normalzustand kaum wieder hergestellt wird.»

Eine wichtige Rolle bei der Fahrplan-Umstellung spielt das fehlende zweite Gleis der Jurabahn. Der Ausbau auf Doppelspur wurde zwar erstmals im Rahmen der Bahn 2000 beschlossen, bis heute jedoch nicht realisiert. Baselland will hier vorwärtsmachen und hat den Bund nach den Modalitäten einer Vorfinanzierung durch den Kanton angefragt. Eine Antwort aus Bern steht noch aus.

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