Feuerbrand
Deshalb sind die Obstbauern froh über das schlechte Osterwetter

Frohe Osterbotschaft für die Baselbieter Obstbauern mit Äpfel- und Birnbäumen: Über die Festtage gibt es kein Feuerbrandrisiko. Vor ein paar Tagen sah es noch gefährlich aus, dank dem Kälteeinbruch können die Obstbauern nun aufatmen.

Andreas Hirsbrunner
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Zeichen von Feuerbrand: Pflanzen welken und sterben ab.

Zeichen von Feuerbrand: Pflanzen welken und sterben ab.

Keystone

Absender der positiven Botschaft ist Pascal Simon vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach, der sich seiner Sache noch vor wenigen Tagen nicht so sicher war. Aber der Kälteeinbruch führte nun zur Entwarnung. Denn die Temperatur ist ein wesentlicher Risikofaktor, ob es zum Ausbruch der fürs Kernobst und einige Wild- und Ziersträucher hochansteckenden bakteriellen Erkrankung Feuerbrand kommt. So wird es bei offenen Blüten erst gefährlich, wenn die Tagesdurchschnittstemperatur über 15,6 Grad beträgt und es ab Beginn der Blütezeit schon eine Wärmeperiode über 18,3 Grad gegeben hat.

Zudem muss für eine Infektion eine gewisse Feuchtigkeit vorhanden sein. Übertragen wird die Krankheit während der Blütezeit, dann sind die Pflanzen am anfälligsten – vor allem durch Bienen. Und Feuerbrand kann im Extremfall heissen, dass ganze Plantagen ausgemerzt werden müssen.

Nur kleine Schäden im Baselbiet

Das Baselbiet blieb bis jetzt im Gegensatz etwa zur Ostschweiz vor einem Feuerbrand-Befall im grossen Stil verschont. In der Landwirtschaft waren erst einmal ein paar Apfelbäume in Oberdorf befallen, ansonsten betrafen die Schäden Bäume und Zierpflanzen in Privatgärten. Im letzten Jahr gab es im Kanton laut Simon gar keinen Krankheitsausbruch. Deshalb wurde im Baselbiet noch nie das umstrittene Antibiotikum Streptomycin eingesetzt.

Und es sieht ganz danach aus, dass das auch in diesem Jahr so bleibt. Simon sagt: «Die Blütezeit ist Ende nächster Woche vorbei und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass wir auch in diesem Jahr keine Freigabe für den Einsatz von Streptomycin erteilen.»

Zwei Betriebe dürfen kaufen

Das Prozedere, dass ein Bauer das Antibiotikum spritzen darf, ist mehrstufig und beginnt ganz oben beim Bundesrat: Dieser hat im Januar entschieden, dass Streptomycin auch in diesem Jahr eingesetzt werden darf. Daraufhin hat Ebenrain 60 Betrieben im Kanton mit mehr als 20 Aren Kernobst einen Bezugsberechtigungsschein geschickt. Bei den ausgefüllten, retournierten Scheinen prüfte der Kanton dann, ob die entsprechenden Betriebe in einer der derzeit acht Befallszonen zwischen Schönenbuch und Wintersingen oder unmittelbar daneben liegen.

Für das laufende Jahr erhielten schliesslich zwei Betriebe in Füllinsdorf und Ramlinsburg einen Bezugsberechtigungsschein, mit dem sie Streptomycin kaufen können. Der letzte, bis heute im Baselbiet eben noch nie erfolgte Schritt wäre, dass der Ebenrain eine einmalige Behandlungsbewilligung erteilt.

Imker fürchten um ihren Honig

Derzeit ist Streptomycin das Erfolg versprechendste Mittel gegen Feuerbrand, doch gibt es gegen seine Verwendung Widerstand. Der Stärkste kommt von den Imkern. Denn in Regionen, in denen das Antibiotikum eingesetzt worden war, konnten Rückstände im Honig nachgewiesen werden, was dem guten Ruf des Naturprodukts empfindlich schadete.