Einwohnerrat
Die A 22 ist ein grosses Sorgenkind des Liestaler Einwohnerrats

Die Erneuerung der Umfahrungsstrasse A 22 ist beim Kanton weit nach hinten gerückt. Liestal ist nicht nur unglücklich. Das kantonale Tiefbauamt prüft die Strasse derzeit auf ihren Zustand und will das entsprechende Erhaltungsprojekt vorantreiben.

Andreas Hirsbrunner
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Auf diesem Streckenabschnitt der A22 bei Liestal wird der Zustand der Strasse geprüft.

Auf diesem Streckenabschnitt der A22 bei Liestal wird der Zustand der Strasse geprüft.

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Für einmal sorgte gestern Abend im Liestaler Einwohnerrat ein «Gerücht» für erhellende Informationen. Gerhard Schafroth (GLP) wollte nämlich wissen, was am «Gerücht» dran sei, dass die Umfahrungsstrasse A 22 aufgrund ihres schlechten Zustands demnächst für Lastwagen gesperrt werde. Stadtrat Franz Kaufmann (SP) entgegnete, dass eine Schliessung «die allerschlimmste Massnahme» sei, die aber nicht «unmittelbar» bevorstehe.

Wobei eine Sperrung nur für Lastwagen nicht so gravierend sei, weil diese auf die Spange Sissach-Arisdorf-Pratteln ausweichen würden, meinte Kaufmann. Das kantonale Tiefbauamt überprüfe derzeit den Abschnitt von der Gasstrassen-Brücke bis zum Altmarkt detailliert auf dessen Zustand. Die 40-jährige Strasse sei bezüglich Hochwasserschutz, Lärmschutz und Erdbebensicherheit am Ende der Lebensdauer. Doch versicherte Kaufmann: «Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Strasse einbricht.» Der Kanton projektiere einen Neubau in der Grössenordnung von 100 Millionen Franken, der hoffentlich irgendwann ins Investitionsprogramm komme.

Neue Wege bei A 22 suchen

Der Stadtrat, so Kaufmann weiter, sei aber nicht unglücklich, wenn der Kanton jetzt das Erhaltungsprojekt, das die A 22 für weitere fünf bis zehn Jahre als Umfahrungsstrasse sichere, vorantreibe. Der Grund: Der Stadtrat will vermeiden, dass mit dem A 22-Neubau und dem SBB-Ausbau auf vier Spuren gleichzeitig zwei verkehrliche Grossbaustellen Liestal belasten. Letztere sollte, so rechnet Kaufmann, 2025 abgeschlossen sein. Und er weckte Ängste und Hoffnungen zugleich: «Die A 22 ist für Liestal ein dramatischer Bau. Wegen dem Hochwasserschutz wird er einen Meter höher und hat noch stärkere Mauerwirkung. Die Wartephase gibt uns nun die Chance, über andere Wege nachzudenken.»

Von der Dramatik zur Tragik-Komik: Vor rund einem Jahr wehte ein Sturm der Entrüstung durch den Einwohnerratssaal, als aufgrund eines Vorstosses bekannt wurde, dass Liestals Feuerwehrfrauen nur in sehr bescheidenem Rahmen über eigene sanitarische Räume verfügen und der Stadtrat das Problem nicht anpackte. Gestern nun legte dieser eine knapp 100 000 Franken schwere Vorlage vor, um dem Mangel Abhilfe zu schaffen. Gleichzeitig trat Stadträtin Marion Schafroth (FDP) auf die Bremse: «Es gibt neue Aspekte. Derzeit laufen Fusionsverhandlungen mit angrenzenden kleinen Feuerwehren. Vielleicht kommt deshalb in den nächsten ein bis zwei Jahren noch anderes dazu und es ist gescheit, den Investitionskredit jetzt nicht zu bewilligen.»

Nach grösseren Irrungen und Wirrungen um das weitere Vorgehen wies der Rat die Vorlage einstimmig zurück.