Autobus AG Liestal
Die AAGL geht locker mit Governance-Regeln um

Der neu gewählte Verwaltungsrat Lukas Haldemann ist auch Auftragnehmer der AAGL. Das geht eigentlich nicht.

Daniel Haller
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Lukas Hartmann ist neu gewählter Verwaltungsrat der AAGL. Sein Unternehmen hat aber auch die neue AAGL-App entwickelt.

Lukas Hartmann ist neu gewählter Verwaltungsrat der AAGL. Sein Unternehmen hat aber auch die neue AAGL-App entwickelt.

Kenneth Nars

Lukas Haldemann ist Experte. Mit seiner Firma Innotix hat er die App der Autobus AG Liestal (AAGL) entwickelt, mit welcher der Fahrgast auf dem Handy nachschauen kann, wo sich die AAGL-Busse gerade befinden. «Das Team der Innotix hat seine Innovationskraft (...) gebündelt, um diese Innovation innert nur 10 Wochen rechtzeitig auf das Rebranding der AAGL zur Auto Bus AG fertigzustellen», rühmt sich das KMU auf seiner Website. «Die Übersichtsdarstellung zeigt eindrücklich, wie die 39 Busse der AAGL täglich tausende Pendler hin- und zurückbringen.»

Lukas Haldemann ist auch Verwaltungsrat dieser AAGL: An der Generalversammlung wurde er im Juni – unter Enthaltung des Kantons, der 22 Prozent der Simmkraft innehat – gewählt. Dabei ist die Doppelrolle als Lieferant und Aufsichtsorgan problematisch. So fordern die Governance-Richtlinien des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse die Unabhängigkeit von Verwaltungsräten: «Als unabhängig gelten (...) Mitglieder des Verwaltungsrats, (...) die mit der Gesellschaft in keinen oder nur verhältnismässig geringfügigen geschäftlichen Beziehungen stehen.»

Dieses Prinzip wird mit der Wahl Hartmanns infrage gestellt. Die App ist sowohl für die AAGL als auch den Lieferanten Innotix wichtig: Beide präsentieren sie auf ihren Websites an prominenter Stelle.

«Anstand und Moral»

«Ich bin überzeugt, dass man als Aufsichtsorgan eines Unternehmens weder direkt noch indirekt Aufträge entgegennehmen darf, weil man das Aufsichtsprinzip damit eklatant verletzt», erklärte Marc Jaquet, Arbeitgeberpräsident beider Basel, vor drei Jahren in der «Basler Zeitung» anlässlich einer ähnlichen Affäre der Basler Kantonalbank (BKB): Der Grossrat Markus Lehmann (CVP) hatte als Broker dem BKB-Konzern Versicherungen verkauft, obschon er im BKB-Bankrat sass. Einige Monate später trat er zurück.

Solche Prinzipien scheint bei der AAGL locker zu handhaben. So hat das «Regionaljournal Basel» von Radio SRF aufgedeckt, dass Verwaltungsrätin, SVP-Nationalrätin und Malermeisterin Sandra Sollberger von der AAGL einen Maler-Auftrag erhielt. Hinzu kommt nun die Wahl eines IT-Lieferanten in den Verwaltungsrat.

Dabei hatte Arbeitgeberpräsident Jaquet im zitierten Interview betont: «Wenn sich jemand in ein oberstes Aufsichtsgremium wählen lässt, dann gehört es zu eben jener Kompetenz, zu wissen, was Good Governance und Best Practice ist. (...) Was beiden Bereichen letztlich gemeinsam ist, ist die Frage von Anstand und Moral, zu wissen, was richtig ist und was nicht.»

«Projekt abgeschlossen»

«Tatsächlich hat die Innotix die AAGL bei der Erarbeitung der IT-Strategie unterstützt und die neue Website der AAGL entwickelt, bevor Lukas Haldemann in den Verwaltungsrat gewählt wurde», erklärt AAGL-Geschäftsführer Roman Stingelin. Dabei habe die AAGL Haldemann kennen gelernt.

«Ihn als Verwaltungsrat zu nominieren lag nahe, ist er doch Wirtschaftsinformatiker mit Spezialisierung im öV – und dieses Wissen fehlte im Verwaltungsrat der AAGL.» Haldemann arbeite gleichzeitig für andere Transportunternehmen. «Das ist für uns kein Problem.»

Haldemann ergänzt: «Als ich für den Verwaltungsrat angefragt wurde, hat mir das spontan eingeleuchtet: Ein Transportunternehmen muss heute auch die Digitalisierung verstehen und richtig einsetzen.» Dabei habe man die Doppelrolle als Entscheider und Lieferant diskutiert.

Es bestehe kein Widerspruch zur Empfehlung der Economiesuisse, meint Stingelin. Das Projekt sei abgeschlossen. «Bei Innotix läuft nur noch der Betrieb der Website, und diese Beträge sind marginal im tiefen vierstelligen Bereich.» Haldemann sei also nur noch Entscheider.

Kanton «nicht zufrieden»

Der Kanton habe sich nicht aus Governance-Überlegungen bei der Wahl Haldemanns enthalten, erklärt Dieter Leutwyler, Sprecher der Bau- und Umweltdirektion, sondern «weil er nicht zufrieden war mit der Zusammensetzung des Verwaltungsrates, in den der vom Kanton vorgeschlagene Kandidat nicht Einsitz nehmen durfte.»