Muttenz
Die älteste Baselbieterin wird heute 107 Jahre alt

Alice Roffler hatte in ihrem langen Leben nicht immer Grund zum Lachen. Dennoch gibt sie sich stets fröhlich. So auch bei ihrer 107. Geburtstagsfeier im Altersheim Zum Park.

Charles Martin
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Alice Roffler erfreut sich bester Gesundheit: «Das habe ich alles dem himmlischen Vater zu verdanken». cma

Alice Roffler erfreut sich bester Gesundheit: «Das habe ich alles dem himmlischen Vater zu verdanken». cma

Der Himmel ist nach der wochenlangen Sonnenflut erstmals wieder wolkenverhangen, die Frühjahrssonne nur noch eine sehnsuchtsvolle Ahnung. Alice Rofflers Gesicht hingegen leuchtet auch ohne sie, strahlt Freude und Zufriedenheit aus. Dass sie heute ihren 107. Geburtstag feiern darf, führt sie auf ihren disziplinierten und von tiefster Dankbarkeit geprägten Lebenswandel zurück. «Früh aufstehen, täglich beten, fleissig arbeiten und viele Früchte essen», sagt sie. «Den Pudding nehme ich nicht, zu viel Fett, zu viel Zucker.»

Zwei Weltkriege hat sie erlebt, mit all ihren traurigen Facetten. Nicht immer war es einfach, die kleine Familie über Wasser zu halten. Ihr Mann Heinrich, mit dem sie 44 Jahre lang verheiratet war, starb vor 35 Jahren, ihr einziger Sohn folgte ihm im Juli 2008.

Mit 97 das letzte Kleid genäht

Wir sitzen einander im Essbereich des Altersheims «Zum Park» gegenüber. Zur Verabredung trägt die ehemalige Schneiderin ein türkis-dunkelgrün geflecktes Kleid. Komplimente hierzu nimmt sie mit einem beinahe jugendlich anmutenden Lächeln entgegen. «Das Kleid ist das letzte, das ich selber genäht habe», erklärt sie. 97 Jahre alt sei sie damals gewesen. Alice Roffler erfreut sich einer aussergewöhnlichen Gesundheit, aber das Hören und das Sehen lassen inzwischen doch sehr zu wünschen übrig.

Trotzdem verzichtet sie meist auf die Hilfe Dritter. Bis zum Sommer 2010 fuhr sie alleine im Tram zur Kirche. Und den Park neben dem Altersheim begeht sie auch heute meist alleine, ohne Stock, wenn auch nicht immer ganz ohne zu schwanken. Dann setzt sie sich auf die kleine Mauer beim Weiher und geniesst die Sonne, die frische Luft – und ab und zu ein kleines Gespräch. «Ich weiss zwar oft nicht, wer gerade an mir vorüber geht. Aber dann frage ich, und wenn ich die Stimme höre, rate ich, und meistens richtig.»

Keine Spur von Vergesslichkeit

Im Dezember 1998 suchte Alice Roffler das Altersheim «Zum Park» in Muttenz auf. Ultimativ verkündete sie: «Da bin ich, mein Haus ist verkauft, ihr müsst mich jetzt aufnehmen.» Seitdem wohnt Alice Roffler auf der zweiten Etage mit Blick auf den grünen Park. Das Gedächtnis funktioniert noch tadellos. Auch das Kurzzeitgedächtnis. Keine Spur von Vergesslichkeit. «Das habe ich alles dem himmlischen Vater zu verdanken», sagt sie. Alice Roffler ist sehr religiös, sie glaubt, dass sie ihre Familie einst im Himmel wieder treffen und mit ihr vereint sein wird.

Laut dem Statistischen Amt in Liestal ist sie übrigens die älteste Baselbieterin. 108 Jahre alt werden, das kann sie sich gerade noch vorstellen: «Aber dann ist Schluss.» Sechs Enkelkinder zieren ihr Leben, dazu elf Urenkel und Urenkelinnen sowie seit dreieinhalb Monaten die erste Ururenkelin. Viele von ihnen kommen heute gratulieren. «Und am Mittag kommt auch der Gemeindepräsident von Muttenz», weiss sie. Wie jeden Tag, steht sie auch heute um fünf Uhr früh auf und wartet geduldig: «Schliesslich habe ich jetzt fast unendlich viel Zeit.»