Pratteln
«Die armen Tiere sind total verstört»

Mitten in der Nacht haben Unbekannte vor dem Prattler Tierheim «Zum Schnüffel» drei Kartonschachteln abgeladen. Inhalt: sechs Katzen. Die Tiere haben vermutlich die ganze Nacht in den Schachteln verbracht.

Birgit Günter
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Daniela Grossenbacher

Daniela Grossenbacher

Als Rösli Schlub, die Leiterin des Tierheimes, diese am Freitagmorgen um Viertel vor sieben Uhr findet, sind sie in einem erbärmlichen Zustand. Die frierenden und verängstigten Tiere haben vermutlich die ganze Nacht in den Schachteln verbracht – das sich darin befindende Trockenfutter war bereits durchnässt von Urin und Kot.

«Es braucht Zeit, bis sie Vertrauen gewinnen.»

Auch vier Tage später geht es den Katzen kaum besser. «Die armen Tiere sind total verstört», sagt Schlub. «Es braucht Zeit, bis sie ein bisschen Vertrauen gewinnen.»

Speziell an diesem Fall ist, dass den ausgesetzten Tieren ein Brief beilag. Darin heisst es, dass «wir aus gesundheitlichen Gründen den Büsis leider kein Zuhause mehr bieten können». Schlub vermutet, dass sich hinter der Tier-Tragödie auch eine menschliche Tragödie verbirgt, etwa eine schwere Krankheit. «Ich versuche, die Leute deshalb nicht zu verurteilen.» Wichtig wäre aber, dass das Tierheim von den Katzen wenigstens die Impfgeschichte, das genaue Alter und die Namen kennen würde. Schlub fordert die früheren Besitzer darum auf, sich bei ihr zu melden. «Ihnen passiert nichts», beteuert sie.

Schlechte Saison für Tiere

Dass Katzen oder andere Tiere wie etwa Meerschweinchen einfach ausgesetzt werden, erlebt Schlub immer wieder. «Ich habe schon Katzen im Briefkasten gehabt», erzählt sie. Ihr fällt auf, dass solche Fälle in den letzten Tagen zunehmen. «Mit den Tieren wird wieder böser umgegangen», beobachtet sie. «Vielleicht spüren die Leute die Auswirkungen der Finanzkrise und geben den Druck an die Tiere weiter.» Und sobald es auf Weihnachten zugehe, verschlimmere sich die Situation immer.

Für die Mitarbeiter des Tierheims geht nun ein Detektivspiel los, um die Besitzer ausfindig zu machen. Der mit Schreibmaschine geschriebene Brief hilft nicht weiter, jedoch eventuell die Aufschrift «Schlafzentrum» auf einer der Schachteln. Zudem haben die Katzen – fünf schneeweisse und ein getigerte – vermutlich mit Hunden zusammengelebt, denn vor ihnen haben sie keine Angst.