Reinach
Die Baselbieter machen gerne Ferien im Altersheim

Ferienzimmer in Pflegeheimen sind stark gebucht und sehr beliebt. Eine Gemeinde jedoch tanzt aus der Reihe: In Reinach werden sämtliche Ferien- und Entlastungszimmer abgeschafft, da sie zu wenig benutzt würden.

Benjamin Wieland
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Dafür bleibt in den Altersheimen kaum noch Zeit: Eine Pflegerin hilft einer Betagten aus dem Bett.Fotolia

Dafür bleibt in den Altersheimen kaum noch Zeit: Eine Pflegerin hilft einer Betagten aus dem Bett.Fotolia

Robert Kneschke - Fotolia

Das Angebot der Ferienzimmer ist bestechend: Angehörige, die eine betagte Person pflegen, können diese in die Obhut eines Pflegeheims geben. Das Zimmer ist tage- oder wochenweise buchbar, Pflege und Kost inklusive. Die Betagten sind gut aufgehoben – die Angehörigen können sich ein Time-out gönnen.

22 Pflegeheime im Kanton Baselland bieten solche Ferien- oder Entlastungszimmer an. Das Seniorenheim Aumatt in Reinach ist eines davon – aber nur noch für kurze Zeit: Die Gemeinde ist nicht mehr bereit, das Angebot mitzutragen. Das Zimmer werde «viel zu wenig benutzt», teilte der Gemeinderat am Dienstag mit. Die Beiträge würden deshalb gestrichen. Ende Februar läuft der Vertrag mit dem Aumatt aus, der Raum wird umgenutzt.

Nur gerade mal zwei Ferienzimmer in Basel

Mit 32 Ferienbetten können die Baselbieter Pflegeheime aufwarten - in Basel-Stadt gibt es gerade zwei. Das Wesley-Haus im Kleinbasel bietet zwei «möblierte Entlastungsplätze» an. Laut Felix Bader, Leiter der Abteilung Langzeitpflege beim Gesundheitsdepartement, wäre das Bedürfnis nach Ferienbetten auch in der Stadt riesig. «Aber wir haben derzeit schlicht viel zu wenig Pflegeplätze

Keine Einrichtung könne es sich leisten, Zimmer leer stehen zu lassen, diese würden rasch neu besetzt. Das Wesley-Haus ist laut Bader eine Ausnahme, weil das betreffende Zimmer für die Langzeit-Pflege nicht geeignet sei.

Eine Entlastung erhofft man sich im Stadtkanton von der bevor stehenden Eröffnung von drei neuen Pflegeheimen. Mit dem Senevita Gellertblick, dem Burgfelderhof des Bürgerspitals und dem Alterszentrum Bethesda Gellert wird sich die Zahl der Pflegeplätze um rund 200 erhöhen- von heute 2851 auf über 3000. (bwi)

Reinach führte das Zimmer vor zwei Jahren ein, im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojekts. Die Angehörigen bezahlten die Aufenthalte selber – stand das Zimmer leer, sprang die Gemeinde ein.

Zuviel Leerstand

Das war in der vergangenen zwei Jahren ziemlich oft der Fall. Exakt neun Personen haben das Zimmer 2013 gebucht, im Jahr zuvor waren es zehn. Der Leerstand kostete die Steuerzahler 38 500 Franken.

Die Reinacher Gemeinderätin Bianca Maag-Streit (SP) findet keine Erklärung, weshalb das Ferienzimmer auf wenig Nachfrage gestossen ist. An der mangelnden Bekanntheit könne es nicht liegen, sagt Maag: «Wir haben sogar Reklame für das Zimmer gemacht.» Die Gemeinde führte das Angebot 2012 aufgrund eines politischen Vorstosses ein. Hintergrund war, dass die Betten an anderen Orten auf grosses Interesse stossen. «Es war für uns überraschend, dass dies bei uns nicht der Fall war», sagt Maag.

Insgesamt 32 Ferien- oder Entlastungszimmer gibt es im Baselbiet (Reinach nicht mitgezählt). Das Bedürfnis nach derartigen Angeboten sei «sehr gross», bestätigt Andi Meyer, Geschäftsführer des Verbands Baselbieter Alters-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen (BAP). «Wäre dem nicht so, würden die Heime die Zimmer wohl rasch in Zimmer für Langzeit-Bewohner umwandeln.» Genau das ist in Basel geschehen, dort gibt es nur zwei Ferienzimmer.

Ortsfremde nutzten Angebot

Neben der tiefen Auslastung begründet der Reinacher Gemeinderat den Abbau mit zwei weiteren Argumenten: Rund ein Drittel der «Mieter» sei nicht in Reinach wohnhaft gewesen. Und dann sei das Bett auch als «Übergangslösung zwischen Spital und Seniorenzentrum» genutzt worden. Dafür sei es jedoch explizit nicht vorgesehen.