Mitgliederzahlen
Die Baselbieter SP ist so beliebt wie seit Jahren nicht mehr

Die Genossen konnten im Baselbiet 2016 um 9 Prozent zulegen. Den Wachstum haben sie auch ihrer Oppositionsrolle zu verdanken.

Hans-Martin Jermann
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Im Aufwind: Bei der SP und den Juso geht es mitgliedermässig im Baselbiet derzeit rasant aufwärts (Bild von der 1. Mai-Kundgebung 2016 im Liestaler Stedtli).

Im Aufwind: Bei der SP und den Juso geht es mitgliedermässig im Baselbiet derzeit rasant aufwärts (Bild von der 1. Mai-Kundgebung 2016 im Liestaler Stedtli).

Juri Junkov

Der Baselbieter SP-Präsident Adil Koller hat zum Jahreswechsel allen Grund zur Zufriedenheit und Zuversicht. Bei den Mitgliederzahlen ist es im vergangenen Jahr für die SP rasant aufwärtsgegangen: Um eindrückliche 9 Prozent konnte seine Partei bis Ende November 2016 zulegen, die Zahl der Mitglieder stieg um 98 auf 1314. Der Jahressaldo liegt noch nicht vor, doch bereits lässt sich bilanzieren: Ein solch starkes Wachstum verzeichnete die Baselbieter SP letztmals 1995 – nicht nur, aber vor allem dank des Kantonswechsels des Laufentals. Damals zählte die Partei 1550 Mitglieder.

In den letzten 20 Jahren hat die SP kontinuierlich leicht Mitglieder verloren; Todesfälle und Parteiaustritte konnten – wie bei anderen Parteien – zahlenmässig nicht durch Neueintritte kompensiert werden. Doch 2016 war plötzlich alles anders. Mit dem satten Wachstum konnte die SP das Minus mehrerer Jahre auf einen Schlag wettmachen; mittlerweile befindet man sich immerhin wieder auf dem Stand von 2010. Bereits 2015 deutete sich im Zuge der personellen Erneuerung der Parteileitung eine Trendwende mit einem kleinen Wachstum an. Seit wenigen Jahren legen zudem die Juso stark zu; sie sind mittlerweile nicht «nur» die klar mitgliederstärkste Jungpartei, sondern sie haben auch die im Parlament vertretenen Parteien BDP und GLP überholt.

Mehr als nur Trump-Effekt

Doch weshalb dieser Mitgliederboom bei der Baselbieter SP? Im Herbst war viel vom Trump-Effekt die Rede, der linken Parteien europaweit starken Zuspruch bescherte. Auch Koller berichtet: «Im November flatterte im Schnitt jeden Tag eine neue Mitgliedschaft ins Haus.» Dennoch erklärt er das Wachstum vor allem mit der kantonalen Politik. So hat die Baselbieter SP mit neun Prozent weitaus stärker zulegen können als die nationale Mutterpartei (rund zwei Prozent). «Die SP ist die Gegenbewegung zur bürgerlichen Dominanz in Parlament und Regierung», sagt Koller. Besonders erfreulich sei, dass die SP auch in einem Alterssegment zulege, welches die Parteien gewöhnlich nur schwer erreichen: die 30- bis 40-Jährigen. «Der Abbau bei Bildung, öV und Prämienverbilligungen betrifft sie – oft sind es junge Familien – ganz direkt.»

Das Wachstum ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Trend und die Bevölkerungsentwicklung im Baselbiet eher gegen die SP sprechen würden: Viele Linke wandern in die Städte ab, wo sie das von ihnen bevorzugte Umfeld finden. Umgekehrt haben in der Agglomeration in den vergangenen Jahren rechtsbürgerliche Kräfte stark zugelegt – manchenorts auf Kosten der Linken.

SVP profitierte von Fusionsnein

Und wie siehts bei den anderen Parteien aus? Ein solch spektakuläres Wachstum wie die SP kann niemand vorweisen. Laut dem Baselbieter SVP-Chef Oskar Kämpfer hat seine Partei im 2016 um zwei Prozent auf rund 2100 Mitglieder zugelegt. Für die Mitgliederentwicklung bei der SVP spiele sowohl die nationale als auch die kantonale Politik eine Rolle. Ein «schönes» Wachstum verzeichnete die Baselbieter SVP 2014, als in beiden Basel über die Kantonsfusion abgestimmt wurde. Die prononcierte Nein-Kampagne der SVP zahlte sich also auch mitgliedermässig aus. Den Rechts-Trend in der Agglo bestätigt Kämpfer: «In den stadtnahen Gemeinden konnten wir in den vergangenen Jahren stark zulegen. Hier liegt auch in Zukunft unser Wachstumspotenzial.» Der starke Mitgliederanstieg bei der Konkurrenz kommentiert der SVP-Präsident so: «Die SP ist zuletzt aktiver geworden. Ihre Oppositionsrolle könnte ihr auf der Suche nach neuen Mitgliedern tatsächlich zugute gekommen sein.» Dies immer unter der Voraussetzung, dass die präsentierten Zahlen auch stimmen, fügt er an.

Damit verweist der SVP-Präsident auf ein generelles Problem: Die bz war bei ihrer Recherche auf die Offenheit der Parteipräsidenten angewiesen. Die Parteien sind nicht verpflichtet, ihre Mitgliederlisten zu publizieren; eine unabhängige Überprüfung der Zahlen ist denn auch nicht möglich. Das Thema ist heikel – die Parteien wollen sich nicht so richtig in die Karten blicken lassen. Dennoch hat die bz von den grossen politischen Kräften im Kanton zumindest rudimentäre Zahlen erhalten.

CVP hat am meisten Mitglieder

Demnach mitgliederstärkste Baselbieter Partei ist die CVP. Sie zählt gemäss Parteipräsident Marc Scherrer per Ende 2016 rund 2500 Mitglieder. Die Zahlen seien in den vergangenen Jahren stabil gewesen, lässt Scherrer verlauten. Die Mitgliederzahl der CVP ist im Vergleich zu ihrem Wähleranteil von 9,6 Prozent bei den Landratswahlen 2015 ausgesprochen hoch, was auf eine überdurchschnittlich starke Bindung der CVP-Wähler zur Partei schliessen lässt. Auf Rang zwei bei den Mitgliederzahlen folgt die wählerstärkste Partei, die SVP (Wähleranteil 26,8 Prozent). Die FDP zählt laut Präsidentin Christine Frey rund 2000 Mitglieder, dies bei einem Wähleranteil von 19 Prozent. Laut Frey haben die Mitgliederzahlen in den vergangenen vier Jahren leicht zugenommen; dies nach schwierigen Vorjahren.

Im bürgerlichen Lager gibt es also eine stärkere Mitgliederbindung der Wähler als bei Rot-Grün. So zählt die SP trotz höherem Wähleranteil wesentlich weniger Mitglieder als die FDP. Dies wohl auch deshalb, weil der nach Einkommen erhobene Mitgliederbeitrag bei der SP wesentlich teurer ist als bei den bürgerlichen Parteien. Krass ist das Missverhältnis zwischen Wähleranteil und Mitgliedern bei den Baselbieter Grünen: Obwohl bei den Wahlen 2015 genau gleich stark wie die CVP zählten sie Ende 2016 gerade einmal 269 Mitglieder. «Wir sind eben eine Bewegungspartei», kommentiert Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer.