Öffentlicher Verkehr
Die behindertengerechte Europapremiere bei der Bushaltestelle in Therwil

An der Bushaltestelle bei der Jurastrasse in Therwil wurde erstmals ein patentierter Bordstein getestet, der den niveaugleichen Einstieg für Rollstühle und Rollatoren ermöglicht. Sogar Niederflurbusse können problemlos an hohe Bordsteine heranfahren.

Boris Burkhardt
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Die Therwiler Haltestelle «Jurastrasse» verfügt Richtung Westen (rechts) bereits über den neuen Bordstein. Bei der Haltestelle gegenüber ist der Höhenunterschied noch deutlich zu sehen. Boris Burkhardt

Die Therwiler Haltestelle «Jurastrasse» verfügt Richtung Westen (rechts) bereits über den neuen Bordstein. Bei der Haltestelle gegenüber ist der Höhenunterschied noch deutlich zu sehen. Boris Burkhardt

Es ist eine unscheinbare Bushaltestelle der BLT-Linien 62 und 64, die in Therwil bei der Jurastrasse Richtung Westen steht. Dennoch fand die Bushaltestelle in den letzten Monaten schweizweit grosse Beachtung: Denn hier auf der Reinacherstrasse testeten Kanton, Transportunternehmen und Behindertenverbände seit November zum ersten Mal in Europa den patentierten Betonbordstein einer deutschen Firma.

Das Kasseler Sonderbord

Der patentierte Betonbordstein «Kasseler Sonderbord plus» des hessischen Herstellers Profilbeton GmbH ermöglicht nach Firmenangaben durch sein Kurvenprofil, dass der Niederflurbus kontrolliert zur Einstiegskante rollt. Der Bordstein hat eine besonders glatte Anfahrfläche, die dem Reifenquerschnitt angepasst ist und das Fahrzeug bei der Heranfahrt in die Spur lenkt. Der Beton ist weiss, um auch sehbehinderten Menschen die Orientierung zu erleichtern. Der Einsatz ist bisher nur an geraden Strecken möglich. Die Höhe des Sonderbords beträgt die vorgeschriebenen 22 Zentimeter.(bob)

Sicherere Anfahrt

Im kantonalen Tiefbauamt ist man von den Vorteilen des neuen Bordsteins für innerörtliche Haltestellen überzeugt, wie es im Bericht des Direktions-Mitteilungsblatts heisst. Mit der neuen Technik entfalle demnach einiges an Manövrierfläche; die Haltestelle brauche so weniger Platz.

Mehr will der Kanton auf Nachfrage erst kommentieren, wenn die Versuchsergebnisse offiziell sind. Demnächst findet deshalb ein Treffen zwischen Kanton und Transportunternehmen statt.

Thomas Kuhn, Verkaufsleiter der Schweizer Bordstein-Importeurin Silidur AG, bestätigt derweil: «In Therwil wurde die allererste Haltestelle mit der neuen Profilierung getestet.» Der Vorteil der Betonfassung ist demnach, dass der Bus gefahrlos schräg an die Kante heranfahren kann. Der Chauffeur könne dabei das Lenkrad loslassen, erklärt Kuhn. Die Reifen rutschten automatisch immer wieder in die richtige Position, ohne dass der Bus riskiere, mit der Fahrzeugfront den Bordstein zu überstreichen.

Verbesserungen unterstützen

Viele Rollstuhlfahrer stiegen nicht ein oder aus an der Jurastrasse, berichtet Franz Horlacher, Leiter der Fachstelle Barrierefreier Öffentlicher Verkehr (BÖV). Deshalb sei die Haltestelle aber gar nicht ausgesucht worden; sie liege vielmehr an einer geraden Strecke und wäre sowieso umgebaut worden.

Entsprechend war der BÖV für sein Fazit auch gespannt auf Rückmeldungen der Buschauffeure und Strassenreiniger: Beide konnten sich demnach problemlos mit dem neuen Bordstein anfreunden.

BLT-Chef Andreas Büttiker möchte das neue Bordsteinsystem «selbstverständlich» in absehbarer Zeit an allen Haltestellen anbringen, die den Anforderungen entsprechen. Die BLT unterstütze Verbesserungen für einen behindertengerechten Zustieg auch bei Bussen «vollumfänglich». Der Zeitplan dafür sei aber je nach Strasse Sache des Kantons oder der Gemeinden, die den Umbau auch finanzieren müssten.