Osttangente
Die berufliche Baustelle von SVP-Kandidat Thomas Weber

Den Widerstand der Basler Osttangente-Gegner hat Astra-Leiter Thomas Weber unterschätzt. Sein Schlüsselprojekt verzögert sich weiter. Die Inbetriebnahme verschiebt er um fünf bis zehn Jahre: «Jetzt wird es wohl gegen 2030 werden.»

Andreas Maurer
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Seine Arbeit ist schweizweit bekannt. Sein Name hingegen war allenfalls im Oberbaselbiet geläufig. Und selbst im Wahlkampf wird sein Hobby, die Schafzucht, häufiger erwähnt als sein Beruf. Dabei leistet der SVP-Regierungskandidat beruflich Beachtliches: Thomas Weber managt einen grossen Teil der Schweizer Autobahnen.

Als Leiter der Filiale Zofingen des Bundesamts für Strassen (Astra) ist Weber für 436 Kilometer Nationalstrassen von Basel bis Airolo verantwortlich; für die Nordwest- und Zentralschweiz inklusive Gotthard. Gerne betont der 51-Jährige seine Budgetverantwortung über jährlich 480 Millionen Franken. Das ist rund anderthalbmal so viel wie das Investitionsbudget des Kantons Baselland, wie er anmerkt. Was der SVPler damit sagen will: Er kann mehr als doppelt so viel Geld ausgeben wie die fünf Baselbieter Regierungsräte zusammen.

Trotzdem ist Weber weniger als halb so bekannt. Als Bundesbeamter ist er im Hintergrund tätig. Hie und da hat er zwar einen Fernsehauftritt bei Strasseneröffnungen oder Projektvorstellungen. Man nimmt ihn dabei aber kaum wahr. Seine Verlautbarungen sind typisch für einen Beamten: nüchtern.

Ungewohnt deutlich äusserte sich der Bauingenieur 2010 in Basel. So deutlich, dass er es bereits wieder bereut. An einer Veranstaltung eines FDP-Quartiervereins rechtfertigte er eine oberirdische Verbreitung der Osttangente um zwei Fahrspuren. Die aufgewühlten Autobahnanwohner enttäuschte er mit harter Wortwahl: «So weh es auch tut: Wir können nicht aus Rücksicht auf Ihr Haus die Interessen der Schweiz ignorieren.» Der Oberbaselbieter hatte den Eindruck, dass es sich um Einzelinteressen weniger Städter handelt. «Ja, wir haben den Widerstand zu Beginn unterschätzt», sagt er heute. Sein Amt erhielt 2011 aus Basel eine Protest-Petition mit über 10000 Unterschriften. Weber spricht von einem «Manifest der Region Basel». Diesem Druck beugt er sich. Denn Weber ist anpassungsfähig. Die Interessen der Basler gewichtet er neuerdings gleich hoch wie jene der Schweiz, da es sich eben doch nicht nur um ein paar einzelne Protestler handelt. «Unser Kunde ist auch die Region», betont er. Deshalb sei ein rein oberirdischer Ausbau vom Tisch.

Damit gewinnt der bei der SVP politisierende Weber auch die Sympathien des Basler SP-Verkehrsdirektors Hans-Peter Wessels. «Persönlich schätze ich seine unkomplizierte und konstruktive Art», sagt Wessels zum «Sonntag». Die Zusammenarbeit sei sehr kollegial. Eine andere Einschätzung macht Bruno Keller, Präsident des Vereins «Ausbau Osttangente so nicht». Von einem vereinbarten Treffen habe sich Weber kurzfristig abgemeldet. «Schwer enttäuscht» sei der Verein, dass nicht mehr Kontakt mit einem der Hauptverantwortlichen zustande kam: «Da fragt man sich natürlich, wie ernst unsere Anliegen genommen werden.»

Weber beteuert, dass es ihm sehr ernst sei: «Das Projekt ist nur sinnvoll, wenn die Bevölkerung dahinter steht.» Bereits für Ende 2011 hat er Resultate einer Variantenstudie versprochen. Später verschob er den Termin um ein Jahr. Doch auch Ende 2012 kam nichts. Das Astra liess neun Varianten ausarbeiten, von denen keine die Anforderungen an Verkehrskapazität, Stadtverträglichkeit und Finanzierbarkeit erfülle, wie die «bz Basel» Ende 2012 berichtete. «Die Varianten reichen von Brücken bis Tunnels», sagt Weber zum «Sonntag». Alle verfolgten spannende Ansätze. Diese würden nun weiterverfolgt und kombiniert. Mehr sagt er nicht. Die Inbetriebnahme verschiebt er um fünf bis zehn Jahre: «Jetzt wird es wohl gegen 2030 werden.»

Selber sieht sich Weber nicht als zögerlichen Bundesbeamten, sondern als Draufgänger: «Ich führe die Filiale wie einen KMU-Betrieb.» Im Astra gehe es nicht «beamtig zu und her wie in einem Gleichstellungsbüro». Im Vordergrund stehe «das operative Umsetzen als Bauherrenorgan». Die Astra-Filiale, die heute 53 Mitarbeiter beschäftigt, startete nur mit ihm: «Ich habe Anfang 2007 in Zofingen alleine begonnen mit meinem PC.» Bei allen Einstellungsgesprächen sei er dabei gewesen. Er sieht sich bestätigt: Die Fluktuation sei tief.

Derzeit würde er sich, sagt Weber in einem Anflug von Ironie, einen weiteren Angestellten wünschen, den er damals als Militär-Kommandant schätzen lernte: einen Chauffeur. Dann könnte er auch im Auto sein Pensum abarbeiten, das er während des Wahlkampfs auf 180 Prozent angibt. Weber, der privat mehr Freude an Rennvelos als an teuren Autos hat, ist mit seinem Geschäftswagen bewusst auch zu Stosszeiten unterwegs, um die Probleme zu kennen. Dazu gehört der meistbefahrene Autobahnabschnitt der Schweiz: die Basler Osttangente. Angesichts der bescheidenen Wahlchance wird sich Weber dieser Baustelle wohl weiterhin widmen können – einflussreich, aber unauffällig im Hintergrund und ohne Chauffeur.