Camping
Die Dauercamper retten dem Baselbiet die Bilanz

Die sechs Baselbieter Zeltplätze sind gegen den Schweizer Trend bescheiden stabil – nur Hölstein fühlt sich bedroht. Die restlichen Campingplätze sind jedoch recht zufrieden mit der Anzahl Besucher.

Milena Steiger
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Auf dem Campingplatz Waldhort in Reinach machen die meisten Touristen Halt, die auf einem Baselbieter Campingplatz übernachten wollen. niz

Auf dem Campingplatz Waldhort in Reinach machen die meisten Touristen Halt, die auf einem Baselbieter Campingplatz übernachten wollen. niz

In einem Wohnwagen oder Zelt zu übernachten, wird in der Schweiz immer unbeliebter: Bereits das vierte Jahr in Folge nimmt die Zahl der Logiernächte auf eidgenössischen Campingplätzen ab. Im Vergleich zu anderen Regionen wird in der Nordwestschweiz am wenigsten campiert.

Doch wie sieht es tatsächlich auf den Campingplätzen im Baselbiet aus – stehen sie verlassen da oder werden sie gut besucht?

Narren und Fahrende zu Besuch

Der Campingplatz Rank in Dittingen liegt zwar direkt an der Birs, aber ansonsten nicht gerade idyllisch zwischen Kantonsstrasse und Industriezone. Trotzdem lebt der Campingplatz: Die 45 Festplätze sind alle vermietet, die fünf Touristenplätze immer wieder besetzt. Dass in der Schweiz die Campingplatzbesuche abnehmen, überrascht Campingplatzbesitzer Ronald Scherrer.

Er erhält regelmässig Anfragen nach einem freien Festplatz. Die Festplätze werden hauptsächlich von inländischen Gästen mit ihren Wohnwagen, Wohnmobilen oder Mobilheimen in Beschlag genommen.

Die Touristenplätze werden immer wieder einmal von Durchreisenden besetzt, die für eine oder zwei Nächte in Dittingen haltmachen. «Der Campingplatz hat das ganze Jahr geöffnet, deshalb haben wir auch etwa 15 Festplatzmieter, die das Jahr hindurch hier wohnen», erzählt Scherrer. «Dies lohnt sich natürlich, wenn jemand sparen möchte.»

Auch auf dem Campingplatz Waldhort in Reinach ist etwas los. Der Campingplatz weist 135 Festplätze und einen grossen Platz für die Touristen aus. Die Festplätze werden von inländischen Gästen gemietet.

Wohnen lässt es sich auf diesem Campingplatz aber nicht das ganze Jahr: Im Winter schliesst der Platz für vier Monate. «Der Platz ist optimal gelegen – stadtnah und in unmittelbarer Nähe einer Autobahn», sagt Roger Leisinger, Präsident des Camping- und Caravaningclubs beider Basel, der den Platz verwaltet.

Ungefähr 12'000 Touristen-Übernachtungen zählte der Club im Jahr 2013. «Das waren sogar mehr als im vorvergangenen Jahr», betont Leisinger. Somit übernachten hier im Vergleich zu den anderen Baselbieter Campingplätzen die meisten Touristen.

In der Mehrzahl seien es Durchreisende, die etwa zwei bis drei Tage in Reinach blieben. «Wir sind schon sehr gut gestartet. Im März kamen viele Gäste aufgrund der Fasnacht; und im April kam eine Gruppe von Fahrenden, die mit ihren 12 Wohnwagen einen Monat lang hierblieben», sagt Leisinger.

Verzweiflung in Hölstein

Ebenfalls gut in die Saison gestartet ist der Campingplatz am Rhein in Kaiseraugst. «Bei uns läuft es immer gut; im vergangenen Jahr waren wir sogar sehr gut besetzt», sagt Reto Demarmels, der Platzwart des Campings. Den Campingplatz besuchen mehrheitlich Gäste aus der Schweiz.

Ganz anders sieht es auf dem Campingplatz Wiesengrund in Hölstein aus: Der Platzwart Dominik Lienert ist verzweifelt. In den letzten zehn Jahren seien bei ihnen die Besuche drastisch zurückgegangen: «Es kommt selten jemand vom Ausland hierher. Im Sommer halten etwa drei Durchreisende pro Woche an», sagt Lienert. Die Preise möchte er aber deswegen nicht erhöhen.

Ein paar inländische Gäste, die ein Mobilheim mieten und gerne hier übernachten, zählt er noch. Das sind hauptsächlich jüngere Gäste und Personen im mittleren Alter. Die Lage in Hölstein habe sich stark verändert, sagt Lienert. Nach und nach sei das Industriegebiet um den Campingplatz herum gewachsen. Heute wolle die Industrie sogar das Gebiet des Campingplatzes überbauen. «Es macht mich traurig, wie die jetzige Situation hier ist. Eine Erholungszone sollte man in einer Gemeinde fördern», findet Lienert.

«Nicht allzu idyllische Plätze»

Tobias Eggimann, Geschäftsführer von Baselland Tourismus, begründet die eher tiefe Logiernächtezahl auf Baselbieter Campingplätzen damit, dass der Kanton kein klassisches Tourismusgebiet sei, wie beispielsweise das Engadin oder das Gebiet am Lago Maggiore.

Die insgesamt sechs Campingplätze im Baselbiet böten in erster Linie Festplätze an, weshalb diese den Logiernächterückgang nicht gross zu spüren bekämen. «Die Campingplätze liegen mehrheitlich an verkehrsgünstigen Lagen, sind nicht sehr gross und nicht allzu idyllisch gelegen», sagt Eggimann. Für den Tourismus hätten die Campingplätze im Baselbiet deshalb eher einen kleineren Stellenwert.

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