Spitex-Verband Baselland
Die Doppelrolle im Verband wurde Juliana Nufer zum Verhängnis

Seit Monaten amtete Präsidentin Juliana Nufer auch als Interims-Geschäftsführerin des Spitex-Verbandes. Nach ihrem Rücktritt zeigt sich: Wie sie die Doppelfunktion ausübte, wurde von einigen regionalen Spitex und Vorstandsmitgliedern nicht goutiert.

Michael Nittnaus
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Dass der Spitex-Verband Baselland zurzeit ohne Präsident und Geschäftsführer dasteht, beeinflusst bis jetzt die direkte Arbeit mit den Patienten nicht. (Symbolbild)

Dass der Spitex-Verband Baselland zurzeit ohne Präsident und Geschäftsführer dasteht, beeinflusst bis jetzt die direkte Arbeit mit den Patienten nicht. (Symbolbild)

Chris Iseli

Die Mitteilung überraschte: Nach vier Jahren als Präsidentin und insgesamt sieben Jahren im Vorstand des Spitex-Verbandes Baselland (SVBL) stellte sich Juliana Nufer an der Delegiertenversammlung vom 5. November nicht mehr zur Wiederwahl (bz berichtete). Dass es sich beim Rücktritt der Laufner Stadträtin und ehemaligen FDP-Landrätin nicht um eine gewöhnliche Ablösung an der Verbandsspitze handelt, machte schon die offizielle Pressemitteilung klar: «Als Grund für ihre Entscheidung nannte Juliana Nufer unterschiedliche Auffassungen zwischen ihr, dem Vorstand und den Mitgliederorganisationen im Hinblick auf die Verbandsführung», hiess es da.

Recherchen der bz zeigen nun, dass die Differenzen mit der Doppelfunktion zusammenhängen, die Nufer seit dem Frühling innehatte. Denn seit dann ist die Geschäftsführung des SVBL unbesetzt, weil die Nachfolgerin des nach 11 Jahren Ende 2014 in die Pension gehenden Lukas Bäumle bloss rund fünf Monate blieb. Nufer übernahm darauf – in Absprache mit dem Vorstand – die operative Leitung ad interim befristet bis Ende Jahr. Sowohl Nufer wie auch verschiedene Vorstandsmitglieder betonen auf Anfrage, in der Öffentlichkeit «kein Öl ins Feuer giessen zu wollen». Dass die Formulierung der offiziellen Pressemitteilung aber einer Erklärung bedarf, sehen sie ein.

Nufer stellte unbequeme Fragen

«Ich bin nicht frustriert, ich habe viel erreicht», stellt Nufer klar. Sie habe selbst entschieden zurückzutreten. Doch sie sagt auch: «Das ist wie ein Befreiungsschlag für mich.» Mit der Pensionierung Bäumles und dem vorzeitigen Abgang der Nachfolgerin sei wie ein «Filter» zwischen ihr und den Mitgliederorganisationen des Verbandes weggefallen. «Als Geschäftsführerin bekam ich vertieften Einblick in Dossiers, mit denen ich mich als Präsidentin nicht so intensiv auseinandersetzen musste. Da habe ich gewisse Dinge aufgedeckt, hinterfragt und auch anders im Ablauf abgewickelt.» Konkrete Beispiele möchte Nufer nicht nennen, doch sie sei dabei gewissen Leuten auf die Füsse getreten.

Leider hätten die verschiedenen regionalen Spitex auch kein Verständnis dafür gezeigt, dass Nufer die Geschäftsleitung alleine nicht mit demselben Aufwand wie gewohnt weiterführen konnte. «Ich hatte ein Teilpensum und konnte daher nicht denselben Kommunikationsaufwand betreiben», sagt sie. Auch dass sie den Mitgliedern im Frühjahr mitteilen musste, wie viel zusätzlich die Ausfinanzierung der Pensionskasse kosten wird, kam nicht gut an. «Es ist ja bekannt, was mit den Überbringern schlechter Botschaften in der Antike gemacht wurde», fügt Nufer trocken an. Dazu kam, dass die Kandidatensuche für die Geschäftsstelle sehr viele Ressourcen gebunden habe, es dann aber zu kurzfristigen Absagen gekommen sei. «Ich habe gekämpft wie ein Löwe, stand am Ende jedoch isoliert da», sagt Nufer.

Retraite wirkte kaum nach

Dies bezieht sich auch auf ihre Position im SVBL-Vorstand. Erst vor einem Monat habe man eine Retraite mit externer Begleitung durchgeführt, um die Kultur innerhalb des Vorstands zu verbessern und die Delegiertenversammlung vom 5. November vorzubereiten. Nufer: «Da konnten wir uns eigentlich finden, doch nur kurz danach gab es wieder Vorfälle, die alles besprochene hinfällig machten.» Der Rücktritt war die Folge all dieser Unstimmigkeiten. Bereits hat Nufer all ihre Aufgaben innerhalb des SVBL übergeben. Zur Zukunft des Verbandes äussert sie sich diplomatisch: «Das ist eine Chance für etwas Neues und Dinge besser oder anders zu tun. Ich wünsche dem Vorstand dabei eine gute Weitsicht.»

Vorstandsmitglied Markus Gisin von der Spitex Birstal, der den SVBL nun mit Claudia Aufdereggen von der Spitex Regio Liestal ad Interim präsidiert, betont: «Mit Juliana Nufers Leistungsausweis hatten die Probleme nichts zu tun. Präsidium und Geschäftsstelle zu führen, war für sie ein Riesenaufwand, der zur Belastung wurde.» Schliesslich benötige die Geschäftsführung eigentlich ein 80-Prozent-Pensum. So sei ein Führungsdefizit entstanden. Dies hätten die regionalen Spitex gespürt. Er verteidigt aber die lange Vakanz: «Wir konnten die Stelle nicht schneller besetzen, da der letzte Kandidat erst Ende September abgesagt hat und ein Wahlvorgang mehrere Monate dauern kann.»

Kompetenzgerangel im Vorstand

Für den ehemaligen Geschäftsführer Lukas Bäumle ist klar: «Die strategische Führung sollte nie in die operative eingreifen. Da sind Probleme programmiert.» Die Vakanzen beim SVBL seien erst am Montag am Runden Tisch für Seniorenfragen mit Regierungsrat Thomas Weber diskutiert worden. Bäumle, der immer noch gut vernetzt ist, berichtet, dass einige Verbandsmitglieder moniert hätten, Nufer sei überfordert. «Die regionalen Spitex zahlen Beiträge an den Verband. Dafür erwarten sie auch etwas.» Auch Vorstandsmitglied und Grünen-Landrätin Marie-Theres Beeler hält fest: «Es gab unterschiedliche Auffassungen, welche Aufgaben und Kompetenzen an Fachgruppen des Verbandes und andere Vorstandsmitglieder delegiert werden können und was die Präsidentin selbst entscheiden soll.»

Markus Gisin möchte allerdings lieber nach vorne blicken: «Für die Öffentlichkeit ist entscheidend, dass die Doppelvakanz keinen Einfluss auf die Dienstleistungen der gemeinnützigen Spitexorganisationen hat. Da muss sich niemand Sorgen machen.» Ein Ausschuss, in dem neben Gisin und Aufdereggen auch drei Vertreter von Mitgliederorganisationen sitzen, sucht nun einen neuen Präsidenten. Erst danach mache es Sinn, auch die Geschäftsführung wieder zu besetzen. Diese Aufgaben geniessen zurzeit oberste Priorität. Wann wieder alle Stellen besetzt sein werden, sei zum jetzigen Zeitpunkt aber noch völlig offen, so Gisin.

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