Energie
Die EBL prüft vier Standorte für Windräder – Kanton trödelt vor sich hin

Energiefirmen werfen dem Kanton Baselland vor, die Planung von Windkraftwerken zu verschleppen. Was in anderen Kanton in drei Jahren erledigt wird, daure im Baselland ein Jahrzehnt, so Andreas Appenzeller, Geschäftsleiter Energiegenossenschaft ADEV.

Andreas Maurer
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Windkraft kommt im Kanton Baselland nur langsam voran.

Windkraft kommt im Kanton Baselland nur langsam voran.

Ob es denn schon potenzielle Investoren für Windkraftanlagen im Baselbiet gebe, wollten die Grünen von der Regierung wissen. Die Antwort: nein. Abgesehen von den IWB, die auf dem Chall aktiv sind, seien der Regierung keine weiteren Investoren bekannt.

Dieser Teil der Antwort aus Sabine Pegoraros (FDP) Bau- und Umweltschutzdirektion wurde in den Medienberichten nicht hinterfragt. Bei den Baselbieter Energieversorgern sorgt diese Aussage jedoch für grosses Erstaunen. Zwar wurden ihre Pläne bisher vertraulich behandelt, ihr Interesse haben sie aber schon vor Jahren angemeldet.

EBM-CEO Conrad Ammann sagt: «Wir wurden früh involviert und haben früh gesagt, dass wir uns engagieren werden.» Derzeit prüfe die EBM einzelne Standorte. Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» steht ein Windpark in Liesberg im Vordergrund. Ammann will sich dazu noch nicht äussern.

Planung läuft mit Hochdruck

Offener zeigt sich die Konkurrenz. EBL-Direktor Urs Steiner gibt auf Anfrage jene vier Standorte bekannt, welche die EBL für je drei bis fünf Windräder ausgesucht hat: die Nordseite von Liestal (mit einem Potenzial von 14 Gigawattstunden), Arisdorf (29 Gigawattstunden), das Gebiet zwischen Reigoldswil und Ziefen (24 Gigawattstunden) sowie jenes zwischen Zunzgen und Ittingen (14 Gigawattstunden).

Die Planung laufe mit Hochdruck, sagt Steiner. Nach einer ersten Phase, die 100 000 Franken gekostet hat, beginne nun die Grobevaluation. Die Geschäftsleitung bewilligte dafür 350 000 Franken. In den nächsten Tagen wird die EBL die betroffenen Gemeinden und Landeigentümer anschreiben. Danach sind Windmessungen vorgesehen. Von den vier Standorten wählt die EBL danach den besten aus für den ersten Windpark.

Neuer Richtplan ohne Umweltverbände

Fest steht schon jetzt: Vorerst wird die EBL nicht in Landschaftsschutz-Gebiete vordringen. Die vier Standorte wurden so gewählt, dass sie nicht in Gebieten des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) liegen. Dabei zieht der Kanton auch diese für Windräder in Betracht. Umweltverbände reagierten empört. So empört, dass die Gespräche abgebrochen wurden.

Die Kantonsverwaltung erarbeitet den neuen Richtplan deshalb derzeit im Alleingang. Obwohl die Verhandlungen vorderhand gescheitert sind, können die Umweltverbände einen Erfolg verbuchen. Mit ihrem Widerstand haben sie der EBL den Mut genommen, die Planung in BLN-Gebieten voranzutreiben. Dazu gehören das Gempen-Plateau und einige Ausläufer des Tafeljuras. Just diese landschaftlich attraktiven Hügel sind jene mit dem stärksten Wind. Ganz aufgegeben hat die EBL die BLN-Gebiete allerdings nicht. «Wir behalten sie in der Hinterhand, bearbeiten sie aber nur mit zweiter Priorität», sagt Steiner. Er gibt sich pragmatisch: «Wir können nicht Energie in chancenlosen Projekten verpuffen lassen.»

Andreas Appenzeller, Geschäftsleiter der Energiegenossenschaft ADEV, will hingegen noch nicht zurückkrebsen: «Wir werden BLN-Gebiete nicht a priori ausklammern, aber mit Respekt angehen.» Die Genossenschaft interessiert sich für einen Standort im Baselbiet, der vorerst geheim bleiben soll. Die Verhandlungen mit Landeigentümern sind bereits im Gang. «Eigentlich wollten wir diese Ende Jahr abschliessen. Wegen vieler Wünsche für Detailangaben verzögern sie sich», sagt Appenzeller.

Verantwortlich für die Verzögerungen sei auch der Kanton, sagt Appenzeller. In der Energiepolitik sei kein Pioniergeist vorhanden. «Pegoraro hat nicht dazu beigetragen, dass der Prozess beschleunigt wird», kritisiert Appenzeller. Was in anderen Kantonen in drei Jahren erledigt sei, beanspruche in Baselland ein Jahrzehnt. Gemeint ist der neue Richtplan, der immer noch in Pegoraros Direktion erarbeitet wird.

EBL-Chef Urs Steiner will seine Parteikollegin nicht auf der persönlichen Ebene kritisieren. Da Pegoraro parteiintern unter Beschuss geriet, stellte er sich in der «Basellandschaftlichen Zeitung» sogar demonstrativ hinter sie. Kritik an ihrer Arbeit äussert er dennoch. «Die Verfahren der Verwaltung dauern viel zu lange. Wir erwarten mehr Unterstützung vom Kanton», sagt er.

Sehr schwierig werde es gemäss Steiner, falls der Kanton bei den Windrädern dasselbe Tempo wie beim Wasserkraftwerk in Zwingen anschlage. Pegoraro habe ihm persönlich versprochen, dass die EBL die Baubewilligung für das Kraftwerk in Zwingen im Januar 2014 erhalten werde. Noch liegt sie nicht vor. Es ist davon auszugehen, dass die Regierung in diesem Fall zumindest nicht behaupten würde, sie habe keine Kenntnis von potenziellen Investoren.