Elektra Baselland
Die EBL setzt auf neue Geschäftsmodelle statt Preiskampf

Die Elektra Baselland konnte trotz schwierigem Strommarkt den Gewinn steigern und weitet ihr Geschäftsgebiet künftig aus.

Daniel Haller
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Im eigenen Versorgungsgebiet hat die EBL mit Sitz in Liestal im letzten Jahr etwas weniger Strom abgesetzt, dafür hat sie ausserhalb zugelegt. (Archiv)

Im eigenen Versorgungsgebiet hat die EBL mit Sitz in Liestal im letzten Jahr etwas weniger Strom abgesetzt, dafür hat sie ausserhalb zugelegt. (Archiv)

bz Basellandschaftliche Zeitung

Mit weniger Umsatz mehr Gewinn: Dies gilt beim Liestaler Energie-Dienstleisters EBL (Elektra Baselland) für das Geschäftsjahr 2015. Tiefe Heizöl- und Gaspreise sowie ein milder Winter drückten auf das Wärmegeschäft, und die sinkenden Grosshandelspreise beim Strom hinterliessen Spuren: Mit dem um 4 Prozent tieferen Umsatz von 125,2 Millionen (Vorjahr 130,5 Millionen) resultiert ein Gewinn 7,2 Millionen Franken (Vorjahr 5,8 Millionen). Dies führt Geschäftsleiter Urs Steiner auf interne Effizienzsteigerung zurück.

Den Haupt-Umsatz (70 Prozent) erzielt die EBL im Stromgeschäft, aufgeteilt in Stromvertrieb, Stromproduktion und Netz. Mit 17 Prozent folgt die Telecom-Sparte, wo die EBL im Oberbaselbiet, im Emmental, in der Agglomeration Bern, im Jura und in der Westschweiz aktiv ist und 165'000 Haushalte erreicht. Das Fernwärmegeschäft machte 11 Prozent des Umsatzes aus. Alle Sparten schrieben schwarze Zahlen, hiess es. EBL gebe aber keine Einzelergebnisse bekannt.

Perspektiven für die Zukunft

Die Investitionen steigerte die EBL um 27 Prozent auf 40,6 Millionen Franken. Ein Schwerpunkt ist die Erneuerbare Energieschiene Ergolztal (3ET), der Zusammenschluss der Wärmeverbünde von Pratteln bis Ormalingen zu einem Heizkraftwerk, das 9000 Haushalte mit Strom und 27'000 Haushalte mit Wärme versorgen wird, wenn es 2020 in Betrieb geht. Insgesamt hat EBL eine Reihe von Wärmeprojekten in der Pipeline: In Schönried, Lenk (beide BE) und Bassecourt JU sind Anlagen für je 7 Millionen Franken in Planung – in Schönried liegt die Baubewilligung vor. Die Abwärme der Berner Ara Worblental will man für 30 Millionen Franken in Heizwärme umwandeln.

Wenig Enthusiasmus zeigt die EBL bezüglich der Möglichkeit, in den Kauf von Wasserkraftwerk-Anteilen der Alpiq zu investieren: Man sei durch die langfristigen Verträge mit Strom für das eigene Versorgungsgebiet eingedeckt. Müsste man von einem allfällig eigenen Wasserkraft-Anteil Strom übernehmen, könnte man diesen in den nächsten Jahren nur mit Verlust auf dem Markt absetzen. Die Probleme der Alpiq führen auch dazu, dass die EBL 2015 keine Dividende bekommt.

Im eigenen Versorgungsgebiet hat die EBL im letzten Jahr etwas weniger Strom abgesetzt, dafür hat sie ausserhalb zugelegt. «Wir lassen uns nicht auf einen Preiskampf ein», erklärte Geschäftsleitungsmitglied Tobias Andrist. Vielmehr entwickle die EBL für Firmenkunden Zusatzdienstleistungen. Kommt man über diese ins Geschäft, dann liege auch der Abschluss von Lieferverträgen für «Schweizstrom» drin, der rot-weissen Marke mit dem punk-frisierten Tell, unter der die EBL neu den Strom nicht nur in Deutschland, sondern mit Blick auf die zukünftige Strommarktliberalisierung auch in der Schweiz anbietet.

Stolz ist man auf das Geschäftsmodell «Regelenergie»: Grossverbraucher mit Anlagen, die man entweder ab- oder wie Notstromaggregate zuschalten kann, können diese für die Netzstabilität zur Verfügung stellen und dafür fünfstellige Summen kassieren: Da tut dann der etwas höhere Schweizstrompreis nicht mehr weh.

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