Baselbiet
Die Fachhochschule Nordwestschweiz setzt die falschen Schwerpunkte

Die «Gruppe für eine bessere Sek-I-Ausbildung» fordert, dass die Dozenten der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz weniger forschen, dafür mehr lehren. Die Sek-I-Lehrpersonen sollen mehr fachspezifische Ausbildung erhalten.

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Künftige Sek-I-Lehrpersonen sollen mindestens 60 Prozent fachspezifische Ausbildung erhalten (Symbolbild).

Künftige Sek-I-Lehrpersonen sollen mindestens 60 Prozent fachspezifische Ausbildung erhalten (Symbolbild).

Keystone

Nach Jahren des Stillschweigens oder der Verdrängung kommt nun die Misere der Lehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) in ihrem ganzen Ausmass auf den Tisch. Die «Gruppe für eine bessere Sek-I-Ausbildung» setzt sich seit geraumer Zeit für eine klare Benennung der Probleme und die daraus zu ziehenden Schlüsse ein. Sie hat dies im Rahmen einer Pressekonferenz getan, und immer wieder ihre Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen versucht.

An den Ursachen der Fehlentwicklung in der Lehrerausbildung hat sich nichts verändert. Die PH versucht sich als Konkurrentin der Uni zu profilieren und verliert dadurch ihren ureigensten Auftrag aus den Augen, nämlich die Ausbildung von zukünftigen Lehrpersonen. Entscheidend ist dabei der massive Ausbau von Forschungs- und Theorieanteil auf Kosten der Fachausbildung einerseits, der praxisorientierten Methodik und Didaktik andererseits. Man stelle sich vor, dass ein heutiger Sek-I-Studierender in den «Genuss» von knapp 25 Prozent Fachausbildung kommt im Vergleich zu früher 75 Prozent!

Traditionell wurde die Fachausbildung von zukünftigen Lehrpersonen der Stufen Sek-I und Sek-II von der Universität wahrgenommen. Dieses über Jahre gut funktionierende Dualsystem fiel dem Prestigedenken der PH weitgehend zum Opfer. An der PH selbst (früher Pädagogisches Institut, dann PHBB) unterrichteten mehrheitlich besonders qualifizierte Lehrkräfte im Nebenamt. Ihre langjährige Berufspraxis erlaubte es Ihnen, eine Verbindung zwischen Fachwissen und Unterrichtsbedürfnissen der Studierenden herzustellen. Auch in diesem Bereich hat die PH mehrheitlich auf Forschung gesetzt und damit die jetzt aufgebrochene Unzufriedenheit provoziert.

Es ist bezeichnend, wie hilflos der Kommunikationsbeauftragte der PH, Christian Irgl, angesichts des breit abgestützten Protests, den seine Institution ausgelöst hat, reagiert. Er verspricht, die Forschungsbedingungen seiner Theoretiker zu verbessern, statt genau diesen Irrweg zu hinterfragen und eine Rückkehr zum Kerngeschäft zumindest anzudenken.

Die Lösung der Problematik ist offensichtlich:

• Zukünftige Sek-I-Lehrpersonen sollen mindestens 60 Prozent fachspezifische Ausbildung erhalten.

• Diese ist durch die Universität als traditionelle Repräsentantin dieser Kompetenz zu gewährleisten. Damit wird für eine universitäre Anerkennung des Sek-I-Studiums und Anschlussfähigkeit desselben gesorgt.

• So können kostspielige Doppelspurigkeiten verhindert werden.

• Die PH erfüllt ihrerseits den ihr obliegenden Grundauftrag, nämlich die praxisorientierte Ausbildung von Lehrpersonen. Es ist wichtig, mit diesen Korrekturen nicht länger zuzuwarten. Alle an einer guten Schule Interessierten und vor allem unsere Schüler sollen die Gewissheit haben, dass ihre Lehrer über eine Topausbildung verfügen.

Gruppe für eine verbesserte Sek-I-Ausbildung: Daniel Goepfert, Peter Hägler, Oswald Inglin (CVP-Grossrat Basel-Stadt, Präsident der baselstädtischen Bildungs- und Kulturkommission), Marc Joset (SP-Landrat Baselland, Interparlamentarische Kommission Fachhochschule Nordwestschweiz) , André Vanoncini