Fantasy-Roman
Die fantastischen Welten sind im Baselbiet gelandet

Die Oberwiler Autorin Anna Kornicker braucht die Hilfe ihrer Leser für ihr Erstlingswerk. Auch ihre beiden Kinder hätten aktiv an ihrem Roman mitgearbeitet. Jetzt braucht sie Spenden für den Druck des Buches.

Boris Burkhardt
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Fantasy-Romanautorin Anna Kornicker aus Oberwil stellt ihr Buch vor und ihr Finanzierungsprojekt, bei dem sie Spenden für den Druck sammelt

Fantasy-Romanautorin Anna Kornicker aus Oberwil stellt ihr Buch vor und ihr Finanzierungsprojekt, bei dem sie Spenden für den Druck sammelt

Kenneth Nars

An «Alice im Wunderland» hatte Anna Kornicker aus Oberwil gar nicht gedacht. Erst im Gespräch mit ihrem ersten erwachsenen Leser wurde ihr diese Parallele eröffnet: Die 44-jährige Mutter zweier Kinder hätte ihren Erstlingsroman «Die verlorenen Welten» eher in die Nachfolge von Michael Endes «Die unendliche Geschichte» gestellt, auch wenn sie bescheiden anmerkt, sie habe «Hemmungen, sich mit solchen grossen Vorbildern zu vergleichen».

Doch wer die Zusammenfassung der Geschichte von Kornicker persönlich erzählt bekommt, merkt schnell, dass sie den Verweis auf die Grossen der Fantasy- und Fantastik-Literatur nicht zu scheuen braucht: Carroll, Ende und eine Prise L. Frank Baums «Der Zauberer von Oz» in der richtigen Portion gemischt ergeben die Geschichte der beiden Nachbarskinder Kor und Jina, deren Welt sich zum Unguten verändert und die sie nur wieder gesund machen können durch ihre Reise in eine Anderswelt; in dieser Welt streiten zwei Herrscher um die Macht über die Emotionen der Menschen .

Noch fehlt die Hälfte des Geldes

Hundert A4-Seiten ist Kornickers Roman dick, den sie wie alle guten fantastischen Geschichten sowohl Kindern als auch Erwachsenen empfiehlt und nun als gedruckte Version veröffentlichen will. Das versucht sie über die Schweizer Internetplattform «We Make It», wo sie noch in den kommenden 30 Tagen mit verschiedenen Prämien um eine Co-Finanzierung ihrer zukünftigen Leser wirbt.

Für eine Spende von 52 Franken gibt es zum Beispiel ein Exemplar mit Widmung und Postkartenset, für 120 Franken zusätzlich eine VIP-Einladung zur Vernissage im November. Für 450 Franken kommt die Basler Illustratorin des Buches, Andrea Gruber, nach Hause und malt einen Nachmittag lang mit den Kindern. Bisher kamen so 4300 Franken zusammen, fast die Hälfte der geschätzten Druckkosten von 11'140 Franken.

Kommt der Gesamtbetrag nach Ablauf der Frist am 18. Juli nicht zusammen, zahlt «We Make It» das Geld wieder an die Spender zurück; und Kornicker geht leer aus. Als Kommunikationsleiterin einer nationalen Firma hält Kornicker dieses Risiko für vertretbar: Zuvor hatte sie erfolglos einige deutsche Verlage angeschrieben. Doch die Chance sei eins zu 2000, dass ein Manuskript angenommen werde, sagt sie; im Fantasygenre noch viel geringer: «Es kam mir vor, als schickte ich mein Manuskript ins All und in hundertfünfzig Jahren findet es mal ein Marsmensch.»

Kornickers Sprache ist klar und direkt, wie sie selbst sagt. Getestet, ob ihre Geschichte funktioniert, habe sie zunächst an ihren beiden Kindern, er damals zehn, sie acht Jahre alt: «Sie waren am Entstehungsprozess beteiligt. Mein Sohn konnte mich bereits gut auf logische Lücken in der Handlung aufmerksammachen.» Probleme hatte die Tochter mit Stellen, bei denen «ein ungutes Gefühl den Rücken hinaufkriecht».

Während die «Botschaft» der Geschichte im Sinne Michael Endes die Kraft und die Gefahren von Fantasie und Emotionen aufzeigt, macht sich Lewis Carrolls Zutat in den surrealistischen-grotesken Situationen vor allem zu Beginn bemerkbar, wenn sich die Welt um Kor und Jina verändert: Der Bruder wird zum Monster, der Vater zur Gottesanbeterin, der Lehrer zum Wolf - und niemand anders scheint es zu bemerken.

«Das ist schon etwas unheimlich», gibt Kornicker zu. Sie habe sich aber beim Schreiben keine Gedanken gemacht, wer das Buch schliesslich lese. Ausserdem - hier kommt L. Frank Baum ins Spiel - begegneten Kor und Jina zwar nicht Löwe, Vogelscheuche und Blechmann als Archetypen menschlicher Stärken, dafür aber jede Menge anderer «Helfertiere» wie Tiger, Leopard, Delphin, Murmeltier und Hirsch, die alle gewisse menschliche Tugenden repräsentieren.

Überrascht waren die Testleser ob der plötzlichen Wendungen der Handlung. Auch Kornicker selbst wurde von ihnen überrascht: Die Geschichte der «Verlorenen Welten» hat sie nämlich nicht erfunden. Sie begann in einer zwölfwöchigen beruflichen Sabbat-Zeit vor drei Jahren mit dem Schreiben. Dazu habe sie eine Technik angewandt, in der sie die Gedanken habe fliessen lassen, «ein Parallelzustand von Träumen und Wachen, wenn man den Traum noch an Fäden herbeiholen kann, bevor man ihn vergisst». Kornicker erlebte, was passierte, und schrieb das sofort auf. Ähnlich wie viele Schriftsteller des Genres sagt sie: «Ich habe die Geschichte nicht erfunden; sie ist mir einfach eingefallen.»