Liestaler Banntag
Die Frau, die den Liestaler Männertag einfädelt

Ohne Susi Pierer hätten die Männer aus Liestal Mühe, ihren schönsten Tag im Jahr gebührend zu begehen. Denn bei ihr laufen alle Fäden zusammen.

Andreas Hirsbrunner
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Susi Pierer legt den Männern am Banntag den organisatorischen Teppich für den Weg ins Glück.

Susi Pierer legt den Männern am Banntag den organisatorischen Teppich für den Weg ins Glück.

Kenneth Nars

Am nächsten Montagmorgen um acht Uhr stehen wieder um die tausend Männer und null Frauen in Reih und Glied in der Liestaler Rathausstrasse, bereit zum Abmarsch hinein in ihren schönsten Tag im Jahr, den Banntag. Doch obwohl vor Ort nicht präsent, ist manche Frauenhand im Hintergrund im Spiel, damit die Männerparade jeweils so adrett mit frisch gebügelten Hemden und kunstvollen Maien an den Hüten über die Bühne geht. Oder anders gesagt: Ohne Frauen verlöre der klassische Liestaler Männertag an Ausstrahlung.

Die wichtigste Frau für den Banntag ist aber ohne Zweifel Susi Pierer. Die 49-Jährige arbeitet seit acht Jahren auf der Verwaltung der Bürgergemeinde Liestal und ist dort unter anderem für deren Anlässe wie die 1. August-Feier oder eben den Banntag zuständig. Pierer sagt zu ihrer Banntags-Rolle: «Bei mir laufen alle Fäden zusammen.» Konkret heisst das: Pierer sitzt jeweils im März mit ihrem Vorgesetzten, Bürgergemeinde-Leiter Daniel Wenk, und den vier Rottenchefs zusammen, um die Details zu besprechen, und gleist danach alles auf, was es für einen Banntag braucht.

Keine Fahne mehr mit Schranz

So holt sie bei der Polizei die Bewilligungen für Verkehrseinschränkungen ein, schreibt die Schulen und das Kantonsspital an – ein Banntag gibt dort öfters Mehrarbeit –, löst das Tagespatent für die Rottenwirte, organisiert die Waffenkontrolle und die Verteilung der Gehörschutzpfropfen, gibt die typischen grünen Banntagsblusen an Spielleute und Fahnenträger leihweise heraus und übernimmt Spezialaufträge wie Sekretariatsarbeiten für die Rottenchefs. Pierer: «Am Freitag um 17 Uhr muss alles bereit sein, damit der Banntag dann am Montag wie geschmiert ablaufen kann.»

Dazu gehört auch das geordnete Heraushängen der vier Rottenfahnen am Rathaus, auf das Pierer ein besonderes Augenmerk richtet, weil es vor ihrer Ära einmal schieflief: Eine Fahne habe einen «riesigen Schranz» aufgewiesen, weil das im Jahr zuvor beim Einmotten nach dem Banntag niemand bemerkt habe. Das ärgerte etliche, denn das Fahnenritual ist wichtiger Bestandteil eines Banntags: Die Fahnen werden am Freitag vor dem Banntag – also heute – als Vorankündigung herausgehängt, am Banntagsmorgen den Rotten übergeben, während des Bannumgangs an der Spitze getragen und danach vor dem Rathaus wieder zurückgegeben.

Was macht Pierer eigentlich am Banntag selbst, an dem sie wie alle Angestellten der Bürger- und der Einwohnergemeinde Liestal frei hat? Das hänge vom Wetter ab, sie nehme aber an keinem speziellen Frauenprogramm teil, antwortet sie. Und es stört sie nicht, dass sie als Frau vom Banntag ausgeschlossen ist: «Der Banntag ist das Heiligste von Liestal. Daran sollte man nicht rütteln, es ist gut, wie es ist.» Das tönt wie aus dem Munde eines eingefleischten Banntäglers, trotzdem gibt es Nuancen. Während nämlich ein Grossteil von Letzteren alt Nationalrätin Ruth Gonseth noch heute grollt wegen ihres seinerzeitigen Einsatzes gegen das hemmungslose Banntagsschiessen, sagt Pierer: «Gonseth hat auch Gutes bewirkt und ich begrüsse, dass es heute Schiesszonen, Schiesszeiten und Gratis-Ohrschützer gibt.»

Der Banntag geht für Pierer übrigens auch nach dem Montag weiter: Sie muss nicht nur dafür sorgen, dass alles Material wieder an seinen Platz kommt, sondern für die Bürgergemeinde auch Rechnungen begleichen, wenn nicht eruierbare Banntägler irgendwo über die Stränge gehauen haben.

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