IBA 2020
Die Gemeinderegion Birsstadt trägt Sorge zu ihrer grünen Lunge

Aesch, Arlesheim, Dornach, Münchenstein, Muttenz und Reinach spannen zusammen, um die Birs aufzuwerten. Der «Aktionspark Birspark Landschaft» ist Teil der Internationalen Bauaustellung Basel 2020.

Michel Ecklin
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Michel Ecklin

Die Bevölkerung in den Gemeinden entlang der Birs wächst. Kaum eine Woche vergeht ohne die Ankündigung eines Quartierplans, der verdichtetes Bauen erlauben soll. Damit steigt auch der Bedarf an Erholungsflächen.

Mittendrin befindet sich wie eine grüne Lunge die Birs. Die Bevölkerung nutzt sie zwar bereits zur Erholung, aber noch unzusammenhängend und unkoordiniert.

Die Gemeinden Aesch, Arlesheim, Dornach, Münchenstein, Muttenz und Reinach wollen deshalb das Potenzial des Flusses und seiner Ufer besser ausnützen. Im Rahmen der Gemeinderegion Birsstadt haben sie 2015 einen «Aktionsplan Birspark Landschaft» ausarbeiten lassen. Das Ergebnis sind insgesamt 44 Aufwertungsvorschläge. Das Ziel lautet, Ökologie und Erholung miteinander in Einklang zu bringen.

Man wolle «ein gut erschlossenes grünes Rückgrat in Siedlungsnähe und innerhalb der Siedlung erhalten und weiter entwickeln», heisst es im Aktionsplan. Das klingt abstrakter, als es ist. Denn die Vorschläge sind sehr konkret. Umsetzung ist Sache jeder einzelner Gemeinde. Vorgesehen ist aber, dass jede mindestens ein «Leuchtturmprojekt» umsetzt. Dieses soll Vorbildcharakter haben.

Die sechs Gemeinden haben haben den «Aktionsplan Birspark Landschaft» an der Internationalen Bauausstellung 2020 (IBA) angemeldet. Das Projekt befindet sich derzeit im Status «nominiert».

Schänzli Muttenz: Das Kleinbasler Rheinufer als Vorbild

Im Westen der Gemeinde Muttenz wohnen viele Menschen in Gehdistanz zur Birs – nur haben sie derzeit wenig davon. Denn die mit einem hohen Zaun versehene Pferderennsportanlage Schänzli versperrt ihnen den Weg dazu, und das Ufer ist unwirtlich.

Doch das soll sich ändern. Denn anstelle der Reitanlage soll ein öffentlicher Park entstehen. Wie dieser genau aussehen wird, ist noch offen. Die Verfasser des Aktionsplans haben aber die erfolgreiche Belebung des Kleinbasler Rheinufers vor Augen, wenn ihnen Buvetten und Bademöglichkeiten vorschweben. Angestrebt wird hier ein Gleichgewicht von Erholung und Naturschutz, etwa indem auf Kleinräumigkeit geachtet wird, man standortgerechte Pflanzen setzt und zwar eine Liegewiese einrichtet, diese aber nur wenn und wo nötig mäht. Im südlichen Teil des Ufers entlang der heutigen Reitanlage soll das Vogelhölzli weiterhin ein unzugängliches Reservat für Vögel bleiben.

Der Bedarf an Erholungsflächen in diesem Abschnitt der Birs dürfte steigen, wenn nördlich der St. Jakob-Strasse Hochhäuser entstehen, wie das der Muttenzer Gemeinderat vor hat.

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Bachmündung Mühlematt Münchenstein

Vermutlich wissen die meisten Münchensteiner gar nicht, dass von der Rütihard herunter ein Bach in die Birs fliesst. Denn die Mündung im Gebiet Mühlematt ist derzeit eine etwas tote Ecke der Gemeinde. Zwar gibt es dort bereits eine kleine, einfache Grillstelle, und daneben mäandriert der Bach ohne Betonkorsett in den Fluss. Doch Erholung und Ökologie finden derzeit noch weitgehend getrennt statt. Die vielen Hündeler haben kaum Zugang zu den Gewässern, weder zur Birs noch zum Bach.

Die Gestaltung dieses Ortes ist noch weitgehend offen. Der Aktionsplan schlägt kleine Massnahmen vor, denn das Naturerlebnis soll im Vordergrund stehen. Er nennt zum Beispiel einen Teich und einen überdachten Ruheplatz.

Bei diesem Leuchtturmprojekt dürfte mehr als bei anderen zum Tragen kommen, dass die Planungsgruppe vorschlägt, generell entlang der Autobahn A 18 den Lärmschutz zu verbessern. Denn derzeit ist es im Gebiet Mühlematt zwar recht idyllisch, aber ausgesprochen laut.

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Grube Blinden Münchenstein

Die Grube Blinden in Münchenstein ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer viel braucht, um einen wertvollen Naturraum neu zu schaffen. Der Steinbruch wurde 1980 stillgelegt und diente bis 2010 als Kompostanlage. Seither ist ohne viel menschliches Zutun eine Vielfalt an Lebensräumen entstanden. Hier findet man kleine Wasserflächen, trockene Wiesen und unberührten Felsen. Im Wasser leben Amphibien, in den Steinhaufen Reptilien. In der Wand nistet ein Kolkrabenpaar, in den Höhlen der Felswände haben Füchse ein Zuhause gefunden – und das alles in unmittelbarer Nähe zum Münchensteiner Siedlungsgebiet.

Das Projekt ist weitgehend realisiert. Die Verfasser des Aktionsplans sehen nur noch das Aufstellen von Informationstafeln vor. Das Naturschutzgebiet liegt nicht direkt an der Birs. Trotzdem ist es Bestandteil der Birsparklandschaft. Denn es spielt bei der Vernetzung der Trockenstandorte entlang des Flusses eine wichtige Rolle.

Michel Ecklin

«Pocket Parks» im Gewerbegebiet Schoren/Stöcklin Arlesheim

Auf Gewerbegebieten wird der Platz möglicht effizient gebraucht, und was dann noch übrigbleibt, dient als Parkplatz. So kennt man das in fast allen Gewerbegebieten – aber auf dem Schoren-Areal in Arlesheim soll das anders sein. Das Gebiet in der Nähe der Birs wird demnächst neu erschlossen, dabei will die Gemeinde eine Reihe von kleinen Grünanlagen einstreuen. Sie sollen exemplarisch zeigen, wo die Mitarbeiter der ansässigen Firmen zum Beispiel ihre Mittagspause verbringen können, nämlich vor Ort.

Bedingung dafür ist, dass die «Pocket Parks» öffentlich zugänglich sind. Gleichzeitig sollen sie Teil einer ökologischen Vernetzung sein, mit Unterschlupfmöglichkeiten für Amphibien, Kleinsäuger und Insekten. Angedacht ist, dass sich Arbeitstätige aus dem Areal um die Grünflächen kümmern. Solche Modelle kennt man unter anderem in Zürich.

Michel Ecklin

Natur- und Erlebnisweiher in der ehemligen ARA, Reinach und Münchenstein

Im Gebiet zwischen Reinach und Münchenstein wird das Ufer der Birs bereits stark genutzt. So sind mit der Renaturierung vor einigen Jahren Sitzstufen entstanden, die bei Spaziergängern sehr beliebt sind. Nachdem die Reinacher Abwasserreinigungsanlage (ARA) nicht mehr in Betrieb ist, wird noch mehr Fläche frei. Derzeit befindet sich dort eine unscheinbare Kiesfläche. Dort soll der Spagat zwischen Erholung und Natur gewagt werden, in Form eines «Natur- und Erlebnisweihers».

Auf dem südlichen (Reinacher) Teil soll es Picknicktische geben, im nördlichen Teil soll es neben Weihern die für seltene Pflanzen und Tiere so wertvollen Trockenflächen geben. «Verweilen, Spielen und Beobachten», das soll hier laut Aktionsplan möglich sein.
Konsequent soll hingegen der Naturschutz auf der Arlesheimer Seite der Birs gelten. Als Ausgleich für das stark benutze Reinacher und Münchensteiner Gebiet soll der Zugang zum dortigen Ufer erschwert sein.

Für den Natur- und Erlebnisweiher besteht bereits eine Projektskizze, die aber noch die politischen Hürden überwinden muss. Die Umsetzung ist für 2017 geplant.

Michel Ecklin

Birsbogen Dornach:

Näher als beim Birsbogen in Dornach können Industrie und Wasser kaum aneinanderliegen. Inmitten von stillgelegten und einiger noch genutzten Produktionsbetrieben befindet sich eingeschlossen ein grünes Auengebiet, das teilweise ein undurchdringliches Dickicht geworden ist.

Doch das Industrieareal Widen (ehemaliges Metallwerk) soll umgenutzt werden, und das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Gestaltung der Flächen entlang der Birs. Hier ist eine «Revitalisierung in der Breite noch möglich», heisst es im Aktionsplan. Denkbar ist, aus dem Bogen eine Insel zu machen und diese «der natürlichen Dynamik» zu überlassen. Gleichzeitig könnte man am Ufer Bademöglichkeiten schaffen.

Der Kanton Solothurn plant den Anschluss Dornachs an die A 18. Eine mögliche Route führt über den Birsbogen. Das würde den Erholungswert des Gebiets schmälern.

Michel Ecklin

Versickerungsanlage Kuhweide Aesch

Verbetonierter als die Versickerungsanlage Kuhweide in Aesch kann ein Gewässer kaum sein. Ökologisch wertvoll ist das nicht, und auch Erholungssuchende haben kaum etwas davon. Um etwas daran zu ändern, gibt es zwei Möglichkeiten.

Entweder man schafft eine alternative Wasseraufbereitungsmöglichkeit und kann dann das ganze Gelände frei umgestalten. Das ist allerdings eher unwahrscheinlich, weil es teuer ist.

Oder man behält die Funktion der bestehenden Anlage aufrecht, sorgt aber für mehr Natur- und Besucherkompatibilität. Das kann zum Beispiel heissen, dass die Versickerungsflächen – derzeit nackte Kiesflächen – Wasserpflanzen erhalten. Die steilen, verbauten Ufer müsste man aufweichen, damit für Wassertiere Ausstiegsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Vielleicht schafft man es so, die seltenen Amphibien anzuziehen. Spaziergänger könnten an Beobachtungspunkten Informationstafeln informieren über das, was man vielleicht nicht sofort sieht.

Ein nicht öffentlich zugängliches Areal hätte den Vorteil, dass Flora und Fauna ungestört wäre. Schafft man geeignete Nistplätze, fühlt sich vielleicht der seltene Eisvogel hier heimisch.

Michel Ecklin