Baustopp
Die Grundsteinlegung, die nicht stattfindet – Implenia klagt gegen Bauvergabe

Die ETH Zürich kann den Bau ihres Forschungszentrum in Basel nicht wie geplant vorantreiben. Der Baukonzern Implenia hat Rekurs gegen die Vergabe des Auftrags eingereicht. Eine Verzögerung um bis zu zwei Jahre droht.

Christian Mensch
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Die Grube für das Basler ETH-Zentrum ist ausgehoben. Wann gebaut werden kann, entscheidet das Gericht.

Die Grube für das Basler ETH-Zentrum ist ausgehoben. Wann gebaut werden kann, entscheidet das Gericht.

Kenneth Nars

Die Einladungen waren bereits verschickt. Am 29. November hätte der Grundstein für das ETH-Zentrum Systembiologie (BSS) gelegt werden sollen. Er wäre vor versammelter Prominenz von ETH, Universität Basel und der universitären Trägerkantone gleichsam als Meilenstein gefeiert worden. Nach einer knapp fünfzehnjährigen Projekt- und Leidenszeit strebe das Forschungszentrum nun endlich der Realisierung zu. Doch die Einladung ist sistiert. Es droht ein Baustopp von unbestimmter Länge.

Gemäss vorliegenden Informationen hat der Baukonzern Implenia Beschwerde gegen die Vergabe des Bauauftrags eingereicht, was dieser auf Anfrage bestätigt.

Im März startete die ETH mittels offenem Submissionsverfahren die Suche nach einem Generalunternehmer für den Rohbau samt Haustechnik und Grundausbau für die Labors. Bis Anfang Juli hatten die Anbieter ihre Offerten einzureichen. Am 9. Oktober fiel der Entscheid: Mit rund 107 Millionen Franken hatte die BAM Swiss AG das «wirtschaftlich günstigste Angebot» unterbreitet und erhielt den Zuschlag.

Der gebotene Preis inklusive Minder- und Mehrkostenoptionen war bei der Entscheidung mit fünfzig Prozent gewichtet. Direkt preisrelevant und zu zehn Prozent berücksichtigt war zudem, welchen Aufpreis der Generalunternehmer bei nachträglichen Änderungen fordert. Qualitative Kriterien wie realisierte Referenzprojekte, Kompetenz der Schlüsselpositionen, technische Expertise und Terminplanung fielen mit je zehn Prozent ins Gewicht.

Unklare Begründung

Ende Oktober hat Basel-Stadt vertragsgemäss das Areal in Baurecht der ETH, vertreten durch den Bund, verkauft. Am 27. November hätte BAM Swiss die Arbeiten aufnehmen sollen. Doch Implenia nutzte die Beschwerdefrist, in Rekurs zu gehen. Die Begründung ist nicht bekannt. Sprecher Reto Aregger sagt: «Zu weiteren Details äussern wir uns nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Ein Verzögerung um drei Monate ist damit jedoch garantiert. Wird ein erster Entscheid an höhere Instanzen weitergezogen, kann sich die Verzögerung auf ein bis zwei Jahre auswachsen.

Die ETH ist der Ansicht, die Submission mithilfe externer Experten ordnungsgemäss durchgeführt zu haben. Für Ulrich Weidmann, Vizepräsident der ETH und zuständig für Personal und Ressourcen, ist eine Verzögerung «schwerwiegend». Schliesslich handle es sich beim Forschungszentrum um den «Angelpunkt für die Präsenz der ETH in Basel». Betroffen sei nicht nur die ETH, sondern auch die Universität, mit der mittlerweile neunzig Forschungskooperationen und fünf Doppelprofessuren vereinbart seien.

Aus der Ausschreibung geht hervor, dass eine enge räumliche Verzahnung zwischen den Hochschulen vorgesehen ist. Die ETH verzichtet auf eigene grosse Hörsäle und Tierräume, weil ihre Forscher und Studierenden jene der Universität nutzen können, die Uni-Forscher haben dafür Gastrecht bei speziellen Räumen im ETH-Gebäude. Die Universität Basel verzichtet auf eine Stellungnahme. Sie sei zwar informiert, doch es handle sich um ein Bauprojekt der ETH, erklärt Sprecher Matthias Geering.

Zum zweiten Mal unterlegen

Implenia habe bei der Ausschreibung das drittbeste Angebot eingereicht, ist Unterlagen zu entnehmen. Sie ist damit gescheitert wie vor gut drei Jahren bei der Vergabe des Bauauftrags für das benachbarte Biozentrum. Dort habe Implenia gemäss einem Bericht der «Basler Zeitung» sogar eine Million Franken günstiger offeriert als die Siegerin, das Bauunternehmen Erne.

Ein Implenia-Mitarbeiter liess sich damals mit den Worten zitieren: «Ich kann nicht ausschliessen, dass das kantonale Submissionsverfahren zu Mauscheleien eingeladen hat.» Den Rekurs gegen die Bauvergabe für das Biozentrum führte aber nicht Implenia, sondern der ebenfalls unterlegene österreichische Anbieter Porr. Das Appellationsgericht wies dessen Beschwerde zwar vollumfänglich ab, doch der Schaden durch die halbjährliche Bauverzögerung war angerichtet. Es blieb allerdings nicht die einzige Verspätung. Weil sich die Sanitärplanung als Pfusch erwies, mussten die Anlagen herausgerissen werden. In der Folge wurde der Sanitärplaner ersetzt.

Das Biozentrum wird nun im kommenden Jahr in Betrieb gehen, das ETH-Zentrum hätte nach ursprünglichem Zeitplan im Herbst 2021 fertiggestellt sein müssen. Nun müssen die mittlerweile zwanzig Professuren wohl noch länger in ihrer Zwischennutzung auf dem Rosental-Areal verharren.