Gymnasium
«Die heutigen Jugendlichen sind in ihrer Mehrheit schon konsumgeil»

Caspar Dohmen spricht heute vor Schülern des Gymnasiums Muttenz über nachhaltige Wirtschaft. Den renommierten Wirtschaftsjournalisten eingeladen hat der Wirtschafts- und Rechtslehrer Alexander Bieger.

Merken
Drucken
Teilen
Begabte Schüler der Kantonsschule Baden werden in Zukunft stärker gefördert

Begabte Schüler der Kantonsschule Baden werden in Zukunft stärker gefördert

Keystone

Herr Bieger, die heutige Jugend gilt als «konsumgeil». Wenn Herr Dohmen über nachhaltigen Konsum spricht, interessiert das Ihre Schüler überhaupt?

Alexander Bieger: Die heutigen Jugendlichen sind in ihrer Mehrheit schon konsumgeil. Aber es gibt auch viele, die sich über Konsum Gedanken machen. Und Herr Dohmen singt nicht einfach das Hohelied des Fair Trade. Er analysiert eher, ohne die Moralkeule zu schwingen. Es geht nicht darum, was die Schüler dürfen oder nicht, sondern darum, aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie selber haben. Sie sollen sich selber eine Meinung bilden, ob sie eine Jeans für 29 Franken 90 kaufen sollen oder wie sinnvoll es ist, für 39 Franken nach Barcelona zu fliegen.

Sehen die Jugendlichen den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und ihrem persönlichen Verhalten?

In gewissen Bereichen sicher. Aber ich bin mir bewusst, dass nachhaltiger Konsum immer etwas Elitäres an sich hat. Ein Schüler mit 200 Franken Taschengeld pro Monat kauft sich kaum ein nachhaltig produziertes T-Shirt, oder zumindest nicht ohne persönliche Einbusse anderswo.

Wie beliebt ist das Thema Wirtschaft bei den Schülern des Gymnasium Muttenz?

Wirtschaft und Recht ist als Fach recht beliebt. Es ist ein Schwerpunktfach, also nicht obligatorisch für alle. Wir versuchen, die Schüler mit Beispielen abzuholen, die ihnen nahe sind, etwa dem Gratis-Download im Internet. Ein heutiger 16-Jähriger hat noch nie für Musik bezahlt und sieht vielleicht auch nicht ein, warum er das tun sollte.

Dohmens Vortrag findet ausserhalb des üblichen Stundenrhythmus statt. Nehmen die Schüler dieses Angebot an?

Ja, sehr. Unsere Kulturkommission organisiert ungefähr alle zwei Wochen Mittagsanlässe; sie sind immer gut besucht. Es gibt Lesungen und Foren mit bekannten Politikern. Wir hatten zum Beispiel bereits einen Vertreter der Nationalbank bei uns. Auch die Lehrer halten solche Anlässe für sinnvoll, weil sie den Bezug zur Praxis schaffen.