Roggenburg
Die Hunde dürfen erst nach 6 Uhr bellen

Das Baselbieter Kantonsgericht verbietet einer Hundezüchterin in Roggenburg, ihre Hunde frühmorgens draussen laufen zu lassen. Geklagt hatte ein Nachbar, der sich durch das Gebell gestört gefühlt hatte.

Patrick Rudin
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Ein NAchbar fühlte sich durch das Gebelle der Hunde gestört (Symbolbild)

Ein NAchbar fühlte sich durch das Gebelle der Hunde gestört (Symbolbild)

Keystone

Hunde, die bellen, beissen zwar nicht, aber sie machen Lärm. Diese Binsenweisheit gilt nicht nur im städtischen Agglomerationsgürtel, sondern auch im ländlichen Roggenburg, und gelegentlich hat sie Konsequenzen.

So wertete das Kantonsgericht am Dienstag die frühmorgendliche Nachtruhe der Einwohner höher als die Freiheit der Hunde: Das Gericht verbietet einer Hundezüchterin, ihre Hunde vor sechs Uhr morgens aus dem Haus zu lassen und bestätigte damit einstimmig ein Verbot des Bezirksgerichtes Laufen. Das Verbot gründet sich auf Artikel 684 des Zivilgesetzbuches, wonach «übermässige Einwirkungen» auf die Nachbargrundstücke zu vermeiden sind.

39 unartige Tiere

Geklagt hatte ein Nachbar, der sich vor allem am frühen Morgen durch das Gebell gestört fühlte. Der Streit dauert seit dem Spätsommer 2008 an. Die genaue Anzahl der Hunde blieb unklar -- der Nachbar sprach von bis zu 39 Tieren, die Züchterin von elf.

«Schon vor sechs Uhr morgens lässt sie die Hunde raus. Mein elfjähriger Sohn müsste eigentlich erst um zwanzig vor sieben aufstehen, aber bei dem Gekläffe vor sechs Uhr steht er dann förmlich im Bett und kann nicht mehr schlafen», schilderte der Nachbar sein Problem vor dem Gericht.

Lautstarkes Spiel im Rudel

Das Problem sei vor allem das Rudel, denn die Hunde spielten dann natürlich lautstark miteinander. «Kein Hund bellt so laut wie ein Deutscher Schäferhund. Mit artgerechter Tierhaltung kann man hier sicher nicht argumentieren. Mir muss doch niemand sagen, dass man Hunde um fünf Uhr morgens rauslassen muss», klagte der Nachbar.

Die Hundezüchterin hingegen betonte, gerade den jungen Hunden gäbe sie morgens extra einen Knochen, damit sie beschäftigt und bis etwa acht Uhr auch ruhig seien. Die Hunde müssten zum Versäubern aber früh raus, weil sie selbst vor halb sieben zur Arbeit fahren müsse. Ihr Ehemann stehe noch früher auf. Deshalb gehe sie üblicherweise um zehn vor sechs Uhr mit den Hunden raus.

«Wäre das Verbot denn für sie akzeptabel, wenn wir die Zeit um zehn Minuten verschieben würden?», fragte Gerichtspräsident Dieter Freiburghaus. «Nein. Ich möchte, dass die Hunde dann rauskönnen, wenn sie müssen», antwortete die Hundezüchterin kopfschüttelnd. Denn nächtliche Versäuberungsaktionen seien unbedingt nötig, wenn ein Hund etwa Durchfall habe, und auch bei einer Geburt müsse man nachts rauskönnen.

Nachtruhe bis sechs Uhr

«Ein Notfall vor sechs Uhr wäre sicher kein Grund für eine Busse. Aber es ist schon verbohrt, bei dieser Anzahl an Hunden bei jeder Tages- und Nachtzeit raus zu wollen», meinte Kantonsrichter René Borer. Wenn ein Hund bis 22 Uhr draussen sei, dann sollte er es drinnen auch problemlos bis acht Uhr morgens aushalten, das Verbot sei daher verhältnismässig.

Kantonsrichter Edgar Schürmann schloss sich dieser Meinung an und zog für die Uhrzeit auch das Polizeireglement von Roggenburg heran, dass eine Nachtruhe bis sechs Uhr vorschreibe.

Auch Gerichtspräsident Dieter Freiburghaus bestätigte das Verbot der Vorinstanz – die Hundezüchterin halte immerhin dauerhaft mindestens zehn Hunde. «Es gibt Leute, die nach frühmorgendlichem Gebell nicht mehr einschlafen können. Dann ist das Nachtruhebedürfnis empfindlich gestört», sagte Freiburghaus.