Kündigung
Die «Jägerstübli»-Wohltäter sitzen jetzt selber in der Klemme

Ein Wirte-Duo bekochte über Weihnachten im Restaurant Jägerstübli Bedürftige. Offenbar hatten die beiden aber die eigenen Finanzen nicht im Griff.

Benjamin Wieland
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Gegen 100 Franken kostet im Normalfall ein Dreigänger im Jägerstübli – an Heiligabend war er gratis.

Gegen 100 Franken kostet im Normalfall ein Dreigänger im Jägerstübli – an Heiligabend war er gratis.

Martin Töngi

Wirt B. D.* ist ausser sich, als ihn die bz am Handy erreicht. Er soll sich zu den vom «Blick» kolportierten Vorwürfen äussern. Das Boulevardblatt schrieb, er und sein Geschäftspartner H. C.* würden einem Vermieter Tausende von Franken schulden, worauf ihnen gekündigt worden sei. «Wir haben das auch gelesen. Wir werden natürlich eine Gegendarstellung fordern», raunt er ins Telefon, verweist auf seinen Anwalt – und legt auf.

Die Empörung des Gastronomen ausgelöst hat ein Artikel von Donnerstag. Darin werden B. D. und H. C. als Mietpreller bezeichnet. Erst drei Wochen ist es her, als die beiden als Wohltäter noch gefeiert wurden. Sie verköstigten über die Weihnachtstage Bedürftige in ihren beiden Lokalen, dem «Jägerstübli» in Muttenz und dem Restaurant Klemme in Pratteln. In den Genuss eines Weihnachtsmenüs mit drei Gängen kamen arme Familien und Obdachlose.

Sie seien darum bemüht, teilen die zwei Beschuldigten über ihren Anwalt mit, «die Sache mit der Vermieterschaft im direkten Gespräch» zu bereinigen und nicht in der Öffentlichkeit breitzutreten. Für die Aktionen über Weihnachten suchte das Duo noch das Scheinwerferlicht – sie kontaktierten die Medien, mehrere Zeitungen berichteten über die Essen, auch die bz. Sie könnten natürlich auch nur einen Teller Suppe auftischen wie andere, liess sich B. D. damals vollmundig zitieren. «Aber so läuft das nicht bei uns. Wir wollen unseren Gästen etwas bieten.»

«Irgendwann ist Schluss»

Dass die beiden viel Goodwill verspielt haben, zeigt die Aussage des «Jägerstübli»-Eigentümers. «Am Anfang war ich geduldig», sagt der Muttenzer zur bz. «Aber irgendwann ist auch bei mir Schluss.» Seit November sei die Miete ausstehend, auch warte er immer noch auf die Kaution. In Pratteln und bei Lieferanten sollen ebenfalls Rechnungen nicht beglichen worden sein. Pikant: Der Vermieter will den beiden bereits Anfang Dezember gekündigt haben – also noch vor den «Charity»-Weihnachtsessen.

Das «Jägerstübli» und die «Klemme» haben in den vergangenen Jahren etliche Male die Wirte gewechselt. B. D. und H. C. übernahmen die «Klemme» im Juli 2014, im Herbst folgte das «Jägerstübli». Beiderorts wurde Thai-Küche angeboten. Die Buchhaltung haben die Wirte wohl unterschätzt, nicht nur auf der Ausgaben-, sondern auch auf der Einnahmenseite. Die bz weiss von Kunden, die auf Rechnung gespeist haben. Diese sei jedoch – trotz mehrmaligem Nachfragen – nie eingetroffen.

Ans Aufgeben denken die beiden nicht. «Wir haben ins Restaurant Jägerstübli viel Geld und vor allem viel Herzblut investiert», schreiben sie. Das Lokal sei ihr Kind, «und wir geben es bestimmt nicht so einfach auf.»

*Namen der Redaktion bekannt