Katholische Kirche
Die Kirche knausert bei den Löhnen

Die Sozialarbeiter wehren sich gegen eine Lohnkürzung. Brutto sollen pro Monat bald rund 400 Franken wegfallen.

Michael Nittnaus
Merken
Drucken
Teilen
Kirchliche Sozialarbeiter wie Barbara Scheibler von der Liestaler Pfarrei Bruder Klaus wollen einen geringeren Lohn nicht hinnehmen. mn

Kirchliche Sozialarbeiter wie Barbara Scheibler von der Liestaler Pfarrei Bruder Klaus wollen einen geringeren Lohn nicht hinnehmen. mn

Als Barbara Scheibler von ihrem neuen Lohn erfuhr, fiel sie aus allen Wolken. Die Leiterin des Liestaler Pfarreisozialdienstes Bruder Klaus wurde von der katholischen Landeskirche Baselland in die Lohnklasse 15 eingestuft.

«Brutto würde ich dadurch 400 Franken weniger pro Monat bekommen, was praktisch einer Lohnklasse entspricht», sagt Scheibler. Würde, weil eine Besitzstandswahrung ihr noch bis 2015 den alten Lohn zusichert.

Die Teuerung mit einberechnet dürften danach allerdings noch immer gut 150 Franken weniger herausschauen. Scheibler: «Das ist für mich auch ein Zeichen von fehlender Wertschätzung unserer Arbeit.»

Andere Berufsgruppen einbeziehen

Damit ist sie nicht alleine. Viele andere kirchliche Sozialarbeiter, Jugendarbeiter, Verwaltungsangestellte oder Sigristen erhalten geringere Löhne. Im Rahmen der Überarbeitung der Anstellungs- und Besoldungsordnung (ABO 2010) passte der Landeskirchenrat nämlich die Lohnskala an jene des Kantons an. «Kostenneutral», wie Ratsmitglied Albert Equey sagt.

Und er betont: «Wir haben niemanden herabgestuft.» Das Problem: Die neuen Lohnklassen sind tiefer angelegt. Zudem gebe es lineare statt gestufte Dienstalterszulagen. «Das erklärt den Unterschied», sagt Equey. Er verstehe das Murren der Betroffenen, wehre sich aber gegen den Vorwurf, deren Arbeit nicht wertzuschätzen.

Ob herabgestuft oder nicht: Was die Betroffenen letztlich spüren, ist der Lohn in ihrer Tasche. Bereits im Juni formulierte Scheiblers Berufskollegin Béatrice Zimmermann von der Birsfelder Pfarrei Bruder Klaus eine Motion, die forderte, die Einstufungen für Sozialarbeiter zu überdenken. Die Motion wäre für die ausserordentliche Synode vom 12. September traktandiert, doch: «Wir ziehen sie zurück», sagt Scheibler.

Dies nicht etwa, weil die Sozialarbeiter ihr Anliegen nicht mehr wichtig fänden. Ganz im Gegenteil: «Wir wollen nun auch andere betroffene Berufsgruppen mit einbeziehen, um an einer späteren Synode bessere Chancen zu haben.»

Problematisch sei zudem, dass die nächste Synode mit der Teilrevision der Verfassung bereits «völlig überfrachtet» sei. Noch dieses Jahr soll ein Runder Tisch die Betroffenen zusammenbringen. Scheibler hofft, dass bis Ende 2012 die Lohngerechtigkeit innerhalb der katholischen Kirche wieder hergestellt ist.

Keine generelle Stufenerhöhung

Dabei schielen die Motionäre auch auf die Lohnverhältnisse von Sozialarbeitern des Kantons oder der Gemeinden. «Die sind mit Lohnklasse 14 meist eine Stufe besser gestellt als wir», sagt Scheibler. Landeskirchenrat Equey bestätigt den Unterschied.

Dies liege daran, dass der Kanton Sozialarbeiter in die Klassen 13 bis 16 einstufe, die Kirche jedoch nur von 14 bis 16. «Bei uns ist der Spielraum kleiner», so Equey, der den Ball den einzelnen Kirchgemeinden zuspielt: «Für die Einstufungen sind sie zuständig. Mit einer nachvollziehbaren Begründung können sie die Sozialarbeiter bis auf 14 heraufstufen.» Er hege den Verdacht, dass die Kirchgemeinden dies zu zögerlich täten.

Eine generelle Stufenerhöhung der Sozialarbeiter lehnt Equey ab: «Wir müssen das Lohngerüst all unserer Mitarbeiter im Auge haben, sonst verdient ein Pfarrer plötzlich weniger als ein Sozialarbeiter.»

Ausserdem müsse die Landeskirche rund eine halbe Million Franken sparen. Für Scheibler ist das keine Entschuldigung. Sie blickt nach vorne: «Mit diesem Lohn lockt man keine qualifizierten Sozialarbeiter zur Kirche.»