Kindertagesstätten
Die Kita-Wartelisten im Baselbiet werden immer länger

Die meisten Kindertagesstätten im Baselbiet sind voll ausgelastet. Zwar werden immer mehr Kitas eröffnet, doch die sind meistens rasch ausgebucht. Zudem verhindern die Wünsche von Eltern eine optimale Verteilung.

Michael Nittnaus
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Vor allem in der urbaneren Agglomeration gibt es immer mehr Kindertagesstätten.

Vor allem in der urbaneren Agglomeration gibt es immer mehr Kindertagesstätten.

Walter Schwager

Es ist durchaus bemerkenswert: Im vergangenen März lehnte das Baselbieter Stimmvolk das Gesetz über die familienergänzende Kinderbetreuung im Frühbereich ab. Dieses sollte die Subventionierungspraxis dank direkter Gutscheine an die Eltern vereinheitlichen. Doch den steten Anstieg an neu eröffneten Kindertagesstätten (Kitas) der letzten Jahre konnte das nicht bremsen – im Gegenteil: «Es gab eine fast revolutionsartige Veränderung der Gesellschaft», sagt Katrin Bartels vom Fachbereich Familien der Baselbieter Sicherheitsdirektion. 2010 gab es kantonsweit 49 Kitas, nun sind es bereits deren 60. Sie bieten insgesamt rund 1420 Betreuungsplätze an. Doch das scheint noch immer nicht zu genügen.

Neue Kitas sind schnell ausgebucht

«Die meisten Kitas sind voll ausgelastet und es gibt vielerorts Wartelisten», sagt Esther Kilchmann vom Baselbieter Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote, das für die Bewilligung und Aufsicht der Standorte zuständig ist. Und noch ein weiterer Punkt verdeutlicht die ungebrochene Nachfrage. Kilchmann: «Neu eröffnete Kitas sind meist in nur einem halben bis einem Jahr voll besetzt.» Die Fachfrauen gehen deshalb davon aus, dass die Anzahl Standorte auch in den nächsten Jahren zunimmt, auch wenn Bartels anfügt: «Irgendwann ist die Obergrenze erreicht. Das Wachstum muss sich an den Bedürfnissen der Familien orientieren, nicht umgekehrt.»

Und diese Bedürfnisse sind sehr individuell. Das zeigt auch die Tatsache, dass es gemäss der Plattform Kinderbetreuung Nordwestschweiz (Kiss) im ganzen Kanton momentan immerhin 116,5 freie Plätze in Kitas gibt – trotz Wartelisten. «Es reicht nicht, dass irgendwo im Kanton ein Platz frei ist», sagt Bartels. Eltern hätten oft sehr genaue Vorstellungen und Wünsche, wohin sie ihr Kind schicken wollen. Meist müsse der Standort in der Wohn- oder der Arbeitsgemeinde zudem subventioniert sein. Und subventioniert waren laut dem Familienbericht 2010 lediglich knapp 60 Prozent der Kita-Plätze. Zudem möchte nur ein Bruchteil der Eltern ihr Kind an fünf Tagen die Woche in eine Kita geben. So ergeben sich Teilplätze, die nur zu bestimmten Zeiten frei sind. Bartels: «Baselland ist keine Diktatur, die einfach bestimmt, damit es aufgeht.» Die Verteilung zu steuern, sei schwierig und müsse subtil geschehen.

Oberbaselbiet mit weniger Kitas

Wie so oft liegt auch bei der familienergänzenden Kinderbetreuung ein Graben zwischen Unter- und Oberbaselbiet. «Oberhalb Liestals kann ich die Kitas an einer Hand abzählen», sagt Kilchmann und hält fest, dass «es gerade dort ein paar mehr vertragen würde». Im oberen Kantonsteil sind Tagesfamilien verbreiteter. Doch nicht nur das beschränkte Angebot hält Familien davon ab, externe Betreuungsangebote zu nutzen. Gemäss Familienbericht nennen 53 Prozent der Familien mit Kleinkindern die Kosten als Grund ihrer Ablehnung. Kilchmann sieht auch hier Unterschiede: So würden gerade kleinere Gemeinden des Oberbaselbiets deutlich weniger – oder gar keine – Subventionen bieten. «Das führt dazu, dass Kinder dort im Durchschnitt weniger Tage in der Kita verbringen als im Unterbaselbiet.» Bei 100 bis 120 Franken Vollkosten pro Platz und Tag verwundert dies Kilchmann nicht: «Das schenkt ein.»

Betreuungsgutscheine zum Zweiten

Das Nein vom vergangenen März zu einer neuen Subventionspraxis könnte dabei bald kippen, schliesslich gab es mit 51 Prozent nur ein knappes Nein. Neben des am 3. März national zur Abstimmung stehenden Familienartikels, kommt es auf kantonaler Ebene dank zwei neuer Initiativen demnächst fast zu einer Wiederholungs-Abstimmung: Eine Verfassungs- und eine Gesetzesinitiative möchten in Baselland erneut Betreuungsgutscheine für bedürftige Eltern einführen.

Der Unterschied zu letztem Jahr: Den Gemeinden soll mehr Spielraum eingeräumt werden (die bz berichtete). «Heute sind die verschiedenen Kitas nicht gleichberechtigt, da nicht alle subventioniert werden. Erhalten aber die Eltern Gutscheine, können sie frei wählen. So kann der Markt besser spielen», sagt Bartels. Sie geht zudem davon aus, dass sich Angebot und Nachfrage so besser annähern könnten. Einige wenige Gemeinden operieren bereits heute mit dem Gutschein-System. Wie auch immer das Volk entscheiden wird: Kilchmann glaubt, dass «ein Nein die Entwicklung der Kitas in Baselland nicht aufhalten wird.»