Häfelfingen
Die kleine «Mosti» presst jedes Jahr 2500 Liter flüssiges Gold

Die Mosterei von Werner und Fränzi Müller in Häfelfingen hat derzeit Hochbetrieb. Äpfel, Birnen und manchmal auch Quitten landen in der «Mosti». Die Kundschaft kommt vor allem aus der Umgebung.

Edi Gysin
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Mosti auf dem Häfelfinger Rütihof
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 Hansjörg Müller
 Betreiben die Häfelfinger Mosti: Werner und Fränzi Müller zusammen mit dem grössten Häfelfinger Apfelsaft-Produzenten Jakob Bürgin (von links)
 Max Lang aus Zeglingen kommt regelmässig mit kleineren Mengen Äpfel zum Mosten nach Häfelfingen
 Lang geniesst den frisch gepressten Saft aus seinen eigenen Äpfeln

Mosti auf dem Häfelfinger Rütihof

Eduard Gysin

Es sind beachtliche Mengen, die in der Häfelfinger Mosterei Jahr für Jahr gepresst werden. Zwei Monate dauert die Saison. Mitte September nimmt die «Mosti» den Betrieb auf, und am Samstag nach dem Sissacher Herbstmärt ist Schluss, erklärt Werner Müller. Er sorgt mit seiner Frau Fränzi gemeinsam dafür, dass die Obstproduzenten ihre Äpfel verwerten können. Manche mischen Birnen darunter, und einige veredeln den Apfelsaft mit ein paar Quitten.

Birnen soll es dieses Jahr weniger als auch schon gegeben haben, «und Quitten habe ich an unserem Baum dieses Jahr gar keine gesehen», stellt Jakob Bürgin fest. Sein Betrieb am Häfelfinger Obermattweg produziert jährlich zwischen 2000 und 2500 Liter Apfelsaft, das macht etwa den zehnten Teil einer Jahresproduktion der «Mosti» aus.

Fast alle zahlen

Bürgin vermarktet den naturtrüben Most an seinem eigenen Dorfstand. Von Rümlingen kommend, steht er eingangs Häfelfingen. Ein ausrangierter Heuwagen mit seinen Hofprodukten, wunderschön präsentiert und einladend. Der Apfelsaft sei sehr beliebt: «Ich kann ihn problemlos verkaufen, er erfreut sich zunehmender Beliebtheit.»

Einen zweiten Stand hat er auf Bad Ramsach eingerichtet, auch dort findet der braune Saft eine treue Kundschaft. «Reich werden wir dabei nicht. Die Früchte unserer alten Hochstammbäume können so aber sinnvoll verwertet werden», so Bürgin. Die Kundschaft sei ehrlich, es komme ganz selten vor, dass jemand sich bediene, ohne zu bezahlen. «Manchmal ist auch ein Euro in der Kasse», sagt er lachend. «Besser als gar nichts», wirft Fränzi Müller ein.

Sie hat eben mit Hansjörg Müller vom Rütihof abgerechnet, von seinen zehn Harassen Äpfel lässt er zwei stehen, die Früchte werden dann später an diesem Samstag geraffelt. Er wird sie ins Fass einlegen. Wenn sie vergoren sind, wird daraus Apfelschnaps destilliert. Seinen Apfelsaft wird er auf dem Hof selbst pasteurisieren. Werner und Fränzi Müller bieten aber das Pasteurisieren in der «Mosti» ebenfalls an. Ein Durchlauferhitzer sorgt dafür, dass der Apfelsaft haltbar bleibt und die Gärung verhindert wird. Dazu muss der Saft auf 75 bis 78 Grad Celsius erwärmt und danach in luftdichte Gebinde abgefüllt werden. Bei dieser Temperatur werden die Mikroorganismen, die den Saft verderben könnten, abgetötet und schädliche Enzyme inaktiviert.

Eben ist Max Lang aus Zeglingen mit zwei Harassen Äpfeln angekommen. «Er hat mich gestern Abend um neun Uhr angefragt, ob er tags darauf mit seinen Früchten vorbei kommen könne», sagt Müller. «Es sind Bohnäpfel, Boskoop und ein paar Birnen», führt Lang aus und geniesst einen kräftigen Schluck vom frisch aus seinen Früchten gepressten Saft.

Auch kleine Mengen

«So flexibel sind wir in unserer ‹Mosti›; wir haben Kundschaft aus der ganzen Umgebung. Auch aus den solothurnischen Gemeinden», so Müller weiter. Weil in Häfelfingen eine kontinuierlich arbeitende Bandpresse installiert ist, können problemlos kleine Mengen verarbeitet werden. Und jeder bekommt exakt den Saft aus den eigenen Früchten. «Nächsten Samstag werde ich dann mit etwa 30 Harassen Äpfeln kommen», verabschiedet sich Jakob Bürgin. Ein Grossauftrag also. «Wenn es gut läuft, schaffen wir 20 Harassen in einer Stunde», erklärt das Ehepaar Müller. Die beiden reinigen jetzt die «Mosti», so wie es sich gehört für eine Maschine, die zur Produktion von Lebensmitteln bestimmt ist.