Duss-Jacobi-Affäre
Die Kommission, in die keiner will

Seltisberg ist im Zusammenhang mit den Unregelmässigkeiten beim Hausbau des Paars Oliver Jacobi und Vanessa Duss im letzten Halbjahr durchgeschüttelt worden wie kaum je zuvor. Nach der Affäre braucht Seltisberg nun Hilfe aus Bubendorf.

Andreas Hirsbrunner
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Sie muss den Hut respektive die Jacke nehmen, obwohl sie noch gerne geblieben wäre: Vanessa Duss vor dem Seltisberger Gemeindezentrum. Martin Töngi

Sie muss den Hut respektive die Jacke nehmen, obwohl sie noch gerne geblieben wäre: Vanessa Duss vor dem Seltisberger Gemeindezentrum. Martin Töngi

Martin Toengi

Die Krise hat etliche Verlierer hinterlassen: Vanessa Duss ist aus dem Gemeinderat abgewählt worden, Oliver Jacobi musste seine Stelle als Kantonsingenieur aufgeben, am Gemeinderat und vor allem der Baukommission blieben Filzvorwürfe kleben. Wer nun aufgrund dieser Vorgeschichte und den An- und Entschuldigungen im letzten Dorfblatt am Dienstagabend den grossen Schlagabtausch erwartete, lag aber falsch: Die mit 90 Teilnehmern sehr gut besuchte Gemeindeversammlung ging mit Ausnahme von ein paar Nachwehen normal über die Bühne.

Zu den Nachwehen gehörte die Neu-Besetzung der Bau- und Planungskommission (BPK): Alle fünf bisherigen Mitglieder – drei von ihnen waren direkt in den Duss-Jacobi-Bau involviert – gaben ihren Rücktritt bekannt, sodass die Kommission auf die neue Amtsperiode ab erstem Juli komplett neu bestellt werden musste. Doch mit Ausnahme des glanzvoll gewählten Hans Geisseler – er sprach von «einer Herausforderung als einziger Kandidat» – stellte sich niemand für diese Kommission zur Verfügung.

Gemeindepräsident Bernhard Zollinger zeigte sich wenig überrascht: «Ich habe gedacht, dass es so kommt und wir müssen nun weitersuchen. Aber Herr Geisseler ist nicht ganz allein, die Gemeinde Bubendorf wird uns mit ihrem vollamtlichen Bauchef helfen.» Bände sprach die Antwort Zollingers auf eine Frage aus der Versammlung, wieso denn der Gemeinderat selbst nicht mehr wie bisher Einsitz in der Kommission nehme. Zollinger verwies auf die kürzlich geänderte Gemeindeordnung, die es dem Gemeinderat offen lasse, ob er in Zukunft ein Mitglied in die BPK delegiere. Zollinger: «Aus verständlichen Gründen will keiner in die Kommission.»

Gantner mit skurrilem Auftritt

Dann schwappten die Emotionen doch noch kurz über bei der Verabschiedung der beiden Gemeinderäte Vanessa Duss und Reto Gantner. Duss trat verbal ans Schienbein ihrer Nachbarin, die im Januar mit einem Flugblatt die Hausaffäre öffentlich machte und sich kürzlich mit haarsträubenden Verdächtigungen in der «Basler Zeitung» zitieren liess. Duss stoppte ihre Seitenhiebe aber sofort, als aus der Versammlung der Ruf «es reicht» erklang. Gantner plädierte bei seinem Abschiedsvotum dafür, dem Gemeinderat wieder Vertrauen zu schenken. Er verdiene das, der Krach sei vorbei.

Zuvor sorgte Gantner mit einem skurrilen Auftritt für Kopfschütteln: Er referierte unter der Ankündigung, die drängendsten Fragen der Seltisberger zur aktuellen Asylsituation beantworten zu wollen, eine geschlagene halbe Stunde zu möglichen Kosten, die entstehen könnten. Dabei, so ging aus seinem Referat hervor, lebt derzeit kein einziger Asylsuchender in Seltisberg. Gantner hörte erst auf, als ihn ein genervter Versammlungsteilnehmer dazu aufforderte.

Abwesende scheinen aber in Seltisberg generell das grössere Problem als Anwesende zu sein. Denn Präsident Zollinger schaute bei der Präsentation der Rechnung 2015 wehmütig jenen «zwei, drei sehr guten Steuerzahlern» nach, die weggezogen sind und ein grösseres Loch in die Kasse gerissen haben. Dazu hätten Rückstellungen für die Lehrer in der kantonalen Pensionskasse sowie Ausgaben für zusätzliche Sonderschüler die Rechnung mehr belastet als budgetiert. Unter dem Strich schaute so bei Gesamtausgaben von 5,2 Millionen Franken ein Minus von knapp 120 000 Franken heraus. Die Seltisberger schluckten es ohne Murren, wie fast alles an diesem Abend.