Super Constellation
Die legendäre Super Constellation wittert wieder Höhenluft

Das beschädigte Oldtimer-Flugzeug könnte in diesem Jahr doch noch fliegen. Das Austauschtriebwerk ist doch nicht defekt, wie anfangs vermutet wurde. Das ergaben neue Testläufe beim amerikanischen Hersteller.

jürgen schelling
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Die Super-Constellation könnte schon in diesem Jahr wieder auf die Startbahn

Die Super-Constellation könnte schon in diesem Jahr wieder auf die Startbahn

Keystone

Neue Wende im Fall des in Lahr «gestrandeten» schweizerischen Oldtimer-Airliners Super Constellation: Die Maschine, die seit Juni wegen Motorschadens auf dem Lahrer Flughafen steht, könnte 2012 doch noch in die Luft gehen. Das im August eingebaute Austauschtriebwerk eines amerikanischen Unternehmens schien zunächst defekt zu sein und wurde deshalb als Garantiefall in die USA zurückgeschickt. Neue Testläufe beim Hersteller in den USA zeigten jetzt aber, dass der Motor in Ordnung ist. Jetzt wird er erneut nach Lahr geschickt und in die Super Connie eingebaut.

Alle Flüge abgesagt

Ursprünglich trat der erste Triebwerksdefekt an einem der vier Sternmotoren des Oldie-Airliners bereits Anfang Juni vor Beginn der diesjährigen Flugsaison auf. Seit dieser Zeit steht die Maschine auf dem Flugplatz Lahr, und die schlechten Botschaften hörten nicht auf: So mussten alle für den Sommer geplanten Flüge bislang abgesagt werden. Zudem traf der bei einem amerikanischen Triebwerkspezialisten generalüberholte Ersatzmotor erst verspätet Anfang August in Lahr ein. Am 8. August stand dann ein erster Triebwerks-Testlauf auf dem Programm. Dieser verlief zwar erfolgreich, bei einer Untersuchung am folgenden Tag fanden die Spezialisten jedoch Metallspäne im Ölfilter. Das ist ein schlechtes Zeichen und bedeutet ein mögliches Sicherheitsproblem für das frisch eingebaute Tauschtriebwerk.

Weitere Untersuchungen

Deshalb wurde der Motor ausgebaut und zum amerikanischen Hersteller Anderson Aeromotive als Garantiefall zurückgeschickt. Jetzt zeigte sich dort im Beisein von zwei Technikern der Super Constellation Flyers Association (SCFA) aber, dass der 18-Zylinder-Sternmotor einwandfrei läuft. Die Ursache für das Auftreten der Metallspäne im Ölfilter wird nun weiter untersucht. Dieses Triebwerk kommt jetzt erneut nach Lahr und wird dann in die Super Connie eingebaut. Gedacht ist, dass die Maschine dann nach Zürich überführt wird, wo sie in einem Hangar überwintern soll.Allerdings wird die Behebung des Triebwerkschadens laut der SCFA den Verein mehr als 200000 Schweizer Franken kosten. Ein Spendenbarometer auf der SCFA-Webpage zeigt deshalb tagesaktuell an, wie viel Geld für die Behebung des Motorschadens bereits eingegangen ist. Ende September waren immerhin schon mehr als 96000 Franken eingegangen.

SCFA – ein Verein nur für Super Connie

Der in den Sommermonaten normalerweise in Basel stationierte Oldie ist eine von nur noch zwei weltweit fliegenden Super Constellations. Neben der schweizerischen Connie fliegt eine weitere Maschine dieses Typs in Australien. Zwar ist auch die deutsche Lufthansa-Berlin-Stiftung derzeit dabei, aus drei ausrangierten Maschinen eine flugfähige Super Constellation zu restaurieren, bis diese fliegen wird, dauert es aber noch einige Zeit.

Die SCFA als Halter der Maschine ist der Leidenschaft und dem Einsatz flugbegeisterter Privatleute zu verdanken: Im Frühjahr 2000 gründeten sie die SCFA in Basel als Verein mit dem Ziel, eine Super Connie zu erwerben, flugfähig zu machen und sie dann zu betreiben. Zwölf Jahre später sind aus der kleinen Schar von Enthusiasten heute rund 2700 Mitglieder geworden, die sich – unterstützt von mehreren Sponsoren – dem Erhalt ihres aussergewöhnlichen Airliners widmen. Da die 1955 gebaute Super Connie rechtlich gesehen ein Vereinsflugzeug ist, dürfen allerdings nur Mitglieder der SCFA mitfliegen.

Schon drei Rollouts

Nachdem die Super Connie durch 2009 entdeckte Schäden an der Struktur mehr als ein Jahr lang an den Boden gefesselt war, erlebte sie bereits ihren dritten Rollout: Den ersten 1955 bei der Indienststellung als Airliner, den zweiten nach der Restaurierung 2004 und im Frühjahr 2011 Nummer drei am Airport Lahr nach dem Beheben der Korrosionsprobleme sowie einer kompletten Neulackierung. Stationiert ist der Klassiker im Sommer am Heimatflughafen Basel-Mulhouse. In den vergangenen Wintermonaten, in denen umfangreiche Wartungsarbeiten anstanden, bildete allerdings die Basis der SRTechnics am Flughafen Zürich und nicht wie von 2006 bis 2011 der südbadische Airport Lahr das temporäre Zuhause der Maschine.