Wahlkampf
Die «Liberalen» starten das Projekt Sitzverteidigung

Während die anderen Parteien Einheit zelebrieren, setzen die sieben Baselbieter FDPler auf Alleingang. Der Sitz der Liberalen ist unsicher, das weiss auch der Parteipräsident. Doch für Michael Hermann ist klar: «Wir werden diesen Sitz verteidigen.»

Leif Simonsen
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Kenneth Nars

Der Baselbieter FDP-Präsident hat sich für optimistische Worte entschieden. «Ich bin sicher, dass wir diesen einen Sitz verteidigen werden», sagt Michael Herrmann zur Eröffnung des Wahlkampfes zur Nationalratswahl. Dafür sprechen die neusten Umfragewerte und bekannte Namen, darunter Verleger Martin Wagner und der designierte Handelskammer-Direktor Franz Saladin. «Der Fukushima-Effekt ist verpufft. Was die Menschen jetzt beschäftigt, ist die Wirtschaftssituation», glaubt Herrmann.

Hier könne man gegen jene neuen Mitteparteien punkten, die der FDP bei der Landratswahl vom vergangenen März so zusetzten. Gute Umfragewerte, schlechte Wirtschaftslage hin oder her: Der Sitz der Baselbieter Liberalen ist unsicher, das weiss auch der Parteipräsident. Ein Problem der FDP könnte das parteiinterne Gerangel um die Wählerstimmen werden. «Bei uns gibt es keine Nummer eins. Jeder führt einen eigenen Wahlkampf», sagt Herrmann. Und: «Nach den Wahlen werden die Kandidaten kaum zusammen in die Ferien gehen.»

Wagner gegen Schäfli

Das nimmt man Herrmann ab. Denn neben Wagner und Saladin sassen bei der gestrigen Präsentation der Nationalratskandidaten auch Stephanie Eymann, Paul Hofer, Daniela Schneeberger, Balz Stückelberger und Patrick Schäfli.

Auf der einen Seite sprach Wagner vom «bilateralen Weg als Erfolgsmodell». Er wollte klargestellt haben: Zum einen übernimmt die Schweiz mit dem bilateralen Weg das EU-Recht nicht zwingend. Zum anderen schade der Angriff auf die Bilateralen der Schweizer Wirtschaft. Überdies seien Initiativen wie die Einwanderungsinitiative der SVP schlicht «Bauernfängerei». Parteikollege Schäfli sagte auf der anderen Seite: «Die öffentliche Sicherheit ist ein zentrales Thema für unsere Bevölkerung». Die Ausschaffungsinitiative sei gemäss dem Volkswillen «konsequent umzusetzen».

Rücktritt von Gysin mach Aufgabe nicht einfacher

Dass die FDP einen Personenwahlkampf statt einen Parteienwahlkampf führt, ist für Herrmann nicht weiter schlimm: «In einer liberalen Partei wie der FDP werden die verschiedenen Meinungen akzeptiert.» Trotzdem gibt auch er zu, dass der Rücktritt von Hans Rudolf Gysin die Aufgabe nicht einfacher macht. So tritt die Partei als einzige der arrivierten Parteien ohne Bisherigen an. 120000 Franken wendet die FDP auf, um die Lücke nach Gysin schliessen zu können.

Im Gegensatz zu den Grünen setzt man zumindest optisch auf Einheit: Statt den Konterfeis der einzelnen Kandidaten werden im Baselbiet in den nächsten zwei Wochen Plakate mit den verschiedenen Schwerpunktthemen der Freisinnigen aufgehängt. Die einzelnen Sektionen werden den Wahlkampf in die Dorfzentren bringen. Für den persönlichen Wahlkampf sind die Nationalratskandidaten selbst verantwortlich.

Wer dann nach Bern reisen wird, darüber will Herrmann nicht spekulieren. «Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung.» Insgeheim teile er nur in zwei Gruppen auf: diejenigen mit etwas mehr und diejenigen mit etwas weniger Wahlchancen.