Svenksa klubben
Die Lichterheilige «Sankta Lucia» kommt nach Basel

Kommenden Sonntag feiern die Schweden im Dreiland in der Diaspora das Fest der Lichterheiligen, Sankta Lucia. Der ur-schwedische Brauch ist in seinem Herkunftsland fast wichtiger als Weihnachten selbst. Auch nicht-schwedische Gäste sind willkommen.

Boris Burkhardt
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Das Mädchen, welches die Rolle der heiligen Lucia übernimmt, hat fünf an einer Krone befestigte Kerzen auf dem Kopf.

Das Mädchen, welches die Rolle der heiligen Lucia übernimmt, hat fünf an einer Krone befestigte Kerzen auf dem Kopf.

zVg

Es ist ein langer Weg, den die heilige Lucia von Sizilien über das winterdunkle Schweden nach Basel geführt hat: Mitgebracht haben ihre Lichterheiligen, deren Fest am 13. Dezember ihnen fast wichtiger ist als Weihnachten selbst, die über 200 Schweden, die im Dreiländereck leben und arbeiten. Seit über 20 Jahren wird das Fest auch in der hiesigen Diaspora gefeiert – auch alle nicht-schwedischen Gäste sind willkommen.

Dieses Jahr ist der Sonntag, an dem im Mehrzweckzentrum Kuspo in Münchenstein immer gefeiert wird, tatsächlich der Lucia-Tag, der 13. Dezember: Eine besondere Konstellation, denn hier in Basel haben die Schweden natürlich nicht immer am 13. Dezember frei, wie das in der Heimat der Fall ist. Annika Eriksson hofft deshalb dieses Jahr auf besonders viele Familien, die kommen werden: «Es wird bestimmt ein besonderes Gefühl von Heimweh aufkommen», meint sie. Eriksson, mit ihrem Mann und den drei Töchtern von Göteborg nach Oberwil gezogen, ist Vorsitzende des Svenska klubben Basel und organisiert seit gut zwanzig Jahren zusammen mit Tina Broman und Kerstin Dornbusch das Lucia-Fest.

Echte Kerzen auf dem Kopf

Sizilianische Märtyrerin als schwedische Lichtgestalt

Die heilige Lucia von Syrakus (von lateinisch lux, «Licht») wurde in Sizilien geboren. Sie beschloss, ein gottgefälliges Leben als Jungfrau zu führen. Als sie einen von ihrem Vater auserwählten Mann heiraten sollte, weigerte sie sich und wurde somit als Christin entlarvt und zum Tode verurteilt. So wurde Lucia der Legende nach mit siedendem Öl übergossen und vom Schwert in der Kehle durchbohrt. Doch trotz dieses Martyriums soll die Heilige überlebt haben. Sie empfing durch einen Priester die heilige Kommunion und starb, angeblich an einem 13. Dezember. Das Fest Sankta Lucia wird vor allem in Schweden und in den schwedischsprachigen Städten Finnlands gefeiert. Die Heilige, die im Feuer litt, wurde im dunklen skandinavischen Winter zur Lichtbringerin umfunktioniert. Der 13. Dezember ist nach dem alten julianischen Kalender der kürzeste Tag im Jahr; seit der gregorianischen Kalenderreform liegt dieser Tag am 21 Dezember, der Wintersonnenwende.

Die beiden ältesten Töchter Erikssons hatten bereits die grosse Ehre für jedes schwedische Mädchen, einmal Lucia sein zu dürfen, die, die den Zug anführt mit den Kerzen auf einer Krone von Preiselbeerblättern: Ihre jüngste Tochter wird es dieses Jahr sein. Lucia ist normalerweise die Älteste ihres Jahrgangs zwischen 16 und 18 Jahren. «Aber sie muss sich bereits im Klubb eingebracht haben, singen können und sollte nach Möglichkeit lange Haare haben», erklärt Eriksson.

Traditionen der Exil-Schweden

Übrigens sind es nicht nur Mädchen: Auch fünf Buben, die stjärngossar, «Sternenbuben», sind beim Zug dabei. Sie tragen Sterne in der Hand und auf ihren spitzen Hüten und bilden den Schluss des Zuges. Sie alle üben gemeinsam das Singen, zweimal vor dem grossen Auftritt, jeweils am Mittwochabend nach der schwedischen Schule. Die Basler Lucia trägt übrigens immer echte Kerzen mit Flamme und tropfendem Wachs; darauf bestehen die Basler Exilschweden.

Die Tradition ist ihnen so wichtig, dass sie seit drei Jahren sogar lieber auf den Auftritt im Ikea Pratteln verzichten, seit dieser elektrische Kerzen forderte. Auch den sonstigen neuen Trends aus der schwedischen Heimat, etwa, dass in Kindergärten alle Mädchen Lucia sein dürfen oder auch Buben als Lucia auftreten, hat sich die Basler Diaspora bisher widersetzt, wie Eriksson berichtet. Meinungsverschiedenheiten gebe es höchstens über den richtigen Text des Lucia-Liedes: Drei Varianten gibt es je nach Region in Schweden. Das vorgängig zitierte, in dem Lucia «mit sanftem Licht in unser dunkles Haus kommt», ist die Bekannteste.

Das grosse Julfest am Sonntag ab 15 Uhr wird begleitet von vielen schwedischen Leckereien inklusive Glögg und einem Adventsmarkt mit schwedischen Produkten. Svenska klubben Basel gibt es seit über 40 Jahren und hat ein trinationales Einzugsgebiet. Neben dem Lucia-Fest gibt es Feiern zu allen wichtigen schwedischen Festen: Valborgsmässa (Walpurgis), 6. Juni (Nationalfeiertag), Midsommar um den 24. Juni und das Krebsessen im August, ausserdem Museumsbesuche, Golfturniere, Männerabende und kleine Vorträge.

Lucia-Feier 13. Dezember ab 15 Uhr, Kuspo-Zentrum, Loogstrasse 2, 4142 Münchenstein. Anmeldung unter dornbusch@live.com, Eintritt 25 Franken für Nichtmitglieder, Kinder bis 16 Jahre frei, www.svenskaklubbenbasel.ch (Homepage nur auf Schwedisch)