Graffiti
Die Liestaler Regierung sagt den Sprayereien den Kampf an

Graffiti Die Stadt hat ein neues Konzept erarbeitet, um den illegalen Schmierereien Einhalt zu gebieten

Oliver Sterchi
Drucken
Teilen
Ist in Liestal nicht gerne gesehen: Das besprayen von Gebäuden. (Symbolbild)

Ist in Liestal nicht gerne gesehen: Das besprayen von Gebäuden. (Symbolbild)

Keystone

Die Täter sind meist jugendlich und einzeln oder in Gruppen unterwegs. In nächtlichen Aktionen schwärmen sie aus, nehmen ihre Spraydosen zur Hand und versehen in Windeseile Fassaden mit Schriftzügen, Parolen oder Zeichnungen.

Den Sprayern geht es darum, die Bewunderung von Szenemitgliedern zu gewinnen und nervenkitzelnde Action zu erleben. Etwas nehmen sie dabei bewusst in Kauf: Die verschmierten Fassaden sind für die Eigentümer mehr als ärgerlich. Ganz zu schweigen von den beträchtlichen Folgekosten für die Reinigung.

Damit soll in Liestal jetzt Schluss sein. Der Stadtrat hat im März ein umfassendes Konzept verabschiedet, um den illegalen Sprayereien einen Riegel vorzuschieben.

Umfassend ist dieses Konzept, weil es nebst repressiven auch präventive Massnahmen enthält. «Wir wollen einerseits strikt gegen diese Schmierereien vorgehen, andererseits wollen wir aber auch Präventionsarbeit leisten, damit es künftig möglichst nicht mehr zu Sprayereien kommt», erklärt FDP-Stadträtin Marion Schafroth.

Kein Kavaliersdelikt

Das Konzept sieht so aus: Im Juli werden im Zentrum der Stadt Liestal die Graffiti an den stadteigenen Liegenschaften entfernt. Ab August können dann Geschädigte via Hotline neue Sprayereien melden.

Die Entfernung erfolgt auf Kosten der Stadt, die zu diesem Zweck eigens eine spezielle Reinigungsmaschine angeschafft hat. Durchgeführt werden die Arbeiten von der Velostation GmbH im Rahmen eines Sozialhilfeprogramms.

Dieser kostenlose Service ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Die Geschädigten müssen in jedem Fall Anzeige gegen die Sprayer erstatten. Tun sie das nicht, oder wird die Anzeige zurückgezogen, verrechnet die Stadt Liestal für die Reinigungsarbeiten den marktüblichen Preis.

Den Grund für dieses Vorgehen erklärt René Frei, Bereichsleiter Sicherheit und Soziales bei der Stadt: «Durch die Anzeige werden die Täter bei der Polizei registriert. Dadurch kann man Mehrfachtäter besser rückverfolgen und identifizieren.»

Zudem seien die mit der Anzeige verbundenen strafrechtlichen Konsequenzen ein starkes Signal an die Täter. «Sprayereien sind kein Kavaliersdelikt und werden nicht geduldet», so Frei.

Sprayereien sofort entfernen

Ausgehend von der Kernzone rund um den Wasserturmplatz wird sich das Reinigungsteam systematisch durch die Stadt arbeiten. Dabei werden neue Schmierereien vor den bestehenden prioritär behandelt. Sobald irgendwo ein neues Graffiti auftaucht, wird es umgehend entfernt. «Die Motivation der Täter sinkt, wenn ihre Werke unmittelbar nach jedem Sprayen entfernt werden», weiss Frei.

Dass es dabei zu einem Wettlauf zwischen Sprayern und Reinigungsteam kommen könnte, nehme man gerne in Kauf: «Wir müssen einfach den längeren Atem haben.» Irgendwann würden die Sprayer aufgeben. Frei rechnet mit einem Zeitraum von zwei Jahren, bis sämtliche bestehende Graffiti inklusive der in dieser Zeit neu dazugekommenen entfernt sind. Danach werde das Reinigungsteam nur noch punktuelle Einsätze leisten müssen.

Plätze für legales Sprayen

Stadträtin Schafroth betont derweil, dass die meist jugendlichen Täter nichts Böses im Schilde führten: «Sie sind sich einfach nicht bewusst, was sie mit ihren Sprayereien anrichten.» Man wolle denn auch nicht nur bestrafen, sondern präventiv auf die Jugendlichen zugehen.

Jugendsozialarbeiter, sogenannte Streetworker, sollen mit den jungen Sprayern ins Gespräch kommen und ihnen bewusst machen, dass sie mit ihren Schriftzügen und Markierungen an fremden Fassaden viel Schaden anrichten.

Derzeit evaluiert die Stadt geeignete Plätze, wo die Jugendlichen legal der Graffiti-Kunst nachgehen können. Denn auch Stadträtin Schafroth räumt ein, dass gewisse Sprayereien «kunstvoll und originell» sein können. In einem von der Stadt geregelten Rahmen sollen Graffiti mit künstlerischem Anspruch daher geduldet werden.

Aktuelle Nachrichten