Fasnacht
Die Liestaler Schnitzelbänke sind fast ein bisschen zu deftig

Die Schnitzelbänkler zogen auf der Tour durchs Stedtli so richtig vom Leder.

Ulrich Fluri
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Die Goldis scherzen über die Ruhe in Liestal.
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Muser Schang im Element.
Schnitzelbank Liestal
Die Güllerugger stossen sich am Sparkurs der Regierung.
Der Papageno mit beissendem Spott.

Die Goldis scherzen über die Ruhe in Liestal.

Ulrich Fluri

Obestreich oder Schnitzelbanksingen? Das war am Fasnachtsmontag in Liestal die Gewissensfrage für alle Fasnachtsfreunde. In der Dunkelheit der Nacht den Musikstücken lauschen, im ruhigen Stedtli hinter den Cliquen herumgässle, sich an Laternen und Kopfbeleuchtungen freuen und um 23 Uhr das Finale als Monsterkonzert vor dem Rathaus zusammen mit allen Formationen erleben. Das ist der Obestreich und eben ein Freiluftprogramm, das sich zwar gut anhört, das aber eher die Hardcore-Fasnächtler anspricht, die von der grossen Sause vom Sonntag mit Umzug und Chienbäse noch nicht genug hatten.

Die grosse Masse indes – und das war bei dieser Saukälte halt doch der Normalfall – verzog sich in die gute Stube, sprich in die neun Beizen und drei Cliquenkeller. Und selbstredend: überall gerammelt voll, wo zu einer Vollportion deftigem Witz und erfrischendem Humor, serviert von 13 Schnitzelbankgruppen, wahlweise vom Hotdog bis zum Gourmet-Menü alles zu haben war.

Der Kanton und das liebe Geld

Wie wohltuend also für die Värslibrünzler, das politische und gesellschaftliche Leben aufs Korn zu nehmen und Ungereimtheiten von Promis aufzuwärmen und sie in die Pfanne zu hauen. Die meisten taten das gnadenlos und mit pointierten Versen. Die Freude über solches Tun drückte das Frauen-Duo Chalte Kaffi in ihren Refrains dann so aus:

Mir si so glücklich trallala,

überall d’Schnuure dinne z’ha!

Und wenns um liebe Geld geht, das dem schönen Landkanton bekanntlich an allen Ecken und Enden fehlt, dann werden die Schnitzelbänkler deutlich. So klagten die Güllerugger:

D’Mooni Gschwind, d’Frau Pegoraro und dr Wäber,

au dr Toni Lauber und dr Isaac Räber,

studiere jede Zyschtig, wenn sy zämmehocke,

wie sy öis no chönnte Schtütz zum Sack us locke.

Um den Sparkurs der Regierung machen sich auch d’Wiederchätscher ihre Sorgen:

Es schneielet, es beielet,

es wird uns Angscht und Bang,

und d’Lehrer chömme au no dra,

d’Kultur hangt scho am Strang.

Aber auch in der schönen Kantonshauptstadt Liestal ist nicht alles im Lot. Eine wahre Fundgrube also, in der die Schnitzelbänkler nach allem wühlen, das sich irgendwie durch den Kakao ziehen lässt. Zum Dauerbrenner «Ruhe im Stedtli» lästert der Sänger der Goldis, er habe seiner Frau einen gemütlichen Sonntag versprochen, abseits von jedem Lärm und weg von den Leuten:

E stille Ort wyt ab vom Gschütz,

kei Hektig und kei Trybe,

do chunnt mr plötzlig e Idee,

me chönnt im Stedtli blybe.

Nach der Schliessung des «Bistro Dö», der Umfunktionierung der «alte Braui» in einen Dönerstand und der Eröffnung von fleischfreien Take-aways klagen die Schlümpfli über die Beizenkultur in Liestal:

D Beize stärbe, dasch zum griine,

chasch fürs Bier niene me iine,

drum drinke mir als Kenner

uf dr Stäge vor em Denner.

Die Fifa und Bischof Huonder

Im Korruptionssumpf der hohen Fussballfunktionäre steckt bekanntlich auch Michel Platini. Schnitzelfritz, der Meisterkoch mit Schweinekopf, der seine Verse als scharf gewürzte Menüvorschläge präsentierte, hat da einen bösen Verdacht und fragt auf der französischen Speisekarte ganz neugierig:

I ha do no zwei Millione gfunde,

wämm sind das sini?

Sind s mini, sind s dini

oder sinn die au no em Platini?

Auch auf Fifa-Chef Sepp Blatter wurde verbal schonungslos eingeprügelt. Muser Schang, der seine Bänk immer mit treffendem Sprachwitz und gekonnter Theatralik vorträgt, machte einen im Grunde guten Vorschlag:

Der Seppi Blatter unrasiert

und undrem Aug e Pflaschter,

unrasiert das gieng jo no,

doch s dunkt eim neumedure,

das Pflaschter ghör nit unders Aug,

das Pflascher ghört uf dSchnure!

Weniger deftig, aber doch etwas schadenfreudig gingen d Rotznaase mit einem alt Nationalrat um:

Im Parlamänt dörf er nümm sitze,

los Mörgeli – mir findes spitze!

Mit Papageno gastierte der eigentliche Primus inter Pares in Liestal. Er versteht es, von dezentem Humor bis zu beissendem Spott zwei Themen miteinander zu verbinden, und das alles in bester Cabaret-Art. Mit dem Bank über Bischof Huonder hat er aber die Grenze des guten Geschmacks eindeutig überschritten:

Dr Bischof Huonder ziet fourios

wäge Doodsynd gääge Schwuli los,

doo sait dr Pape, my Soon s’isch normal,

hesch Päch ass nid schwul bisch,

sunscht wärsch Kardinal.

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