Stadtentwicklung
Die Liestaler Vereine fordern eine Stadthalle

Mit breiter Unterstützung haben Vereinsvertreter eine Initiative lanciert, die vom Stadtrat eine Vorlage innert zweier Jahre verlangt.

Andreas Hirsbrunner
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Liestal Altes Gitterli
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gilt als top für eine Stadthalle.

Liestal Altes Gitterli

Nicole Nars-Zimmer

Der Ruf ist nicht ganz neu, jetzt erfolgt er aber in geballter Form: Die Liestaler Vereine wollen eine neue Stadthalle und haben deshalb vor ein paar Tagen eine Initiative lanciert. Der Spindoktor dahinter, der ehemalige Präsident der IG Ortsvereine Stefan Saladin, spricht von 58 Vereinspräsidenten, die explizit hinter der Initiative stehen. Saladin: «Das ist fast einmalig, dass so viele Vereine im gleichen Boot sitzen und in die gleiche Richtung rudern. Es herrscht eine grosse Solidarität.» Diese reicht vom Schäferhundclub über den Turnverein bis zu den Rotstäblern. Also auch Vereine wie die Hündeler, die keinen direkten Nutzen von einer neuen Halle haben, unterstützen das Begehren.

Sie fühlen sich finanziell gebeutelt und schikaniert

Andere haben ein sehr direktes Interesse, weil ihr Verein unter der heutigen Situation leidet. Da wäre zum Beispiel die Trachtengruppe, die mangels geeigneter Räumlichkeiten in Liestal in eine Schulanlage in Lausen ausweichen musste. Dies, weil der im Engel-Saal bereits gebuchte Termin für den Trachtenabend annulliert wurde; wie es mit diesem stadteigenen Saal nach der Kündigung des Management-Vertrags durch das Hotel Engel weitergeht, ist derzeit offen. Die Präsidentin der Trachtengruppe Liestal, Sabina Schneider, sagt: «Wir wollen nach Liestal zurück, hier sind unsere Wurzeln.»

Unbefriedigend ist auch die Situation der Bühne Liestal. Dieser Theaterverein probt und spielt in der Liestaler Gewerbeschule. Präsidentin Karin Schweizer sagt: «Der Kanton verlangt heute fast fünfmal mehr Miete als früher. Zudem werden wir mit immer mehr Reglementierungen schikaniert.» Auch sei offen, wie lange sie noch hier bleiben könnten. Für ihren Verein wäre eine Halle mit Bühne für die Aufführungen und Nebenräumen für Probe und Unterbringung der Requisiten ideal. «Und das für uns als Liestaler Verein in Liestal», betont Schweizer. Die Rotstab-Clique wiederum leidet mehrfach im KV-Saal, wo sie jeweils vor der Fasnacht eine Woche lang ihr traditionelles Cabaret spielt. Dazu Vorstandsmitglied Hans Peter Ruch: «Der Saal ist teuer und etwas klein für uns. Vor allem seit die Platzzahl aus feuerpolizeilichen Gründen von 600 auf 500 verkleinert wurde.»

Und Judo Sport Liestal als viertes Beispiel ist auf der Suche nach einer neuen Trainingshalle, weil die bisherige im Schild-Areal aus feuerpolizeilichen Gründen gekündet wurde. Der Traum von Präsidentin Stella Campestrin: eine Halle vom Kaliber, wo der sportlich ambitionierte Verein auch ein Ranking-Turnier durchführen kann.

Neue Halle würde ohne Land sechs bis sieben Millionen kosten

Eine neue Stadthalle mit guter Infrastruktur von der Bühne bis zur Küche und mit Platz für 1000 bis 1500 Personen könnte diese und weitere Probleme der Vereine im Gegensatz zu den bestehenden Hallen lösen, ist Stefan Saladin überzeugt. Und er fügt an: «Es kann nicht sein, dass Liestal wächst und wächst, das Raum-Angebot für die Vereine aber kontinuierlich kleiner wird.»

Ihm schwebt eine Halle auf Land der Stadt oder der Bürgergemeinde vor, um die Kosten in Grenzen zu halten. Favoriten sind für ihn der alte Gitterli-Platz oder «visionär» die Sichtern. Für den reinen Hallenbau rechnet er mit Kosten von sechs bis sieben Millionen Franken. Für die Finanzierung soll eine Trägerschaft aus öffentlicher Hand und Privaten sorgen. Die – unformulierte – Initiative verlangt, dass der Stadtrat innerhalb von zwei Jahren dem Einwohnerrat eine Vorlage präsentiert. Eingereicht werden soll sie frühestens Anfang April mit «mindestens 1000 Unterschriften», so Saladin. Nötig wäre die Hälfte.

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