Wahlen 2011
Die «Marke Miesch» zog diesmal zu wenig

Noch weiss der Titterter SVP-Politiker Christian Miesch nicht, wie es nach seiner Abwahl aus dem Nationalrat politisch weitergehen soll. Eine Abwahl der «Marke Miesch» durch das Stimmvolk schien bis diesen Sonntag sehr unwahrscheinlich.

Bojan Stula
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Nachdenklicher Abgang aus dem Nationalrat: Christian Miesch. KEY

Nachdenklicher Abgang aus dem Nationalrat: Christian Miesch. KEY

Das bittere Gefühl einer Abwahl aus dem Nationalrat kannte Christian Miesch bereits. Im turbulenten Jahr 1995 war es, als der Titterter mit einer wilden «Freien bürgerlichen Liste» seine Wiederwahl erzwingen wollte, damit an der Urne aber nicht durchkam. Dem vorausgegangen war ein heftiger Streit mit der damaligen Baselbieter FDP, für die Miesch zwischen 1979 und 1991 den politischen Durchmarsch vom Titterter Gemeinderat über den Landrat bis in die Grosse Kammer nach Bern geschafft hatte.

Doch Miesch war kein Bilderbuch-Liberaler, er bewegte sich stets am rechten Parteirand der FDP. So rechts, dass Christoph Blocher dem Nationalrats-Neuling aus dem Baselbiet für dessen Anti-Europa-Kurs offen applaudierte und ihn 1992 als Vizepräsident der berüchtigten Auns an Bord holte. Damit war der Bruch mit der FDP nur noch eine Frage der Zeit. Im Vorfeld der 95er-Wahlen wurde er von Parteikollegen als ewiger Nein-Sager und Linien-Abweichler beschimpft und mit dem zweitschlechtesten Nominationsergebnis abgestraft. Daraufhin zog Miesch seine FDP-Kandidatur zurück. Der eigenen wilden Liste fehlten aber die nötigen Parteistimmen zum Wahlerfolg. Das Kapitel FDP beendete Miesch definitiv 1996 mit dem Übertritt zur SVP.

Politische Erfolge

Nun ist Miesch, Geschäftsmann, Hobbywinzer und Armee-Hauptmann, wieder an diesem Punkt. Abgewählt. Seine 25850 Stimmen vom Sonntag waren das sechstbeste Resultat aller Kandidaten im Baselbiet, doch schnappte ihm der um 834 Stimmen besser klassierte Parteifreund Thomas de Courten den Sitz vor der Nase weg. Ein Rückstand, der den 63-Jährigen weniger fuchst, «als wenn es bloss zwei Stimmen gewesen wären», wie er am Tag danach feststellt. Seit er 2003 nach einer politischen Durststrecke von acht Jahren sein Wahl-Comeback schaffte und auf Kosten des FDP-Mannes Paul Kurrus in den Nationalrat zurückkehrte, gehörte der Baselbieter zu den profiliertesten Sicherheitspolitikern im Lande. In der Geschäftsprüfungs- und Sicherheitskommission des Nationalrats zählte sein Wort viel. Sein Pech: Es war eine Tätigkeit hinter den Kulissen, die meist keine Schlagzeilen einbrachte.

«Ich bin kein Malama-Typ, der bei jedem parlamentarischen Vorstoss eine Medienmitteilung verschickt», sagt Miesch über seine Arbeitsweise. «Ich hatte auch nie eine Verbandsmaschinerie oder ein Sekretariat im Rücken. Bei mir war alles Ein-Mann-Arbeit.» Politische Erfolge wie sein Engagement für den Erhalt der Baselbieter Sparvereine oder seine Einsätze als OSZE-Wahlbeobachter hängte er nicht an die grosse Glocke. «Im Hinblick auf das Resultat vom Sonntag vielleicht ein Fehler.» Andererseits war der oft als «Frohnatur» bezeichnete SVP-Nationalrat in weiten Kreisen des Baselbiets beliebt. Spontan, herzlich, humorvoll: Auch das ist der EU-Gegner aus Titterten. Eine Abwahl der «Marke Miesch» durch das Stimmvolk schien bis diesen Sonntag sehr unwahrscheinlich.

«Die Arbeit in Bern ist wahnsinnig spannend»

Ob ihm nochmals so ein politisches Comeback glückt wie 2003? Gerne möchte er schon, «die Arbeit in Bern ist wahnsinnig spannend». Doch auf die Chance, im Dezember für den zum Bundesrat gewählten Caspar Baader in die grosse Kammer nachzurücken, gibt er nichts. Wenn er übermorgen Donnerstag zu seiner letzten Auslandsreise als OSZE-Wahlbeobachter nach Kirgisistan aufbricht, wird dies ein erster hilfreicher Schritt sein, eine Zukunft ohne Mandat in Bundesbern anzudenken.