Süssware
Die Maschine ist repariert - der geliebte Zwanzigermocken lebt weiter

Die Maschine zur Herstellung der «Fünfermocken», die heute dank Inflation zum «Zwanzigermocken» geworden sind, war drei Monate lang kaputt. Doch sie konnte wieder repariert werden – der Ricola-Klassiker lebt weiter.

Hans-Martin Jermann
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Der Fünfermocken wurde mittlerweile zum Zwanzigermocken.

Der Fünfermocken wurde mittlerweile zum Zwanzigermocken.

ZVG

Im Pfadilager und auf Schulreisen zählten sie Jahrzehnte lang zum Standardarsenal der Küchenbrigade. Am Kiosk sind sie einer der grossen, wenn auch nicht mehr ganz so häufig anzutreffenden Schleckzeug-Klassiker: die Fünfermocken aus dem Hause Ricola. Das klebrig-halbfeste Bonbon ist für viele Eltern ein Schreck, da nicht gerade zahnschonend, dessen pädagogischer Nutzen wird aber unterschätzt, denn: Wie lässt sich einem Kind das Phänomen Inflation anschaulicher erklären als mit der Preissteigerung bei den Mocken, die einst fünf, später zehn und schliesslich 20 Rappen kosteten und deswegen ständig den Namen änderten?

Produziert wird im Aargau ...

Gross war die Verunsicherung deshalb, als kürzlich im Städtchen Laufen – dem Heimatort des Mockens – das Gerücht umging, die Maschine sei kaputt und das legendäre Rundbonbon könne nicht mehr produziert werden. Es wäre ein riesiger Verlust – schliesslich handelt es sich um ein identitätsstiftendes Stück kulinarischer Schweizer Geschichte.

Doch bei Ricola, welche die runden Dinger im Auftrag produzieren lässt, gibt man Entwarnung: Zwar war die mittlerweile über 50 Jahre alte Maschine tatsächlich defekt. Doch seit Anfang Februar läuft sie wieder: «Wir sind froh, dass nun weiter produziert werden kann», sagt Ricola-Sprecherin Linda Hufschmid auf Anfrage der bz. Die Maschine, die bei der Firma Disch im aargauischen Othmarsingen steht, sei rund drei Monate ausser Betrieb gewesen.

Es handle sich um ein Unikat, weshalb «Reparaturen natürlich etwas länger dauern können.» Zu Lieferengpässen sei es nicht gekommen, da stets eine gewisse Menge Mocken auf Vorrat produziert werde, sagt Hufschmid. Wie viele Mocken verkauft Ricola eigentlich? Das bleibt Geschäftsgeheimnis. «Sie können davon ausgehen, dass weit über eine Million Mocken pro Jahr die Fabrik verlassen», sagt Hufschmid.

Punkto Form und Geschmack gibt es auf dem riesigen Süsswarenmarkt noch immer kein vergleichbares Produkt. Der Fünfermocken wurde in den 1930er-Jahren von Bäckermeister Emil Richterich, dem Grossvater des heutigen Ricola-Chefs Felix Richterich, in Laufen erfunden und anfänglich im Kupferkessel über offenem Feuer hergestellt.

...doch der Mocken gehört Ricola

Die in den 60er-Jahren angeschaffte Mocken-Maschine zügelte von Laufen in den Aargau zur Disch AG, als diese 1993 von der Ricola übernommen wurde. Im Mai 2015 verkaufte das Familienunternehmen Disch, doch die Produktion der Mocken – und jene von Sportmint, einer weiteren Ricola-Marke – verblieb bei der Lohnherstellerin Disch. Dies, obwohl diese ihre Kernkompetenzen in den Bereich pharmazeutischer Süsswaren verlagert hatte.

Beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum ist das Retro-Bonbon zwar als «Disch Mocken» eingetragen, Inhaberin des Markenrechts ist aber Ricola. Der Mocken geniesst zwar nicht ganz die Berühmtheit der Kräuterzucker, die sogar im globalen Showbusiness eine feste Grösse sind. So sagte etwa der US-amerikanische Sänger Bruno Mars vor seinem Zürcher Konzert: «I’m a huge fan of Ricola, I even know the Ricola-Song» – und Mars sang. Dabei ist der berühmte Werbespruch des Laufner Bonbonherstellers auch auf den Mocken anwendbar: Wer hats erfunden?

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