Fussball
Die Medienkampagne setzt dem FCB zu

Das morgige Spitzenspiel der Super League in Bern wirft unliebsame Schatten voraus. In der «Berner Zeitung» werden die FCB-Fans an den Pranger gestellt.

Bojan Stula
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Fassungslos sieht sich der FCB-Vorstand mit einer nationalen Medienszene konfrontiert, die beinahe täglich mit immer neuen Negativschlagzeilen auf den Verein eindrischt. Zunächst werden Alex Frei und Marco Streller als Hauptschuldige der Nati-Misere ausgemacht und unter dem Beifall zahlreicher «Blick»-Leser zum Rücktritt getrieben. Seit Mitte dieser Woche stehen nun - einmal mehr - die FCB-Fans am Pranger.

«FCB-Fans erpressen SBB» titelt die «Berner Zeitung» auf der ersten Seite ihrer Freitagsausgabe, nachdem am Tag davor der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause im gleichen Blatt kein gutes Haar an der Basler Fussball-Anhängerschaft gelassen hat.

Es geht um den SBB-Extrazug, der morgen Sonntag rund 1000 FCB-Fans ans Spitzenspiel gegen Young Boys in Bern bringen soll. Laut «Berner Zeitung» hätten Basler Fans die SBB dazu gezwungen, dass der Extrazug aus Basel diesmal nicht bei der Station Bern-Wankdorf in Stadionnähe hält, sondern direkt zum Berner Hauptbahnhof fährt.

In Bern-Wankdorf würde ein neu errichteter Zaun auf die Basler warten, der die FCB-Fans strikte von den YB-Anhängern trennt und ihnen nur den direkten Weg zum Gästesektor-Eingang lässt.

«Druck ausgeübt»

Das ist eine der neuen Massnahmen, mit denen Berns Sicherheitsdirektor Nause die Mannschaftsstärke der Polizei und somit die Kosten für Sicherheitseinsätze rund um YB-Spiele senken will. Doch dazu wird es morgen nicht kommen, weil sich die FCB-Fans gegen die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit auflehnen. Wie schon einmal 2010 in Zürich vor einem FCZ-Spiel wird der Basler SBB-Extrazug direkt zum Hauptbahnhof fahren, von wo aus die FCB-Fans in Form einer Prozession zum Stade de Suisse marschieren.

Hätten sich die SBB dem Willen der FCB-Fans nicht gebeugt, wären die Basler mit den Regelzügen nach Bern gefahren, wofür die «Berner Zeitung» das Wort «Erpressung» braucht und sich dabei auf SBB-Pressesprecher Reto Kormann beruft.

Gegenüber der bz dementiert Kormann zwar, dass er dieses Wort je benützt hat. Aber es sei halt schon so, dass die Vertreter der FCB-Fanclubs, mit denen sich die SBB-Verantwortlichen im Vorfeld abgesprochen haben, Druck ausgeübt hätten.

Kormann: «Das schleckt keine Geiss weg. Unsere oberste Maxime ist, dass sich Fussballfans nicht mit den Gästen der Regelzüge vermischen sollen. Das wissen die Fans und nützen diesen Umstand aus.»

Nicht nur Nachteile

Seitdem macht die Geschichte in den Medien die Runde. SBB-Sprecher Kormann musste gestern pausenlos Presseanfragen zur «Erpressung» beantworten. Dabei verschwieg er nicht, dass das Extrazug-Reiseziel Hauptbahnhof für die SBB durchaus auch Vorteile bietet.

Bern-Wankdorf sei einer der neuralgischsten Knotenpunkte im gesamten Schweizer Schienennetz. Würden die Fussball-Fans dort wegen der beengten Platzverhältnisse über die Geleise laufen, stellte dies ein «enorm hohes Risiko» dar; bei einem Streckenunterbruch wären Dutzende von Zügen mit Tausenden von Passagieren betroffen. Im viel grösseren Berner Hauptbahnhof besteht diese Gefahr hingegen nicht.

Das Einlenken der SBB missfällt wiederum Nause, der den neuen Zaun als «Raubtierkäfig» bezeichnet. Mit dieser Bezeichnung hat der Berner CVP-Gemeinderat schon einmal Öl ins Feuer gegossen. Nun setzt er in Sachen Extrazug noch einen drauf: «Der Staat setzt die Rahmenbedingungen. Der Zug soll in Wankdorf halten. Der FCB kann dieses Problem rasch lösen, indem er sagt, der Zug halte in Bern-Wankdorf. Punkt, Schluss!», ereifert sich der Berner Sicherheitsdirektor in einem Radiointerview auf DRS 3.

Bei solchen Aussagen kann FCBVizepräsident Bernhard Heusler nur verzweifelt den Kopf schütteln. Es geht nicht einmal so sehr um die völlige Verkennung von Abläufen und Verantwortlichkeiten. Vielmehr fragt man sich beim FCB, was mit dieser Kampagne und der öffentlichen Blossstellung seiner Fans kurz vor dem wichtigen Spiel in Bern bezweckt werden soll.

Unliebsame Erinnerungen

Nur ungern erinnert man sich in diesem Zusammenhang an den 13. Mai 2006. Am Tag davor betitelte die «Basler Zeitung» eine Vorschau im Lokalteil mit «Die Angst vor der ‹Schlacht zu St. Jakob›». Prompt kam es am nächsten Tag zu den schwersten Krawallen, die es in Basel rund um ein Fussballspiel je gegeben hat. Natürlich wäre es zu einfach, die Ursache für Ausschreitungen nur den Medien in die Schuhe zu schieben. Für langjährige Kenner der Szene wie den FCB-Mediensprecher Josef Zindel steht jedoch ausser Frage, dass gerade mit solchen Geschichten im Vorfeld eines Hochrisikospiels die Stimmung aufgeheizt werden kann. Deshalb tun sich die Vereinsvertreter mit Aussagen und Kommentaren zum Thema äusserst schwer.

Das Problem dabei: Es fühlen sich oft genau jene Mitläufer und Aussenseiter dazu angestachelt, die mediale Prophezeiung von Krawallen in die Tat umzusetzen, die sich ausserhalb des Einflussbereichs von Fanarbeit und Klubleitung bewegen, anschliessend aber durch ihre Gewalttaten die gesamte rotblaue Anhängerschaft samt Verein in Verruf bringen. Als öffentlich exponierter FCB-Klubrepräsentant wie Bernhard Heusler kann man in diesem Spannungsfeld mit jeder Aussage nur verlieren.

Zumindest SBB-Pressesprecher Reto Kormann hofft, dass die morgige Prozession der FCB-Fans friedlich abläuft und der Sport im Vordergrund stehen wird. Leider kann man vermutlich nicht von allen dasselbe behaupten.

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