Lohndumping
Die meisten Lohndrücker sind im Baselbiet am Werk

Nirgendwo in der Schweiz ist das Problem von Lohndumping so gravierend wie in Basel-Land. Knapp jeder zweite Betrieb zahlte 2010 seinen ausländischen Arbeitern zu wenig Lohn. Das sind viermal so viele Lohndrücker wie im Schweizer Durchschnitt.

Pascal Meier
Merken
Drucken
Teilen
Im Baselbiet wurden 2010 insgesamt 288 Betriebe kontrolliert (ohne GAV-Vertragspartner)

Im Baselbiet wurden 2010 insgesamt 288 Betriebe kontrolliert (ohne GAV-Vertragspartner)

Keystone

Am Pranger stehen in erster Linie die sogenannten Entsendungsbetriebe. Das sind Firmen aus EU-Staaten, die Arbeitnehmer für weniger als 90 Tage in der Schweiz beschäftigen - und dabei oft äusserst knausrig vorgehen: 42 Prozent der kontrollierten Firmen zahlten ihren Kurzaufenthaltern im vergangenen Jahr weniger Lohn als branchenüblich. Gesamtschweizerisch unterschritten 12 Prozent der Entsendungsbetriebe die gängigen Branchenansätze.

Basel-Land an der Spitze

Dies geht aus dem Bericht zu den flankierenden Massnahmen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) vor. Im landesweiten Vergleich liegt das Baselbiet damit mit Abstand an der Spitze. Als nächstes folgt der Kanton Aargau, wo bei 29 Prozent der kontrollierten EU-Firmen die Löhne beantstandet wurden.

In keinem besseren Licht stehen die Schweizer Arbeitgeber, auch hier vor allem jene aus Basel-Land: 28 Prozent zahlten 2010 ihren Kurzaufenthaltern zu wenig Lohn. Gesamtschweizerisch liegt dieser Anteil bei 6 Prozent.

Noch mehr Verstösse bei GAV-Betrieben

Diese Zahlen beziehen sich ausschliesslich auf Betriebe, die keinem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstehen und damit nur verpflichtet sind, «übliche Löhne» zu bezahlen. GAV-Branchen werden separat kontrolliert und die Ergebnisse nicht nach Kantonen aufgeschlüsselt.

Gesamtschweizerisch gab es in diesem Bereich noch mehr Verstösse als in Branchen ohne GAV: 38 Prozent der von EU-Firmen entsandten Arbeitern mussten 2010 für weniger als den Schweizer GAV-Mindestlohn arbeiten. Von den kontrollierten Schweizer Arbeitgebern unterschritten 41 Prozent den Mindestansatz.

Trotz dieser klaren Unterschiede lassen sich Zahlen nicht 1:1 auf die ganze Arbeitgeberschaft hochrechnen. Denn die Kontrolleure gehen vielfach gezielt in Betriebe, wo bereits ein konkreter Dumping-Verdacht besteht.