Baoshida Swissmetal
Die «Metalli» in Dornach hegt wieder Pläne

Nach den Turbulenzen der letzten Jahre herrscht neue Zuversicht bei der «Metalli» in Dornach. «Nun ist Baoshida Swissmetal ein neues Unternehmen, das nicht an der Börse kotiert, aber schuldenfrei ist», sagt der Generaldirektor.

Daniel Haller
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Soll ein Entwicklungs- und Kompetenzzentrum für ein weltweites Netz von Zulieferern von Buntmetall-Profilen werden: Baoshida Swissmetal in Dornach.

Soll ein Entwicklungs- und Kompetenzzentrum für ein weltweites Netz von Zulieferern von Buntmetall-Profilen werden: Baoshida Swissmetal in Dornach.

Roland Schmid

«Dass es uns überhaupt noch gibt, verdanken wir den Menschen, die hier arbeiten», betont Philippe Michel. Der Generaldirektor der «Metalli» Dornach ist überzeugt: «Die Baoshida-Leute wussten, was sie kaufen, nämlich das Know-how und die Identifikation der Belegschaft mit ihren Werken in Reconvilier und Dornach.»

Der Maschinenbau-Ingenieur arbeitet seit einem Vierteljahrhundert bei Swissmetal, vor allem im Vertrieb und Produktmanagement. Er hat auch mitgemacht, was er rückblickend als «bittere Zeiten» bezeichnet: Finanzklemmen, Rettungsversuche, Restrukturierungen, Streiks und am Schluss die Nachlassstundung. «Was nützt es, dass man hervorragende Produkte hat, wenn wegen Management-Fehlern das Geld fehlt?», erinnert er sich.

Doch die industrielle Kompetenz sollte schliesslich doch noch nützen: Die chinesische Baoshida-Gruppe kaufte im Januar 2013 aus der Liquidationsmasse des Buntmetall-Herstellers die Werke Dornach und Reconvilier und den Namen Swissmetal heraus. «Nun ist Baoshida Swissmetal ein neues Unternehmen, das nicht an der Börse kotiert, aber schuldenfrei ist.» Dessen Hauptsitz liegt im bernischen Reconvilier, da Baoshida dort auch das Werksgelände erwerben konnte. In Dornach ging das Areal im Bieterwettbewerb an die Hiag Immobilien AG – ein Umstand, den Michel mittlerweile nicht mehr bedauert: «Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen mit Hiag und planen gemeinsam Ausbau und künftige Investitionen.»

«Das kann nur Baoshida»

Stolz legt Michel ein Stück rechteckiges Stück Kupferrohr auf den Tisch, das in der Mitte unterteilt ist. «Solche Kupfer-Hohlprofile, dünnwandig und aus harten Legierungen, sind extrem schwierig zu pressen. Das kann weltweit nur Baoshida Swissmetal.» Konkret: Ein auf mehr als 800 Grad erhitzter Kupferrohling wird so durch mehrere – von den Dornachern entwickelte – Werkzeuge gepresst, dass am Schluss ein nahtloses Doppelrohr entsteht. Dieses kommt in den Spulen für Generatoren zum Einsatz und muss exakt definierte mechanische und elektrische Eigenschaften aufweisen.

Gefertigt werden die komplexen Profile – unter anderem für die Fenster des Präsidentenpalasts in Abu Dhabi – auf der grossen Extrusionspresse, die in den letzten Tagen der alten Swissmetal angeschafft wurde, aber erst in der Ära Baoshida unter dem internen Namen «Apollo» nun voll zum Einsatz kommt.

Derzeit sind in Dornach und Reconvilier rund 230 Personen beschäftigt, davon 120 in Dornach. Michel spricht davon, wieder Arbeitsplätze zu schaffen. Jedoch werde die Stärke der früheren Swissmetal-Belegschaft kaum wieder erreicht. «Die beiden Schweizer Standorte sind als technologische Kompetenz- und Entwicklungszentren geplant. Die Produktion muss hingegen dort erfolgen, wo unsere industriellen Kunden produzieren.»

Eröffnet ein Grosskunde ein Werk in Südafrika, Argentinien oder China, werde auch Baoshida Swissmetal sich als Zulieferer dort ansiedeln müssen: «Wir streben langfristige Produktentwicklungs- und Produktionspartnerschaften an.» Diese Fähigkeit, mit industriellen Kunden zusammen anspruchsvolle, auf deren Anforderungen zugeschnittene Produkte zu entwickeln, sieht Michel als die «grosse Zukunft» von Baoshida Swissmetal. Zweiloch-Hohlprofile sollen dann nicht mehr nur aus der Schweiz kommen, sondern in Filialen auf anderen Kontinenten gepresst werden. Michel macht kein Geheimnis daraus, dass dabei auch Überlegungen zum starken Franken im Spiel sind.

Eigner lassen freie Hand

Das Verhältnis zwischen der Belegschaft und den Kadern der alten Swissmetal – Träger des technischen Know-how– und den neuen, chinesischen Eignern, beschreibt der Werksdirektor als entspannt. «Swissmetal ist das erste fremde Unternehmen, das Baoshida übernommen hat. Sie lassen uns bei der Entwicklung von Plänen weitgehend freie Hand. Baoshida hat verstanden, dass das Know-how und die Kreativität des Personals den eigentlichen Wert der Firma darstellen.» Der neue CEO von Baoshida Swissmetal, Haifen Ling, sei zwar gebürtiger Chinese, aber spreche fliessend Deutsch, sodass es keine Verständigungsschwierigkeiten gebe. Ling unterstütze voll den langfristigen Ausbau der Schweizer Standorte.

Das Werk Boillat in Reconvilier ist spezialisiert auf Legierungen und Halbfabrikate für Elektrische und elektronische Steckverbindungen. Daneben wird für den Flugzeugbau und die Uhrenbranche produziert, wobei die vergangenen Turbulenzen zum Verlust vieler Kunden aus der Uhrenindustrie geführt hat. So wurde während der Nachlassstundung die Produktion der gewalzten Bänder, aus denen man die Platinen für Uhrwerke stanzt, eingestellt. «Mittlerweile konnten wir wieder Uhrenhersteller als Kunden gewinnen und arbeiten mit renommierten Marken an neuen Legierungen und Produkten», berichtet Michel. Dafür habe man für spezielle Kunden Walzen wieder in Betrieb genommen und Leute eingestellt, die damit umgehen können.

Dornach fertigt auf der neuen, grossen Extrusionspresse die komplexen Profile für die Elektro- und Bauindustrie. «In Zukunft wollen wir weitere Produktionsschritte integrieren», erklärt der Werksdirektor. «Das hätte beispielsweise den Vorteil, dass die Abfälle hier bleiben und wir sie gleich wieder in der Giesserei aufbereiten könnten.»