Verkehr
Die Nachbarn beerdigen ihren Bypass für Basel

Über ein halbes Jahrhundert war ein Autobahnanschluss über den Rhein nach Frankreich geplant – doch den will hüben wie drüben keiner mehr. In der Schweiz ist man deswegen enttäuscht.

Boris Burkhardt
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So könnte die Autobahnbrücke aussehen.

So könnte die Autobahnbrücke aussehen.

Der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi sorgte vor einem Monat für eine gut dosierte Provokation, als er die Idee eines 16 Kilometer langen Transittunnels vom Autobahndreieck Weil am Rhein bis zur Verzweigung Augst als «Denkanstoss» in den Raum stellte. Eine weiterführende Idee war es, auch die französische A 35 ab Saint-Louis unterirdisch an diesen Transittunnel anzuschliessen, um so Basel komplett zu umfahren.

Gemeinden wollen keine Autobahn

Die Deutschen planen seit einem halben Jahrhundert einen solchen Bypass mit einer Autobahnspange, die die französische A 35 über den Rhein mit der A 98 verbinden würde. Das Autobahndreieck Weil am Rhein, das bisher auf dem Gebiet des Stadtteils Märkt den Beginn der A 98 Richtung Rheinfelden darstellt, ist so grosszügig gestaltet (siehe Foto oben), dass eine Fortführung der A 98 über den Rhein einfach angebaut werden könnte. Nimmt man die Tunnel-Idee aus dem Baselbiet, wäre die Autobahnbrücke über den Rhein bereits der Bypass aus Frankreich, der an den Transittunnel anschlösse. Das war einmal: Die französischen Gemeinden um Saint-Louis nahmen die «Bretelle de Märkt», wie sie sie nennen, bereits Ende 2011 aus dem interkommunalen Richtplan. Die Autobahnspange, die ihren Anschluss auf Höhe des Euro-Airports gefunden hätte, habe jahrzehntelang die Planungen der betroffenen Kommunen Saint-Louis und Neudorf blockiert. «Sie hat Saint-Louis in zwei Teile geschnitten», sagt der Technische Leiter der Stadt, Guillaume Benoit. Ausserdem verliefe sie inzwischen durch das Naturschutzgebiet Petite Camargue. Im Juni bestätigten die nationalen Behörden den Beschluss der Gemeinden.

Nur eine Frage der Zeit

Damit ist das Projekt auch auf deutscher Seite gestorben. Zwar ist der Rheinübergang momentan noch im «Bundesverkehrswegeplan» (BVWP) unter «weiterer Bedarf mit hohem ökologischen Risiko» enthalten. Doch der BVWP wird bis 2015 revidiert und war erst im Mai auf kommunaler Ebene zur Vernehmlassung. Und das dortige Interesse an der Rheinbrücke schwindet rapide. Die Stadt Weil am Rhein wehrt sich aus ähnlichen Gründen wie die französischen Nachbarn schon lange gegen die Blockade in ihrer Stadtplanung, wie Baubürgermeister Christoph Huber bestätigt. Die Stadt wünsche sich in Märkt vielmehr einen sogenannten Dreiviertelanschluss an das Gewerbegebiet im Rheinvorland, der die angrenzenden Ortschaften vom Schwerverkehr entlasten würde. Auch der Regionalverband Hochrhein-Bodensee als interkommunales Planungsorgan sieht keinen Sinn mehr in der Rheinbrücke, «wenn sie die Franzosen nicht wollen», wie der verantwortliche Verkehrsplaner Michael Freitag mitteilt.

Baselland kennt die Planungen

Kantonsingenieur Oliver Jacobi waren die Planungen dieser Brücke durch die Gemeinsame Kommission grenzüberschreitender Strassenfragen Deutschland–Schweiz vage bekannt. «Das wäre für unsere Idee des Transittunnels sicherlich hilfreich gewesen», sagt er. Die Brücke sei jedoch «kein Killerkriterium». Entsprechend sieht er es auch nicht als vertane Chance, dass die Brücke jetzt ad acta gelegt wird. Er nehme vielmehr positiv zur Kenntnis, welche Resonanz die Tunnel-Idee bisher in beiden Basel und Deutschland erhalten habe.

Dabei spielt wohl auch eine Rolle, dass die existierende A 98 von Weil bis Rheinfelden immer wieder als «natürlicher Bypass» für Basel gehandelt wird – allerdings nur auf schweizerischer Seite; die Deutschen lehnen das konsequent ab (die bz berichtete). Jacobi gibt aber auch die Hoffnungen auf eine deutsch-französische Autobahnspange als Bypass für Basel nicht auf: «In 40, 50 Jahren, wenn der Transittunnel frühestens gebaut würde, könnte man diese Idee wieder aufgreifen – vielleicht etwas nördlicher.» In der Tat laufen die deutsch-französischen Überlegungen – wenn überhaupt – auf einen Rheinübergang auf der Höhe von Kembs hinaus.