Wochenkommentar
Die Nachwuchsförderung und der offene Blick über die Grenze

Auch wenn es zwischen Gigi Oeri und Bernhard Heusler zurzeit ein paar Meinungsunterschiede gibt, spätestens im kommenden Sommer werden diese überwunden sein: Wenn der Nachwuchs-Campus auf Münchensteiner Boden in Betrieb geht.

Thomas Dähler
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Zusammen mit Architekt Luca Selva freut sich Gigi Oeri, dass der Campus Formen annimmt.

Zusammen mit Architekt Luca Selva freut sich Gigi Oeri, dass der Campus Formen annimmt.

Dann werden sich sowohl Stiftungsratspräsidentin Oeri als auch FCB-Präsident Heusler uneingeschränkt darüber freuen. Der Campus, zwar formell vom FC Basel unabhängig, wird für die nahe und weitere Zukunft des Clubs von zentraler Bedeutung sein. Der Campus, dessen Entstehung Passanten zurzeit in der Brüglinger Ebene interessiert verfolgen, ist ein einzigartiges Projekt. Ein Projekt, das in dieser Form in der Schweiz nur in Basel möglich ist.

Die Aufrichte-Feier diese Woche fiel zufällig mit dem 20. Jahrestag der verlorenen EWR-Abstimmung in der Schweiz zusammen. Am 6. Dezember 1992 wurden die beiden Basel von den Deutschschweizer Miteidgenossen überstimmt. Es mag sein, dass sich heute auch Basel und das Baselbiet nicht mehr für den EWR erwärmen können. Doch unabhängig davon war das Schweizer EWR-Nein in den beiden Basel das Signal für eine verstärkte trinationale Kooperation in der erweiterten Region. Anders als in Zürich, wo immer Mal verbal auf die ungeliebten Zuzüger aus dem nördlichen Nachbarland eingeschlagen wird, ist das Verhältnis der beiden Basel zu den Nachbarn unbelastet. Im Gegenteil: Mit Interesse verfolgen wir Geschehnisse und Trends jenseits der Grenze. Basels Alltag findet auch in Südbaden und im Elsass statt.

Zwar spielt der FC Basel (leider) nicht in der Bundesliga. Doch umso interessierter wird in Basel registriert, welche Rezepte im Nachbarland Erfolge ermöglichen, in der Bundesliga – und in etwas geringerem Masse auch in der Ligue 1 in Frankreich. Nicht nur, weil fussballerische Nachwuchstalente dort ihre Karriere erfolgreich fortsetzen. Sondern auch, weil es dort nachahmenswerte Beispiele erfolgreicher Nachwuchsförderung gibt. Der Campus in Basel ist durchaus auch von deutschen Vorbildern inspiriert.

Dabei braucht es nicht einmal den Blick nach München. Der Nachbarclub in Freiburg macht es schon länger vor, wie mit einer guten Nachwuchsstrategie erfolgreich Fussball auf höchster Ebene gespielt werden kann. Der SC Freiburg hat sich im Bundesliga-Mittelfeld etabliert – dank Fussballtalenten, die aus der eigenen Nachwuchsförderung hervorgegangen sind. Die Ausbildungsschmiede ist sportlich und wirtschaftlich entscheidend. Auch der FC Basel baut mit dem Campus in Münchenstein seine eigene Zukunft. Der Campus ist keine Erfolgsgarantie. Aber ein Instrument, um die Nachwuchsförderung der letzten Jahre ebenso erfolgreich fortzusetzen.

Vor der Jahrhundertwende hat der FCB schwierige Zeiten durchlebt. Dass er inzwischen sportlich und wirtschaftlich erfolgreich ist, hängt durchaus auch mit der offenen Einstellung zusammen. Der Region ist das Reduit-Denken fremd. Der unvoreingenommene Blick Rhein abwärts ist ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil.