Nuglar-St.Pantaleon
Die nackte Frau ist weg: Jesus hängt wieder am Wegkreuz

Ein Serientäter verunstaltete 2011 Nuglar-St.Pantaleon. Er beschmierte die Kreuze, riss die Jesus-Figuren von ihnen und entführte sie. Erst zwei Jahre später sind sie wieder an ihren Platz zurückgekehrt - das kostete die Gemeinde viel Geld und Nerven.

Melanie Aprin
Merken
Drucken
Teilen
Die nackte Frau ist verschwunden. Gemeindehandwerker Peter Füllemann freut sich, dass die Jesusfiguren wieder an ihrem Ort hängen.

Die nackte Frau ist verschwunden. Gemeindehandwerker Peter Füllemann freut sich, dass die Jesusfiguren wieder an ihrem Ort hängen.

zvg/Melanie Aprin

Fast zwei Jahre ist es her, dass der einstige Pilgerort St. Pantaleon und sein Nachbardorf Nuglar wegen Vandalismus in die Presse gerieten: Ein Schmierfink, der nach Angaben der Polizei des Kantons Solothurn immer noch unbekannt ist, hatte auf ein leeres Flurkreuz eine nackte Frau gemalt. Das war selbst der Boulevardzeitung «Blick» eine fette Schlagzeile wert, die sonst kaum je aus diesem Gebiet berichtet. Das Gemälde wurde rasch entfernt und die Jesusfigur von privater Hand ersetzt. Andere Kreuze aber blieben leer. Seit Anfang September ist das anders: An allen Wegkreuzen in der Gemeinde ist der Heiland an seinen Platz zurückgekehrt.

Es dauerte lange

Warum es so lange dauerte, bis die Jesusfiguren wieder hingen, hatte nicht nur mit der Furcht vor neuen Vandalenakten zu tun. «Wir waren uns in der Gemeinde eine ganze Weile nicht einig, wer für die Sanierung der Kreuze zuständig ist», erzählt Adolf Morand, der Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde. Denn man habe nicht nur das Steinkreuz an der Gempenstrasse erneuern müssen, sondern ein halbes Dutzend weitere Kreuze, deren Christusfiguren entfernt oder zerstört worden waren. «Weil es sich hierbei um katholische Symbole handelt, waren im damaligen Gemeinderat manche der Meinung, dass nur der Kirchenrat die Verantwortung habe», berichtet Morand.

Appell an die Gemeinde

Er habe dann erklärt, dass die Wegemarkierungen aus einer Zeit stammen, als die Gemeinde noch rein katholisch war. Die Trennung von Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinde habe damals noch nicht eindeutig festgestanden. «Die Kreuze sind Ausdruck der Volksgläubigkeit jener Zeit und somit Zeugen der Geschichte unserer Gemeinde.» Er habe dargelegt, dass eine Gemeinde zu ihrer Geschichte stehen müsse, weshalb die Erhaltung der Objekte nicht nur Aufgabe der Kirchgemeinde sein könne. Auch habe er darauf hingewiesen, dass die Wegkreuze geografische Anhaltspunkte sind und neben den Hochstammbäumen die Landschaft prägen.

Nachbildung kostet 1500 Franken

Die Argumente Morands, der selbst viele Jahre Gemeindepräsident von Nuglar-St. Pantaleon war, fanden bei Beat Inauen, dem damaligen Gemeinderat für Kultur und Bildung, Gehör: Ende April erteilte er den Auftrag für eine Gussform und vier zu ersetzende Jesus-Exemplare. Die Kosten in Höhe von 1500 Franken für die Figuren habe man sich mit der Kirchgemeinde geteilt, erzählt der Alt-Gemeinderat. Er bestätigt, dass zuvor debattiert worden war, «ob die Wegkreuze im Aufgabenbereich der katholischen Gemeinde liegen». Denn die Einwohnergemeinde halte sich an die Religionsfreiheit, und «so lässt sich darüber diskutieren, ob sie katholische Symbole unterstützen soll». Das sage er, obwohl er selbst katholisch aufgewachsen sei.

Höhere Strafen für Vandalen

Kein Katholik und dennoch glücklich über die «Auferstehung des Herrn am Wegkreuz» ist Gemeindehandwerker Peter Füllemann. «Es wäre ein Armutszeugnis für unsere zwei Dörfer gewesen, wenn die Kreuze leer geblieben wären», findet der freikirchliche Christ. Er habe die Figuren gerne aufgehängt. Zuvor habe er ein Inventar der 15 Kreuze erstellt. «Ausserdem habe ich sie mit dem Hochdruckreiniger gewaschen, neu gestrichen und die Inschriften sichtbar ausgemalt.» Und er habe dafür gesorgt, «dass der Jesus jetzt sicherer hängt». Füllemann hofft, dass sich damit frühere Vorfälle wie die Diebstähle mehrerer Figuren verhindern lassen. Mit Prävention allein sei es allerdings nicht getan. «Es müssen vor allem die Strafen für antireligiösen Vandalismus endlich höher sein.»