Pilotprojekt
Die Oberwiler Kinder dürfen immer brav der Schnecke nach

Oberwiler Kinder haben es gut: Eigens für sie liess die Gemeinde einen Ortsplan erstellen. Dort zeigt eine Schnecke den Kindern, wo spannende, aber auch gefährliche Orte für sie sind. Weitere Gemeinden werden dem Beispiel folgen.

Benjamin Wieland
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Die Welt in Kinderaugen: Kinderortsplan Oberwil.

Die Welt in Kinderaugen: Kinderortsplan Oberwil.

http://kinderplan.net/unsere-kinderplaene/oberwil

Die Schnecke bemalt eine Wand, skatet eine Strasse entlang oder schlittelt einen Hang herunter. An anderen Orten fährt sie Velo, spielt Ping-Pong oder brätelt einen Klöpfer. Die Schnecke ist das Maskottchen des Kinderortsplans der Gemeinde Oberwil, der vor wenigen Tagen erschienen ist. Die Figur zeigt den Kindern an, wo sich die Orte befinden, die für sie geeignet und interessant sind - also die Strassen, Plätze und Wiesen, wo sie ungestört verweilen und sich austoben dürfen.

Ziel des neuen Ortsplans mit der Auflage von 3000 Stück ist es, den öffentlichen Raum für die jüngere Generation wieder attraktiver zu machen. «Die Kinder sollen ihren Wohnort wieder vermehrt mit den eigenen Füssen erkunden», sagt Projekt-Koordinator Lorenzo Vasella. «Nur, wer mit eigenen Füssen geht, nimmt seine Umwelt richtig wahr. Aus dem Auto heraus ist das nicht möglich.»

Eltern-Taxi unerwünscht

Ein Umdenken soll der Plan auch bei Eltern bewirken. Wie in vielen anderen Gemeinden auch, stelle man in Oberwil einen Trend zum Eltern-Taxi fest, sagt Vasella - das habe negative Folgen: «Der Schulweg ist etwas sehr wichtiges. Viele Erlebnisse und Erinnerungen werden auf dem Schulweg gemacht.»

Der Plan sieht die Welt mit Kinderaugen. Die Projekt-Verantwortlichen schritten mit Primarschulklassen die Strassen ab und befragten die Schüler nach ihren Eindrücken. Dort, wo sie sich gerne aufhielten (und dies auch möglich ist), wurde dies mit der Schnecke und weiteren Symbolen markiert, etwa mit einem Fussballplatz.

Angezeigt sind aber nicht nur die «schönen» Orte, sondern auch diejenigen, die für Kinder gefährlich sein könnten. Die zu meidenden Stellen sind mit Warndreiecken und Ausrufezeichen markiert. Auch die Strassen sind klassifiziert: Diejenigen mit viel Verkehr wurden rot eingefärbt, was signalisieren soll: Lieber einen anderen Weg suchen, zum Beispiel eine Strasse in orange (wenig Verkehr), gelb (kein Verkehr) - oder am besten in grau (das sind Fusswege).

Kantonales Pilotprojekt

Die Schneckenfigur gestaltet hat die Oberwiler Künstlerin Franziska Mbarga. Der Plan selber stammt vom Beratungsbüro Kobra, das bereits im süddeutschen Raum viele solcher Pläne für Kinder umgesetzt hat. Finanziell griff der Gemeinde der Kanton unter die Arme. Das Kartenwerk, für dessen Realisierung von der Idee bis zum Druck rund zwei Jahre vergingen, gilt bei der Gesundheitsförderung Baselland als Pilotprojekt. Es gibt ihn nicht nur auf Papier, sondern auch elektronisch.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass andere Gemeinden dem Oberwiler Beispiel folgen werden. Die Schnecke käme dann aber wohl nicht mehr zum Einsatz - denn das Tier wurde nicht zufällig gewählt, wie die Einheimischen wissen: Die Oberwiler werden im Leimental auch «Schnägge» genannt.

Der kostenlose Plan liegt in allen Schulhäusern Oberwils und in der Gemeindeverwaltung auf.