Liestal
Die Orgel der Stadtkirche erhält eine Verjüngungskur

Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird derzeit saniert. Orgelbauer Matthias Braun und seine Kollegen reinigen jede der 2814 Orgelpfeifen einzeln.

Michel Ecklin
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Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert
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Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert.
Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert. Hier arbeitet Braun am Ventilkasten unter der Windlade.
Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert. In dieser Orgel sind über 2814 Pfeifen verbaut.
Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert. Mechanik zur Ventilsteuerung
Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert. Ausgebaute Registerzüge.
Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert. Die ausgebauten Registerzüge werden gründlich gereinigt.
Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert. Stöpsel von Holzpfeifen.
Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert.

Die Orgel der Stadtkirche Liestal wird revidiert

Roland Schmid

Betritt man die Liestaler Stadtkirche und blickt nach hinten, sieht man auf der Empore die Kirchenorgel aus dem Jahre 1863. Als Laie erkennt man eine Wand aus grossen Pfeifen aus Metall und denkt sich: Das ist jetzt die Orgel. Doch dahinter versteckt sich viel mehr, das weiss keiner besser als der Orgelbauer Matthias Braun. Das Instrument in der Liestaler Stadtkirche besteht nämlich aus vier separaten Instrumenten («Registern») mit insgesamt 2814 Pfeifen. Einen Grossteil davon hat Braun derzeit sorgfältig auf der Empore der Kirche aufgereiht.

Vor einem Monat öffneten er und seine Mitarbeiter der Firma Späth Orgelbau AG das Instrument aus dem Jahre 1863. Die Aufgabe, die ihnen die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg auferlegt hat: Die Orgel zum ersten Mal nach rund 20 Jahren sanieren. «Wir stiessen als Erstes auf eine Staubschicht», sagt Braun. Detaillierte Pläne gibt es nicht, und nicht alle Pfeifen sind angeschrieben. «Wir schrauben Orgeln auf und sehen erst dann, was alles getan werden muss», sagt Braun. In Liestal gibt es vor allem viel Schimmel zu entfernen. Jede einzelne Pfeife reinigen und polieren Braun und seine Kollegen mit Benzin und Pinsel. Das ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. «Wenn Staub dran klebt, tönen sie schlechter», sagt Braun. Die grossen Pfeifen aus Holz putzen sie mit Schmierseife, Risse reparieren sie.

Leder und Filz der Ventile werden mit Zahnbürste gepflegt und bei Bedarf ganz ersetzt. Braun, der schon einige Orgeln in der Schweiz gesehen hat, ist beeindruckt vom Tastaturverstärkersystem in Liestal. Es besteht aus einem unübersichtlichen Gewusel von Stangen und Scharnieren, gebaut 1863. «Das ist Hagebuchenholz, das verzieht sich fast nicht», sagt Braun.

Eine Sache von «Ohren, Augen und Herzen» ist für ihn die Intonation, das Nachjustieren des Klangbildes. Mit Zurechtbiegen kann er die Pfeifen dazu bringen, wieder harmonisch zu tönen. «Da kann es sein, dass nach zehn Hammerschlägen noch nichts passiert, und erst beim elften höre ich einen Unterschied», sagt Braun. «Ich hoffe, das ist nicht bei allen 2814 Pfeifen nötig.»

Die Eingeweide der Orgel sind eng und verschachtelt, Taschenlampe und Spiegel sind übliche Hilfsmittel. Das Metall berühren Braun und seine Kollegen nur mit Handschuhen. «Orgelbauer behandeln eine Orgel immer wie ihr eigenes Kind», sagt Braun. Früher wurden Orgeln alle zehn Jahre revidiert, heute nur noch alle 15 bis 20 Jahre. «Die Kirchen warten meist zu lange», findet Braun. Das Instrument in Liestal, findet er, ist noch in einem verhältnismässig guten Zustand. Die Orgel hatte recht viel Schimmel, aber zum Glück keinen giftigen. Anderswo erkenne man das Holz nicht mehr, gehört hat er auch schon Geschichten von toten Katzen in Orgelpfeifen.

Verbesserung soll man hören

Braun spielt selber Klavier. Damit kann er einer Orgel einige Töne entlocken, aber eigentlich wäre das gar nicht nötig. Orgelbauer ist er geworden, weil der Barockmusik mag – und weil er im Unterschied zu Klavierbauern eine Orgel vollständig herstellen kann.

In rund einem Monat wird die 140’000 Franken teure Sanierung der Liestaler Orgel fertig sein. Die Besucher von Konzerten und Gottesdiensten werden den besseren Klang erkennen, hofft Braun – «wenn sie gut hinhören». Die Melodien der Stimmen würden besser zum Ausdruck kommen. Er selber wird am Einweihungskonzert im kommenden Frühling in der Stadtkirche dabei sein. Es geht ihm dann nicht darum, Lob von Besuchern abzuholen, wie er betont: «Ich will Freude haben an dem, was ich getan habe. Das ist dann der Moment, an dem ich mich wohlfühle.»