Kultur
Die Punkfrisur naturfarben, das Outfit Marke Edelclochard

Spass muss sein: Geiger Nigel Kennedy hat an seinem Konzert für beste Stimmung gesorgt – und die Zuhörer begeistert.

Nikolaus Cybinski
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Samstagabend im Musiksaal des Casinos: Junge, schlanke, langhaarige Frauen in meist schulterfreien schwarzen Abendkleidern kommen aufs Podium.

Sind das etwa die nachgeborenen Schwestern der Musikerinnen aus Antonio Vivaldis Mädchenkapelle im venezianischen Ospedale della Pietà? Könnte sein, doch ein Blick ins Programmheft klärt die Frage: Es sind die Musikerinnen aus dem Orchestra of Life, das zusammen mit der Nigel Kennedy Band zurzeit durch Europa tourt und nun in Basel Station machte.

Handküsse für Konzertmeisterin

Und dann, nach ein paar Minuten, kommt er, in grossen Schritten, die Geige schwingend, lachend, zum Publikum winkend, das ihn stürmisch begrüsst.

Die Punkfrisur nun naturfarben, das Outfit Marke Edelclochard. Fünf Handküsse für die Konzertmeisterin Lizzie Ball, und das Gleiche für die Stimmführerinnen der zweiten Geigen und der Celli.

Dann geht es los, und wie! Straffes Tempo und grosser Klang in Bachs Konzert für Violine und Streicher (BWV 1041), wobei Kennedy spielend mal zu den ersten, mal zu den zweiten Geigen gehend und oft mit dem rechten Fuss stampfend in seinen Pausen mit wildem Kreisen des rechten Arms seine Musikerinnen und die Männer der Bassgruppe anfeuert. Und die spielen einen schwungvollen Bach, bekommen dafür enthusiastischen Beifall.

Lauschen zu den Klängen von Bach

Noch in den hinein spielt Kennedy das Preludio aus der E-Dur Partita für Geige von Bach und lässt hören, dass er ein fantastischer Geiger ist. Kusshand für die Cellistin, mit der er anschliessend einen Satz aus dem «Musikalischen Opfer» spielt.

Noch einmal fünf Handküsse für sie, die er nun dem Publikum vorstellt. Danach Bach mit dem Konzert für zwei Violinen und Streicher (BWV 1043), in dem Sonja Schebeck ihm geigerisch in nichts nachsteht.

Dass sich in das Spiel seltsame Punktierungen einschleichen, seis drum, denn sie blieben harmlos im Vergleich zu Kennedys «Ergänzungen» der «Quattro Stagioni» Vivaldis.

Kapuzenmann mit Mundharmonika

Das Orchester ist nach der Pause wieder auf dem Podium, doch spielt da nicht irgendwer leise Mundharmonika? Tatsächlich! Ein kleiner Kapuzenmann geht langsam nach vorn, immer den «Frühling» ankündigend, steigt aufs Podium, zwei Geigerinnen nehmen ihm die Art Mönchskutte ab, und da steht er wieder: Nigel Kennedy, lacht, und das Publikum rast vor Vergnügen.

Was nun folgt, wird zur grandiosen Show. Je nach Stimmungen wechselt das Licht, Vivaldi wird verfremdet, gelegentlich richtig demontiert, zwei der drei Kontrabässe spielen Pizzicati, ein Tambourin verstärkt die Rhythmen. Die Solopassagen spielt Kennedy mit der Cellistin, und damit Überraschungen bleiben, schicken sie die Musik durch diverse Tonarten.

Und wenn die Bauern die reiche Ernte mit Tanz und Liedern feiern, dann darf da ein etwa zehnminütiges Jazzintermezzo die Stimmung zusätzlich steigern. Nigel Kennedy als Jazzgeiger! Falls es mit Vivaldi mal nicht mehr laufen sollte, hier könnte er am besten überleben. Und das Schönste: Vivaldi hält das aus. Am Schluss entfesselter Beifall, Entzückensschreie, Jubel für ein entspannendes Konzert. Wer weiss, vielleicht hätte Vivaldi ja auch gelacht.