Baselland
Die Raserstrecke Bruderholzstrasse wird entschärft

Das Tiefbauamt Baselland reagiert nach dem schweren Unfall auf der Bruderholzstrasse von Ende Januar. Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet und ein Büro untersucht die Möglichkeit einer Mittelleitplanke.

Valentin Kressler
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Montag, 30. Januar 2012. Auf der Bruderholzstrasse kommt es am frühen Morgen zu einer heftigen Kollision mit drei Fahrzeugen. Und mit gravierenden Folgen. Ein Lenker stirbt, drei Personen ziehen sich teilweise schwere Verletzungen zu. Es ist dies nicht der erste schwere Unfall auf der Kantonsstrasse zwischen Bottmingen und Münchenstein, die den Ruf einer Raserstrecke hat. Am 18. November 2010 etwa ereignete sich eine Frontalkollision mit einer Toten und drei Verletzten, im Dezember 1996 starben gleich fünf Menschen.

Der genaue Unfallhergang der jüngsten Kollision von Ende Januar ist immer noch Gegenstand von Ermittlungen. Die Untersuchung stehe kurz vor dem Abschluss, sagt Michael Lutz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Baselland, gegenüber dem «Sonntag». Es fehle noch ein medizinisches Gutachten.

Nun haben Die Unfälle auf der Bruderholzstrasse auch das Tiefbauamt Baselland in Liestal aufgeschreckt. Der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi kündigt gegenüber dem «Sonntag» Massnahmen an. «Wir haben ein externes Büro damit beauftragt, die Möglichkeiten einer Mittelleitplanke für die Bruderholzstrasse zu untersuchen und auch Alternativen zu evaluieren», sagt er. «Aufgrund dieser Studie und der Prüfung der verschiedenen schweren Unfälle auf dieser Strasse haben das Tiefbauamt und die Polizei eine Arbeitsgruppe für das weitere Vorgehen gebildet.»

Noch vor dem Winter sollen gemäss den Angaben von Jacobi «Sofortmassnahmen wie zum Beispiel im Bereich Markierungen oder Tempo» eingeführt werden. Mittelfristig wolle man auch mit baulichen Massnahmen nachhaltige Verbesserungen erreichen. «Dazu müssen wir aber ein zu Ende gedachtes Projekt erarbeiten», sagt Jacobi. Dies sei aber nicht ganz einfach, weil die verschiedenen Unfälle und Frontalkollisionen unterschiedlich ausgefallen seien.

Dass die Kantonsverwaltung in dieser Sache jetzt handelt, dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass der politische Druck in den vergangenen Wochen erheblich gestiegen ist. Eines der Unfallopfer (D.H.) hat die Petition «Entschärft die Bruderholzstrasse!» lanciert. Darin werden Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit gefordert, um weitere Kollisionen auf der Bruderholzstrasse zu verhindern. Die Petition stösst auf Resonanz. Laut D.H. sind bisher rund 3500 Unterschriften zusammengekommen. Er sei «recht zufrieden» damit, sagt er gegenüber dem «Sonntag». Nach den Sommerferien soll das Begehren beim Landrat eingereicht werden. «Ich gehe davon aus, dass es am Schluss gegen 4000 Unterschriften sind», sagt D.H.

Unterstützung hat D.H. im Baselbieter Parlament schon heute erhalten. Der neu gewählte BDP-Landrat Marc Bürgi reichte Mitte April eine Motion ein, in der er eine Erhöhung der Verkehrssicherheit auf der Bruderholzstrasse fordert. Der Vorstoss wird auch von verschiedenen Parlamentariern von CVP, EVP und GLP unterstützt. Konkret spricht sich der Prattler Bürgi in seiner Motion für das Anbringen einer Mittelleitplanke sowie für Geschwindigkeitskontrollen aus. Velo- und Motorradfahrer sollen künftig zudem eine andere Strecke benützen. «Selbst Polizeikräfte bestätigen, dass die Bruderholzstrasse bekannt sei für Verkehrsunfälle», hält Bürgi in seinem Vorstoss fest.