Baselworld Halle
Die Redimensionierung der Baselworld

Der 430-Millionen-Messeneubau ist vor allem eine Investition für die Uhren- und Schmuckmesse. Die Dimensionen des Neu- und Erweiterungsbaus sind gross: 220 Meter Länge, 90 Meter Breite und gut 32 Meter Höhe.

christian mensch
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Regierungsrat Brutschin: «Basel ist stolzer Gastgeber der Baselworld.»

Regierungsrat Brutschin: «Basel ist stolzer Gastgeber der Baselworld.»

Die Messe Schweiz fand vor sechs Jahren drastische Worte: Wenn die Baselworld 2012 nicht neue Hallen zur Verfügung habe, komme die Uhren- und Schmuckmesse in ernsthafte Bedrängnis.

Die Tragweite dieser Warnung unterstrich die Messe mit einer von ihr in Auftrag gegebenen und von der BAK erstellten Studie «Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Messe Schweiz». Daraus ging hervor: Wenn das Schmuckstück im Basler Messekalender leidet, dann steht das ganze Messegeschäft auf dem Spiel. Denn rund ein Drittel der Wertschöpfung des Messekonzerns werde mit der Baselworld erwirtschaftet. 665 Millionen Franken würden jährlich im Zusammenhang mit der Messe umgesetzt. 6800 der 21800 Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt mit dem Messegeschäft verbunden sind, entfallen auf die Baselworld.

Die mit imposanten Zahlen unterfütterte Drohkulisse verfehlte ihre Wirkung nicht: Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt und die Baselbieter Stimmbürger sprachen sich für einen Hallenneubau aus, verbunden mit Staatsbeitrag von 90 Millionen Franken, vergünstigten Darlehen sowie zusätzlichem Aktienkapital für die Messe Schweiz.

An der Politik lag es nicht, dass die Baselworld 2012 nicht in den neuen Hallen stattfindet. Der Neustart der Weltmesse ist um ein Jahr verschoben. Nach einer ersten Bauphase steht erst die grosse Passerelle über dem Messeplatz im halb fertigen Zustand, drappiert unter eine kunstvolle Verpackung. 81 Millionen Franken wurden bisher verbaut, eingegossen in 7400 Kubikmeter Beton und armiert mit 1900 Tonnen Stahl.

Die Dimensionen des Neu- und Erweiterungsbaus sind jedoch erkennbar: Mit 220 Metern Länge, 90 Metern Breite und gut 32 Metern Höhe wird der Messebau zum mit Abstand grössten Baukubus im Stadtbereich. Dabei hat er schon stark geschlankt: 10 Meter länger, 16 Meter breiter und 3 Meter höher war er ursprünglich geplant und von den Behörden bewilligt. Die «städtebauliche Verbesserung» des überarbeiteten Projekts erfolgte nicht freiwillig.

Die Redimensionierung und die zeitliche Verzögerung stehen dabei in einem direkten Zusammenhang: Die ursprüngliche Planung der Architekten Herzog & de Meuron sowie die politisch austarierte Finanzierung wollten nämlich nicht zusammenpassen. Die eingegangenen Offerten der Generalunternehmer entsprachen nicht den zweckoptimistischen Erwartungen der Messeleitung, aber doch den realistischen Befürchtungen von Baufachleuten. Denn statt 350 Millionen Franken hätte der Bau gemäss dem günstigsten Angebot des Generalunternehmers HRS 580 Millionen Franken gekostet.

Einer der wesentlichen Faktoren, der bei der für die politische Debatte massgebenden Kostenschätzungen unterschätzt wurde, betraf die komplexe Baulogistik: Keine der grossen Messen durfte während der zweijährigen Bauzeit ausfallen, die Baselworld durfte nicht einmal mit Mitleidenschaft gezogen werden. Allein der Bauunterbruch und die Drappierung der Baustelle kosten einen zweistelligen Millionenbetrag.

Die Unfinanzierbarkeit des Projekts führte zu einem radikalen «Optimierungsprozess», den nicht die Architekten, sondern der Generalunternehmer besorgte. Dieser brachte sowohl die Bauverzögerung und die Redimensionierung, aber auch Einsparungen von 150 Millionen Franken.

Der Messeneubau kostet nun 430 Millionen Franken. Das Risiko möglicher Mehrkosten trägt der Generalunternehmer. Am 25. April 2013 soll er eröffnet werden. Pünktlich auf die Baselworld 2013.