Diebstähle
Die Region Basel ist eine Hochburg der Velodiebe

In den beiden Kantonen werden pro Jahr 4000 Velos als gestohlen gemeldet. Am meisten sind die Diebe bei den Bahnhöfen unterwegs. Als mögliche Abschreckung und Unterstützung der Polizei könnten GPS-Sender eingesetzt werden.

Birgit Günter
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Die Velodiebe sind in der ganzen Region am Werk. Am häufigsten verschwinden die Velos jedoch am Bahnhof SBB in Basel. Kenneth Nars

Die Velodiebe sind in der ganzen Region am Werk. Am häufigsten verschwinden die Velos jedoch am Bahnhof SBB in Basel. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Für Velobesitzer ist die Region Basel ein gefährliches Pflaster. Im vergangenen Jahr wurden im Kanton Baselland 1389 Velos als gestohlen gemeldet, im Stadtkanton waren es sogar 2536. Zum Vergleich: In Winterthur, der sechstgrössten Schweizer Stadt, sind es jährlich rund 1000. In Winterthur sollen nun Massnahmen gegen die Diebstähle ergriffen werden (siehe Infobox).

Neuralgische Punkte sind dabei vor allem die Bahnhöfe der Zentrumsgemeinden wie Liestal, Sissach oder Laufen sowie die Tramhaltestellen. Orte also, «an denen es am meisten Velos und Publikumsverkehr hat», erklärt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Eine Rangliste nach Ortschaften existiere aber nicht. Auch in Basel führt man keine Statistik darüber, wo die Velos jeweils wegkommen. «Solche Daten erheben wir nur, wenn es Sinn macht», sagt Staatsanwalt Markus Melzl. Dies sei der Fall beispielsweise bei Einbrüchen, wo man hoffe, den Tätern auf die Spur zu kommen und ihnen das Handwerk zu legen. Generell werden die Velos laut Melzl «querbeet in der ganzen Stadt» gestohlen; die meisten davon bestimmt am Bahnhof SBB.

GPS

Dank Lockvogel-Velos, die mit einem GPS ausgerüstet sind, soll die Polizei mehr Diebe in flagranti erwischen. Diesen Vorschlag hat der Grünliberale Kantonsrat Michael Zeugin am Dienstag in der Sendung «Schweiz aktuell» geäussert.

Rückendeckung erhält er dabei vom Zürcher Strafrechtsprofessor Martin Killias. «Bei den Velodiebstählen haben wir heute ein riesiges Problem in der Schweiz», sagt er. Da müsse man unbedingt etwas unternehmen. Und so funktionierts: Wird das Velo bewegt, löst dies bei der Polizei einen Alarm aus. Diese rückt aus und schnappt die Diebe. «Eine solche Aktion hätte zudem eine grosse präventive Wirkung», lobt Christoph Merkli, der Geschäftsführer von Pro Velo Schweiz.

Eine andere Möglichkeit ist die, dass der Besitzer selbst ein solches Gerät auf seinem Velo installiert. Bewegt jemand das Velo, erhält er einen SMS-Alarm. Im Internet kann er darauf verfolgen, wohin sich sein Velo bewegt - ähnlich wie bei Geldtransportern, die auch entsprechend ausgerüstet sind.

Einziger Nachteil: Die Geräte sind nicht ganz billig und bewegen sich um die 200 Franken. Doch Merkli ist überzeugt: «Die Geräte werden bald billiger. Und dann gehört ihnen die Zukunft.» (big)

Die Zahlen sind dabei über die Jahre hinweg relativ konstant. Im Baselbiet waren sie leicht rückläufig: Im Vorjahr, 2009, waren fast 200 Velos mehr geklaut worden. In der Stadt waren 2009 hingegen 100 Velos weniger weggekommen. Allgemein gilt: Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen. «Längst nicht alle Diebstähle werden gemeldet», sagt Melzl. Vor allem bei alten Velos, für welche die Versicherung kaum mehr etwas zahlt, sparen sich viele Besitzer die Mühe.

«Polizei unternimmt zu wenig»

Christoph Merkli, Geschäftsführer von Pro Velo Schweiz, schätzt denn auch, dass jährlich in der Schweiz 100000 Velos geklaut werden, also deutlich mehr, als gemeldet werden. «Der Klau von Velos ist ein Massenphänomen.» Merkli stört sich daran, dass Politiker und Behörden viel zu wenig gegen dieses «grosse Ärgernis» unternehmen. Denkbar seien bessere Abstellplätze, an denen man die Velos nicht nur ab-, sondern auch anschliessen kann. «Und bei der Fahndung könnte die Polizei sicher noch mehr machen», ist er überzeugt.

Diese sieht das anders. «Der Aufwand bei der Jagd auf Velodiebe ist unverhältnismässig», erklärt Melzl. Die Aufklärungsrate ist niedrig und basiert auf Zufall. Etwa, wenn bei einer Kontrolle festgestellt wird, dass einer mit einem gestohlenen Velo unterwegs ist. Im Jahr 2009 hat die Basler Polizei 35 Täter erwischt, die für 43 Fälle verantwortlich waren.

Diebe abschrecken

Die Idee, Velos mit einem GPS-Gerät oder etwas Ähnlichem quasi zu «chippen» (siehe Infobox), stösst bei Velobesitzern und Behörden auf unterschiedlichen Enthusiasmus. «Solche technischen Hilfsmittel begrüssen wir sehr», betont Merkli. Die Geräte würden die Arbeit der Polizei unterstützen und Diebe abschrecken. «Bei uns ist dies derzeit kein Thema», hält hingegen der Basler Polizeisprecher Martin Schütz fest, und sein Baselbieter Kollege äussert sich ähnlich.

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