Gesundheit
Die Region Basel steht vor einer Grippewelle

Nordwestschweiz Noch winken sogar Fachleute ab. Aber die Anzeichen mehren sich dennoch: Der Region Basel steht eine Grippewelle bevor.

Leif Simonsen
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Norden der Schweiz von der saisonalen Grippe bislang verschont (Symbolbild)

Norden der Schweiz von der saisonalen Grippe bislang verschont (Symbolbild)

Keystone

Erste Vorboten sind schon da: «Soeben haben wir im Kanton Baselland die ersten Fälle mit dem diesjährigen Grippevirus H1N1 registriert», vermeldet Kantonsarzt Dominik Schorr. In den Spitälern herrscht Ruhe vor dem Sturm. «Bei uns gibt es noch keine Anzeichen einer Grippewelle», freut sich Urs-Peter Modespacher, Mediensprecher des Kantonsspitals Bruderholz.

Keine Zweifel gibt es indes, dass es mit der Herrlichkeit bald vorbei ist. Laut Hochrechnungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) haben die Hausarztkonsultationen wegen Grippe auch in der Region Basel ein vorläufiges Saisonhoch erreicht. Mit 88 Grippe-Konsultationen pro 100000 Einwohner liegt man sowohl im Kanton Basel-Stadt als auch im Kanton Baselland schon über der Schwelle zur Epidemie, welche bei 72 Konsultationen pro 100000 Einwohner liegt.

Peak in zwei bis drei Wochen

Andreas Widmer, stellvertretender Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Leiter Spitalhygiene am Unispital Basel, relativiert zwar: «Diese Statistik erfasst auch leichtere Grippeerscheinungen wie Husten und Schnupfen.» Was die gefährliche Influenza angeht, rege sich in Basel noch nichts. Noch: Denn der Verlauf ist vorhersehbar. «Die Grippe kommt jeweils über Portugal und Spanien zu uns. Deshalb ist die Westschweiz auch schneller davon betroffen als wir.» Nach seinen Berechnungen wird es die nächsten zwei bis drei Wochen einen steilen Anstieg geben, bis dann der «Peak» erreicht sei.

Auch wenn offizielle Zahlen zum Impfverhalten in der Region fehlen: Ein Jahr nach der Schweinegrippe-Panik scheint sich wieder eine gewisse Impfmüdigkeit eingeschlichen zu haben. François Bocherens, Vizepräsident des Baselstädtischen Apothekerverbands, beobachtet eine Rückkehr zur Normalität: «In diesem Jahr liessen sich wiederum hauptsächlich Ältere und chronisch Kranke gegen Grippe impfen.»

Nur jeder Zehnte lässt sich impfen

Für Widmer liegt genau darin die Problematik, dass sich nur rund jeder Zehnte impfen lasse. Ökonomisch gesehen, sei das absolut sinnlos: «Entweder müssten alle darauf verzichten oder gleich zwischen 30 und 50 Prozent impfen.» Nur so könne man von den Grippewellen ganz verschont bleiben. «Für den Staat ist das die teuerste Variante», wagt der Mediziner des Basler Unispitals einen volkswirtschaftlichen Exkurs.

Das grösste Problem ortet er indes in der fehlenden Verantwortung des Pflegepersonals, bei welchem das Impfverhalten nach wie vor sehr mangelhaft ist. Die Ärzteschaft hebe sich hingegen positiv ab.

Impfzwang problematisch

Dass trotz klaren Empfehlungen des BAG keine Impfvorschriften für Pflegepersonal bestehen, empfindet er als bedauernswert, auch wenn dies gesetzlich nicht umzusetzen sei. Widmer hätte indes eine Lösung parat: «So viel ich weiss, ist das nicht geimpfte Pflegepersonal in Genf verpflichtet, einen Mundschutz zu tragen.» Dies wäre zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.