Metrobasel
Die Region Basel will sich vom Öl verabschieden

Eine Studie besagt: Basel-Stadt braucht rund 3 Tonnen CO2 pro Person. Das entspricht dem Durchschnitt, doch die Region will sich bessern.

Daniel Haller
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«Hätten wir den Kanton Nordwestschweiz, wäre Metrobasel überflüssig», fasste Metrobasel-Direktor Christoph Koellreuter gestern im Basler Kongresszentrum vor 400Teilnehmenden aus Wirtschaft und Politik die Position seiner Denkfabrik zusammen. Den Anspruch, Zukunfts-Strategien zu entwickeln, um Kräfte zu bündeln und die Position der Region Basel im internationalen Standortwettbewerb zu verbessern, unterstrich Metrobasel am gestrigen Forum mit hochkarätigen Podiumsdiskussionen zur Universität Basel (siehe Kasten) und zur Energiepolitik.

Metrobasel formuliert das Ziel, bezüglich Nachhaltigkeit solle die Region Basel zu den besten Metropolitanregionen im OECD-Raum gehören. Dafür hat sich Metrobasel der Kerngruppe des Energie-Trialogs Schweiz (ETS) angeschlossen. Am Forum zeigte sich aber, dass nur eine sehr kleine Minderheit der Teilnehmenden die Ziele des ETS kannte: Dazu gehört die Reduktion des CO2-Ausstosses pro Person auf unter 4 Tonnen bis 2020 und auf 1 Tonne bis 2035.

Bei den aktuellen Werten hat Basel-Stadt gemäss einer von Prognos erstellten Studie mit rund 3Tonnen CO2 pro Person die Nase vorn. Dies allerdings nicht nur wegen der Politik der Regierung, sondern auch weil die Verkehrswege kurz sind und in der Stadt kaum energieintensive Industrie angesiedelt ist. Gut die doppelte Menge des Klimagases produziert das Elsass, gefolgt von der Region Lörrach. Der Baselbieter CO2-Ausstoss entspricht dem Durchschnitt der Metropolitanregion und der Schweiz.

Gesucht: Praktikable Massnahmen

In der Diskussion waren sich die Vertreter beider Basel und der drei Länder bald einmal einig, die ETS-Ziele für die Region zu übernehmen und den Energieverbrauch zu «entkarbonisieren», also von Erdöl und -gas unabhängig zu machen. Dabei ist allerdings ein Hindernis, dass auf deutscher und französischer Seite die Gemeinden und Regionen viel weniger Kompetenzen haben für eine eigene Energiepolitik als in der Schweiz.

Der Baselbieter Nationalrat Eric Nussbaumer wies zudem darauf hin, dass man sich bezüglich Analyse und der Ziele schnell einig ist, dass aber die dahin führenden Massnahmen der eigentlich anspruchsvolle Teil seien. Gesucht waren also Massnahmen, auf die man sich in der Region grenzüberschreitend einigen könnte und die trotz unterschiedlicher politischer Systeme gemeinsam anzupacken wären. Dabei standen die Gebäudesanierung – inklusive Abriss und Neubau – und die Energieeffizienz im Verkehr im Vordergrund. Dies bedeutet nicht nur den Ausbau des S-Bahn-Systems, sondern auch die Förderung der Elektro-Mobilität. Der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin forderte zudem, dass vor allem aus Baden und Elsass die Pendler auf den öffentlichen Verkehr umsteigen müssten.

Als Skeptiker auf dem Podium entpuppte sich der EBM-CEO Hans Büttiker. Er wies auf den steigenden Stromverbrauch hin, prognostizierte eine Stromlücke und dass man 2013 darüber abstimmen werde, wo in der Schweiz das neue Atomkraftwerk gebaut werde. Brutschin wies hingegen diese These zurück: «Es gibt keine Stromlücke. Wird die Energie in Zukunft knapper, steigen einfach die Preise.»

Zur These des Moderators Ernst A. Brugger, ein innovativer Cleantech-Knowhow-Standort Basel könne sich international profilieren und neue Wertschöpfungsfelder erschliessen, meinte Hans Büttiker: «Cleantech ist schon recht. Aber wir sollten hier nicht einen Subventionsdschungel wie in der Landwirtschaft schaffen.» Da zeigte sich Jean-Marie Belliard, Präsident eines Elsässer Elektrizitätsunternehmens, wesentlich begeisterungsfähiger: «Nicht nur in der Pharmaindustrie, auch für die Energieeffizienz und Cleantech könnte die Region Basel das Labor des Planeten
werden.»