Landwirtschaft
Die Region hat ein neues Hochhaus – Fenaco stellt Riesen-Silobau in den Muttenzer Auhafen

Das einstige «Puff» beim Umschlag der Getreidernte auf dem Basler Dreispitzareal ist Geschichte. Ab sofort steht im Muttenzer Auhafen die hochmoderne Getreidesammelstelle der Fenaco bereit.

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Fenaco – Neues Silo auf dem Dreispitzareal
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Grosser Tag für Landi-Präsident Christian Banga, Fenaco-Geschäftsleitungsmitglied Heinz Mollet und Spartenleiter Hansjörg Reiss (v.l.)
Die wabenförmigen Silos ragen in den Muttenzer Himmel.
In der Schaltzentrale hat Betriebsleiter Konrad Freiermuth (rechts) das Sagen.
Prächtige Aussicht vom Silo-Dach in Richtung Basel.
Der Blick 74 Meter in die Tiefe.
Mit einem Schaufelkran, der 12 Tonnen fasst, wird Soja gelöscht.
Der zweite Lift für den Trockner – und gleichzeitig letzter der Anlagen – wird in Kombination aufgerichtet und an den Bestimmungsort geflogen.
Schaufel für Schaufel wird das Schiff entladen und das Soja über die Schiffsgosse und diverse Förderwege in das neue Silo transportiert.
Mit Bahnwagen wird Sojaschrot angeliefert und abgeladen.
Die ersten Testlastwagen entlädt Weizen in die Gosse.
Automatische Musterziehung bei Ankunft des Traktors vor Ablad.
Luftbild des Areals der Landi Reba.
Auf dem Dach wurde eine Ökofläche angelegt, auf der nun diverse Pflanzen einen neuen Lebensraum finden.

Fenaco – Neues Silo auf dem Dreispitzareal

zvg

74 Meter hoch ragt das jüngste «Hochhaus» der Region Basel in den Spätfrühlingshimmel, und es ist weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt entstanden. An diesem Wochenende weiht die Schweizer Grossgenossenschaft Fenaco im Muttenzer Auhafen nach zweijähriger Bauzeit ihre neue, 40 Millionen teure Getreidesammelstelle ein. Um das mächtige Betongebäude in der Muttenzer Hafenanlage errichten zu können, brauchte es eine Spezialbewilligung.

Ab sofort stehen 23 neu gebaute wabenförmige Silozellen und 8 vom früheren Besitzer übernommene und umgebaute Sandsilos bereit. Darin sollen rund 20 Prozent aller Getreide- und Ölsaatimporte der Schweizerischen Rheinhäfen umgeschlagen, gereinigt, zwischengelagert und zu den Verarbeitern weiterbefördert werden. Das sind bis zu 120'000 Tonnen im Jahr, wobei die Lagerkapazität der neuen Anlage 40'000 Tonnen beträgt. 80 Prozent der Weitertransporte sollen per Bahn erfolgen, sagt Fenaco-Geschäftsleitungsmitglied Heinz Mollet, der Rest per Lastwagen.

Die Pflicht zum Pflichtlager

Gleichzeitig kann Fenaco dank der neuen Anlage ihren vom Bund auferlegten Auftrag zur Pflichtlagerhaltung erfüllen. Dies ist angesichts der Unberechenbarkeiten im Agrarsektor, etwa wegen des Klimawandels oder logistischen Unterbrüchen, keineswegs eine Alibiübung, versichert Hansjörg Reiss, der Leiter der Fenaco-Sparte Getreide, Ölsaaten und Futtermittel.

Mollet und Reiss ist der Stolz über die neue Anlage, eine der grössten Bauinvestitionen in der Fenaco-Geschichte, deutlich anzusehen. Dabei ist Fenaco mittlerweile ein 6,3 Milliarden schwerer landwirtschaftlicher Grosskonzern, dem als Mutterhaus neben der Landi, den Volg-Läden und Agrola-Tankstellen solche Traditionsmarken wie der Getränkehersteller Ramseier gehören.

Regionale Bauern sollen profitieren

Von besonderem Interesse dürfte die neue Anlage für die Bauern der Region Basel werden. «Der Effizienzgewinn der neuen Anlage liegt darin, dass wir von nun an die internationalen Importe und die Ernte der Baselbieter Bauern am gleichen Ort umschlagen können», sagt Geschäftsleitungsmitglied Mollet. Die bisherige Getreidesammelstelle, die von der Landi Region Basel (Reba) auf dem Dreispitz geführt wurde, ist stillgelegt worden. Landi-Reba-Präsident Christian Banga hofft, dass die neue Abgabegestelle bei seinen Bauernkollegen auf Anklang stossen wird. Bei der Abnahme der jährlich rund 6000 Tonnen regionaler Getreideprodukte stehen Fenaco und die Landi in Konkurrenz mit diversen anderen Abnehmern im Grossraum Basel.

Statt des einstigen «Puffs» auf dem Dreispitz verspricht Banga den Landwirten im Auhafen kürzere Warte- und Entladezeiten sowie dank der hochmodernen Entlüftungsanlagen eine weitgehend staubfreie Arbeitsumgebung. Die ganze Anlage ist vollautomatisch und kann zur Not von nur einem Mitarbeiter bedient werden. In Sachen Silotechnik dürfte es zur Zeit nirgends in der Schweiz etwas Modernes geben, ergänzt Spartenleiter Reiss. Das Schicksal der neuen Anlage liegt in den Händen von Betriebsleiter Konrad Freiermuth und seinen drei Mitarbeitern.

Längere Anfahrt aus dem Leimental

Zur verkürzten Wartezeit für die Bauern trägt bei, dass die Getreideproben schon in der Wartezone vom Anhänger durch eine Sonde entnommen und dann mittels «Rohrpost» ins Labor in der Steuerungszentrale befördert und dort auf ihre Qualität hin analysiert werden können. Auch dürften die Zeiten vorbei sein, als Bauern mit ihren vollen Anhängern wieder nach Hause geschickt werden mussten, weil die Silokapazitäten bereits erschöpft waren, wie das auf dem Dreispitz regelmässig vorkam.

Ob die regionalen Landwirte die neue Sammelstelle tatsächlich akzeptieren, wird sich erstmals in etwa zwei Wochen zeigen, wenn die Baselbieter Getreideernte eingebracht wird. Für die Bauern aus den Frenkentälern verkürzt sich der Transportweg, ausserdem können sie künftig den Verkehr am Problemknoten Dreispitz vermeiden. Für die Bauern aus dem Leimental, der Baselbieter «Kornkammer», allerdings wird der Weg länger. Die rund 600 Traktor- und Lastwagenfahrten, die zur Erntezeit bisher das Dreispitzareal zum Ziel hatten, werden künftig vermehrt durch Muttenz führen. Um diese Bauern trotz längerer Anfahrt für den neuen Standort zu gewinnen, hat die Landi Reba eine «Auhafen-Prämie» ausgesetzt, die zwischen 50 und 100 Franken pro Ladung ausmachen wird, wie Christian Banga schätzt. Die Gewinne, die Fenaco dank der Effiziensteigerung am Auhafen erzielt, will Mollet an die Fenaco-Mitglieder «in Form von besseren Preisen weitergeben».

Für kleine Spezialkulturen zu gross

Einen Wermutstropfen bringt die neue Getreidesammelstelle allerdings mit sich, muss Christian Banga eingestehen. Bauern, die Spezialkulturen wie etwa Sonnenblumenkerne anbauen, müssen ihre Ernte künftig zur kleineren Landi-Sammelstelle nach Laufen bringen. Im Auhafen liege es aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht drin, dass die grossen Silozellen mit kleinen Mengen einer Spezialkultur für die Hauptsorten wie Mais, Weizen, Raps oder Gerste blockiert werden.

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